Mein Studium in London [1]: Wie alles begann

Laura kommt aus Berlin und studiert in London. Im Praktikum.info Karrieremagazin gibt sie exklusive Einblicke in den Londoner Studentenalltag und erzählt, was das Studium in England so besonders macht.

Laura in London

Schliesst sich die eine Tür…

...öffnet sich eine andere. Ich hatte mein Abitur am 20. Juni 2009 in der Tasche und dachte, jetzt kann ich mich für eine lange Zeit erst einmal entspannen und vom Lernen hab ich so was von die Schnauze voll.

Der Sommer wurde mit Reisen, viel Schlafen und Feiern verbracht. Doch jede schöne Zeit ist irgendwann einmal zu Ende und dann klopft die Verpflichtung an. Die Mama fängt irgendwann an zu fragen, was denn danach komme und wenn man keine passende Antwort hat, tappt man in die Beratungsfalle.  „Geh doch mal ins Berufsinformationszentrum und schau, was dir gefällt.“ Ich erspare euch die Details und mache es kurz. Mittlerweile war es Anfang August und der hundertste Versuch, ein bezahltes Europäisches Freiwilligen-Jahr mit meiner Freundin in England zu machen, war auch gescheitert.

EarlsfieldAlternativen müssen her

Einen Tag vor meinem 20. Geburtstag saßen wir zwei mit unseren Eltern zusammen und haben letzte Ideen zusammen getragen. Da dort nicht das Erhoffte heraus kam, bin ich mit meiner Freundin frustriert spazieren gegangen. Wir haben viel diskutiert, uns gegenseitig die Schuld zu geschoben und Sachen an den Kopf geworfen. Buchstäblich eine halbe Stunde vor Mitternacht lehnten wir dann völlig erschöpft an einer Häuserwand am Hackeschen Markt und haben schweigend und ratlos in die Nacht gestarrt.

Wie vom Himmel geschickt lief uns eine Bekannte aus der Parallelklasse über den Weg und überzeugte uns wie eine Vertreterin, einen Job als Au Pair anzutreten. Es sei der einfachste und best-bezahlte Weg, um nach England zu kommen. Man bringt die Kinder zur Schule, holt sie wieder ab, kocht ihnen Abendessen, spielt mit ihnen und plant gemeinsame Ausflüge. Dafür bekommt man ein wöchentliches Taschengeld, ein Zimmer und zahlt keinen Cent für Miete oder Verpflegung. Manche Gastfamilien übernehmen sogar die Reisekosten hin und zurück.

Als Au Pair nach England

Die Bekannte konnte uns zwar nicht auch noch zu einer gemeinsamen Party-Nacht überreden (so schnell ändert sich unsere Stimmung nun wirklich nicht), aber die dicke Luft zwischen mir und meiner Freundin war wie weggeblasen. Ich verabschiedete mich und raste nach Hause. Fünf Minuten vor Mitternacht war mein Profil auf dem Au Pair Online-Portal vollständig eingerichtet und ich konnte mit einem guten Gefühl und voller Erwartung einschlafen.

GastfamilieZwei Wochen später hatte ich bereits eine wundervolle Familie in Earsfield, London gefunden. Ich gebe zu, die Eingewöhnungsphase mit den Kindern war schwierig, weil Kinder nun mal keine Haustiere sind, sondern sensible kleine Lebewesen, die lange brauchen, bis sie jemandem vertrauen. Später aber waren mir die beiden so ans Herz gewachsen, dass ich sehr traurig war, als ich die Familie nach elf gemeinsamen Monaten im Juli 2010 verlassen musste.

Die Erkenntnis: Lust auf Bildung

Es war eine wundervolle Zeit, die ich auf keinen Fall mit etwas Besserem hätte füllen können, aber das Leben muss weiter gehen. Bildung musste mal wieder ran. Das Jahr als Au Pair hat geholfen, mir darüber klar zu werden, was ich machen will. Es war seltsam: Hatte ich doch vor dem Au Pair Jahr äußerst genug vom Lernen, so fehlte es mir am Ende richtig. Nur für andere auf Abruf  zu sein und zu „funktionieren“ ist eben nicht sehr zufriedenstellend und irgendwann wünscht man sich doch wieder, mehr für sich selbst tun zu können. Und seltsam die Zweite: Bis zum Abi hatte ich mir gesagt, dass ich nicht studieren will und eine Ausbildung mir reicht. Nach dem Au Pair Jahr hatte ich richtig Lust auf diese Bildungserfahrung. So begann im Sommer 2010 also meine Studienmission...

 

Unsere Auslandskorrespondentin

Laura RietzLaura Rietz ist 22 Jahre alt und kommt aus Berlin. Nach dem Abitur ging sie 2009 für ein Jahr nach London, um drei Dinge zu finden: Abwechslung, Abstand vom Lernen und allerlei Wissen, was sie mit ihrem Leben anstellen möchte.

Mittlerweile studiert Laura im vierten Semester Kreatives Schreiben & Journalismus an der Kingston University London und berichtet im Praktikum.info Karrieremagazin regelmäßig über die Erfahrungen als deutsche Studentin an einer englischen Universität.

 

 

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geschrieben von Laura Rietz am 30.03.2012

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