BWL studieren: Vielfältiger als man gemeinhin denkt

BWL studieren: Vielfältiger als man gemeinhin denkt
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Jedes Semester beginnen tausende von Studienanfängern ein Studium der Betriebswirtschaftslehre (kurz BWL) an einer deutschen Fachhochschule oder Universität. In vielen Fällen lockt die Aussicht auf gute Jobperspektiven und ein stattliches Gehalt die Abiturienten in die Hörsäle. Doch worum es in einem BWL-Studium eigentlich geht, wissen die wenigsten Schulabgänger. Daher erlebt manch ein Erstsemester eine böse Überraschung...

Leben und Wirtschaften – Betriebswirtschaftslehre

Abiturienten wählen ihre Studienrichtung in erster Linie nach dem Lieblingsfach in der Schule und/oder den persönlichen Interessen aus. Problematisch wird es jedoch dann, wenn kein Schulfach für den angestrebten Studiengang existiert – wie bei der Betriebswirtschaftslehre.
Denn fragt man BWL-Studenten tatsächlich einmal nach den Interessen, fällt das Wort „Wirtschaft“ eher spät.

Natürlich ist es nicht notwendig den Studienschwerpunkt nach den Lieblingsbeschäftigungen auszurichten, doch sollte ein grundlegendes Interesse für den eigenen Studiengang vorhanden sein – und (im Idealfall) sogar Begeisterung. Denn Studium bedeutet in jedem Fall viele Stunden intensives Lernen, Hausarbeiten, Tests und Klausuren.

Betriebswirtschaft – weit mehr als Börse und Markt

Um die menschlichen Bedürfnisse zu erfüllen, werden Güter produziert, verkauft und schließlich konsumiert. Wir leben in einer (sozialen) Marktwirtschaft. Die Grundpfeiler unserer Gesellschaft sind Wirtschaft und Arbeitsteilung, unser Wohlstand basiert auf Wirtschaftswachstum. Doch angesichts der knappen Ressourcen müssen die vorhandenen Rohstoffe optimal eingesetzt werden. Hier kommt die BWL ins Spiel.

Betriebswirte analysieren die wirtschaftlichen Strukturen und Prozesse eines Unternehmens oder auch eines gesamten Landes, kennzeichnen Probleme und entwickeln Lösungsvorschläge. Doch BWLer arbeiten nicht nur mit Zahlen und Fakten, sondern finden auch kreative Lösungen für Unternehmen. Bei all ihren Überlegungen behalten (gute) Betriebswirte stets den Menschen im Blick – und zwar als Arbeitskraft und Verbraucher. Nicht umsonst gehört die BWL zu den Sozialwissenschaften.

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Was erwartet mich im BWL-Studium?

Das betriebswirtschaftliche Studium qualifiziert die Studierenden für einen Einsatz im Wirtschaftsbereich. Um sich auf eine solche Rolle vorzubereiten, wird den Studierenden ein Basiswissen über die verschiedenen Unternehmensbereiche vermittelt. Auf dem BWL-Stundenplan stehen meist vier große Themenkomplexe:

- Grundlagen der BWL
- allgemeine Betriebswirtschaftslehre
- Volkswirtschaftslehre
- Recht

Das beinhaltet auch Veranstaltungen im Bereich Marketing und Finanzierung zum Lehrangebot dazu sowie Kurse zu Mathe, Statistik, Steuern, Management, Mikro- bzw. Makroökonomie, Logistik, Controlling, Personalwesen und Unternehmensplanung.

Jeder BWL-Student muss im Grundstudium einen Pflichtteil dieser Themenschwerpunkte absolvieren. Im Hauptstudium können sich die Studierenden dann auf bestimmte Bereiche spezialisieren wie bspw. Personalmanagement, Finanzwissenschaft, Marketing, Steuerlehre oder Controlling.

Und was machst du mit BWL später einmal?

Betriebswissenschaftler werden in fast allen Unternehmensbereichen gebraucht – vom Rechnungswesen über die Logistik bis hin zur Geschäftsführung finden sich für BWLer vielfältige Tätigkeitsfelder.

