So schreibt man AGG-konforme Stellenanzeigen für Praktikanten.

So schreibt man AGG-konforme Stellenanzeigen für Praktikanten.

Das müssen Sie wissen.

  • Der Titel einer Stellenanzeige stellt die größte Herausforderung dar.
  • Um nicht gegen das AGG zu verstoßen, sollte man Stellenanzeigen nochmal genau überprüfen.
  • Die Qualität der Stellenanzeige bestimmt die Qualität der Bewerbungen entscheidend mit.

Das Wichtigste: der Titel

Die Stellenanzeige muss ausdrücklich allgemein und neutral ausgeschrieben sein, sodass sich alle Geschlechter angesprochen fühlen. Dabei müssen Sie besonders im Titel aufpassen, denn der ist das erste, was Ihre Bewerber_innen* sehen:

So ist es gut: Praktikant (m/w/d), Praktikant*in (m/w/d), Praktikant_in (m/w/d)

So nicht: Praktikant, Praktikantin

Die häufigste Variante aufgrund der Lesbarkeit: Praktikant (m/w/d). Hier werden männliche, weibliche und diverse Praktikant_innen angesprochen. Als modernes Unternehmen präsentieren Sie sich, wenn Sie zur Gendergap – Praktikant_in – oder zum Gender-Sternchen – Praktikant*in greifen. Der entstandene Freiraum steht symbolisch für alle sozialen Geschlechter, sodass sich dort alle diejenigen einordnen können, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugehörig fühlen.

Es dürfen nur dann Ausnahmen gemacht werden, wenn die Tätigkeit es erfordert. Wird beispielsweise eine Praktikantin für einen reinen Frauenverband gesucht, ist das laut § 8 AGG zulässig. Die angebliche körperliche Leistungsfähigkeit ist aber kein Grund. Selbst wenn ein Unternehmen also Mitarbeitende sucht, die 100kg Betonsäcke tragen, darf sich die Stellenausschreibung nicht nur an Männer richten.

In der heutigen Zeit schützt die rechtskonforme Formulierung einer Stellenausschreibung nicht nur vor kostenträchtigen Streitigkeiten. Sie steht vielmehr für einen modernen und aufgeschlossenen Arbeitgeber und ist daher auf der Suche nach gut ausgebildeten Fachkräften auf dem modernen Arbeitsmarkt unerlässlich.
Prof. Dr. Anja Mengel, Rechts- und Fachanwältin für Arbeitsrecht

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Weitere AGG-Fallen.

Alter: Suchen Sie nicht nach „jungen Praktikanten“, da Sie ältere Bewerber damit ausschließen. Auch auf die Formulierung wie „junges Team“ sollten Sie sicherheitshalber verzichten. Je nach Kontext ist das zwar laut Rechtsprechung erlaubt, da es sich nicht direkt auf das Alter des Mitarbeitenden bezieht; dennoch bietet der Ausdruck genügend Angriffsfläche und damit zu viele Gefahren.

Sprachniveau: Statt „Muttersprachler” sollten Sie lieber „sehr gute Sprachkenntnisse“ in die Voraussetzungen aufnehmen.

Religion: Vermeiden Sie Formulierungen wie „Sie sind katholisch … “ oder „als Mitglied der katholischen Kirche …“, da Sie so bestimmte Personengruppen aufgrund ihrer Weltansichten ausschließen.

Bewerbungsfoto: In den USA ist es bereits normal, auf das Bewerbungsfoto komplett zu verzichten – in Deutschland aber noch längst nicht. Darauf zu bestehen ist dennoch nicht AGG-konform, denn so kann man Ihnen vorwerfen, Sie hätten nach dem Aussehen entschieden.

Absagen: Bewerberinnen und Bewerbern, denen Sie eine Absage erteilt haben, können ihren Einspruch wegen Diskriminierung bis zu zwei Monate geltend machen. Aus diesem Grund sollten Sie als Arbeitgeber irgendwie festhalten, was der Grund Ihrer Absage war und diese Dokumente mindestens drei Monate aufheben.

Anforderungen an gute Stellenanzeigen.

Der Anspruch an Ihre Stellenanzeige ist aber natürlich nicht nur, nicht verklagt zu werden. Sie wollen natürlich auch die richtige Zielgruppe erreichen und qualitative Bewerbungen verzeichnen. In unserer Checkliste finden Sie die wichtigsten Fragen, die Sie sich zu Ihrer Stellenanzeige vor dem Publizieren stellen sollten:

Checkliste Stellenanzeige

Bild: Checkliste Stellenanzeige

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