Entsprechend lassen sich Betriebswirte in kleinen wie  großen Betrieben, im Handel, im Bankwesen und Kreditgewerbe oder in Beratungsunternehmen sowie in der öffentlichen Verwaltung finden. BWL-Absolventen können auch bei Gewerkschaften oder in Medien-Unternehmen arbeiten, Forschungs- und Lehrinstitutionen unterstützen oder Verbänden und Kammern beitreten. Selbst Krankenhäuser sind auf eine betriebswirtschaftliche Beratung angewiesen.

Sie planen Projekte, steuern und analysieren Prozesse, verwalten Firmenkapital, suchen nach Einsparmöglichkeiten, rekrutieren Mitarbeiter, erarbeiten Vertriebskanäle und Marketingstrategien.

Auch der Weg in die Selbstständigkeit steht Betriebswirten offen. Selbstverständlich muss man nicht BWL studieren, um später ein Unternehmen zu gründen. Doch ohne betriebswirtschaftliches Fachwissen wird es als Unternehmer schwer, sich gegenüber der Konkurrenz zu behaupten und langfristig auf dem Markt zu bestehen.

Faustregel: Im Studium den Grundstein für die Karriere legen!

Tatsächlich öffnet das BWL-Studium vielfältige Türen in die Berufswelt, doch von nichts kommt nichts! Neben theoretischem Fachwissen sind praktische Erfahrungen für einen späteren Karrierestart von immensen Wert. Daher ist es ratsam, bereits während des Studiums Berufsluft zu schnuppern.

Ein Praktikum in einem Unternehmen dient nicht nur der eigenen beruflichen Orientierung, sondern schafft auch gleichzeitig wichtige Kontakte zu potentiellen Arbeitgebern. Hier bauen sich die Studierenden persönliche Netzwerke auf, auf die sie beim Berufseinstieg eventuell zurückgreifen können.

„Wer nichts wird, wird Wirt.“

Diese Binsenweisheit ist so abgedroschen wie sie klingt. Dennoch kann tendenziell jeder BWL studieren. Immerhin gehört BWL immer noch zu den beliebtesten Studiengängen in Deutschland. Um sich jedoch zwischen Statistik- und Mathematikseminaren nicht allzu sehr zu quälen, ist ein grundlegendes mathematisches Verständnis von großem Vorteil.

Ebenso hilfreich sind Kenntnisse der Wirtschaft, Geschichte und Gesellschaft, um die grundlegenden politischen und ökonomischen Zusammenhänge zu verstehen. Auch das Schulenglisch sollte man mit dem Beginn der Betriebswirtschaftslehre nicht ad acta legen, denn mitunter finden Seminare in Englisch statt. Denn im Zuge der Globalisierung setzen viele Unternehmen bei ihren Mitarbeitern sehr gute Fremdsprachenkenntnisse voraus. Englisches Fachvokabular gehört in vielen Firmen zum guten Ton und ist ein fester Bestandteil im täglichen Arbeitsbereich. So gehören Standardvokabular Wörter wie „Credibility“, „Branding“ oder „Accessibility“ und fliegen wie selbstverständlich in den Gesprächen hin und her.

Fazit

Ein Studium der Betriebswirtschaftslehre schütteln nur die wenigsten ohne weiteres aus dem Ärmel. Im Gegenteil: Jeder vierte BWL-Student wirft bereits vor dem Abschluss das Handtuch, die meisten davon bereits im Grundstudium. Wer sich jedoch für wirtschaftliche Prozesse begeistert und auch nicht vor mathematischen Problemstellungen kapituliert, hat als BWL-Absolvent gute Job- und die Verdienstaussichten.

Doch wie in jedem Studiengang gibt es auch für BWLer keine Garantie für einen nahtlosen Berufseinstieg. Wie stark ein Betriebswirt letztlich am Arbeitsmarkt gefragt ist, richtet sich u. a. nach seiner Spezialisierung. Gerade bei beliebten Fächern wie Marketing und HR ist die Konkurrenz hoch, während Finanzwissenschaftler für einen Job meist nicht lange suchen müssen.

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Über den Autor

Claudia Wegner
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