Mindestlohn im Praktikum: Segen oder Fluch?

Mindestlohn im Praktikum: Segen oder Fluch?
PRAKTIKUM.INFO-Umfrage

Was hältst du von einem Praktikum nach dem Studium?

Inhalt

  1. Lukrative Angebote oder Ausbeute: Mindestlohn im Praktikum
  2. CLEVIS Praktikantenspiegel 2017 klärt über das Gehalt im Praktikum auf
  3. Erfahrungen sind wichtiger als das Gehalt

Lukrative Angebote oder Ausbeute: Mindestlohn im Praktikum

Unbezahlte Praktika sind in der aktuellen Arbeitswelt kaum noch existent. Ein Umdenken im Human Resources Management hat bewirkt, dass junge und gut ausgebildete Praktikanten überwiegend fair entlohnt werden. Dennoch gibt es in einigen Branchen immer wieder unbezahlte Praktika. Dabei fallen auch Praktikanten unter bestimmten Voraussetzungen unter die Mindestlohnregelung und haben somit einen Anspruch auf 8,84 Euro die Stunde.

Mit der Einführung des Mindestlohns durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Januar 2015 soll sichergestellt werden, dass ein Arbeitnehmer seine Lebensunterhaltungskosten für Miete, Strom, Telefon, Versicherung etc. mit seinem Lohn abdecken kann. Trotz der Regelung für Praktikanten fällt nicht jedes Praktikum in dieses Modell. Den festgesetzten Stundenlohn von 8,84 Euro – der Mindestlohn wurde seit 1.1.2017 von 8,50 Euro um 24 Cent auf 8,84 Euro angehoben – gibt es nur, wenn:

✓ das Praktikum länger als drei Monate dauert

✓ es sich um ein freiwilliges Praktikum handelt

✓ der Praktikant mindestens 18 Jahre alt ist

Wie viel verdiene ich im Praktikum?

Bei der Bezahlung von Praktika kommt es zunächst darauf an, ob es sich um ein Pflichtpraktikum oder ein freiwilliges Praktikum handelt. Ein Pflichtpraktikum ist in der Regel vom Mindestlohn ausgeschlossen. Von einem Pflichtpraktikum spricht man, wenn es im Rahmen der Lehr- und Studienpläne vorgeschrieben ist und in der sogenannten Prüfungsordnung gesetzlich geregelt ist. Natürlich kann der Arbeitgeber in seinem eigenen Ermessen und vollkommen eigenständig bzw. freiwillig jederzeit eine Vergütung zahlen, auch wenn er dazu rein gesetzlich nicht verpflichtet ist. Wenn es sich um ein freiwilliges Praktikum handelt und dieses länger als drei Monate dauert, muss der zukünftige Arbeitgeber den Mindestlohn gewährleisten. Außerdem kommt es darauf an, welchen Schulabschluss du besitzt und welche Vorerfahrungen du bereits sammeln konntest.

>> Alles zum Thema Mindestlohn

CLEVIS Praktikantenspiegel 2017 klärt über das Gehalt im Praktikum auf

Wer wie viel Gehalt im Praktikum erhält und wie wichtig den Praktikanten eine Vergütung ist, zeigt der aktuell veröffentlichte CLEVIS Praktikantenspiegel, der am 02. Februar 2017 auf dem bundesweiten Tag der Praktikanten in Berlin vorgestellt wurde. Die Studie beweist, dass auch heute noch die Bezahlung von Männern und Frauen deutliche Unterschiede aufweist. So verdienen männliche signifikant mehr als weibliche Praktikanten, was allerdings auch darauf zurückzuführen ist, dass Männer und Frauen in unterschiedlichen Branchen und Berufen tätig sind – auch schon im Praktikum. Neben der Gender-Pay-Gap beschäftigt sich der diesjährige Praktikantenspiegel, der eine Zusammenarbeit von CLEVIS Consult, ABSOLVENTA und dem Lehrstuhl für Marketing der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg darstellt, mit den wichtigsten Ergebnissen zur aktuellen Lage der Praktikantenwahrnehmung. Darunter fällt auch das Gehalt der Praktikanten. 

Dabei verdienen Praktikanten durchschnittlich 82,09 Euro mehr als im Vorjahr und kommen somit auf ein durchschnittliches Monatsgehalt von 1.032,52 Euro. Besonders interessant: Obowhl nicht jedes Praktikum unter das Mindestlohngesetz fällt, hat sich auf Seiten der Arbeitgeber die Vergütung von Praktika durchgesetzt: 97,02 Prozent der Befragten erhielten eine Vergütung, obwohl 47,1 Prozent ein nicht zu entlohnendes Pflichtpraktikum absolvierten. 

Gehalt im Praktikum laut Praktikantenspiegel 2017

 

Quelle: CLEVIS Praktikantenspiegel 2017

Erfahrungen sind wichtiger als das Gehalt

Das Gehalt der Praktikanten ist nach wie vor abhängig von der Branche, in der sie arbeiten. Im Praktikantenspiegel 2017 wurden 5.547 Praktika bewertet. Davon waren 53,68 Prozent weibliche und 46,63 Prozent männliche Teilnehmer, die zwischen 23 und 25 Jahren alt waren und damit der „Generation Y“ angehören. Die meisten Praktikanten der Studie befinden sich zum Zeitpunkt der Befragung im Studium der Wirtschaftswissenschaften. Bewertet wurden 315 Unternehmen, der Großteil aus der Konsum- und Gebrauchsgüterbranche.

Innerhalb von Deutschland existiert beim Praktikantengehalt ein deutliches Ost-West-Gefälle mit Ausnahme von Berlin. Die Städte Hamburg, Bremen, Baden-Württemberg, Berlin und Bayern sind aufgrund ihrer Wirtschaftskraft als Bundesland mit der Zahlung weit vorn. Besonders auffällig ist der Zusammenhang zwischen überdurchschnittlich hohem Gehalt und einem Wohnortwechsel von 200 Kilometern Entfernung. Master- und Bachelorabsolventen verdienen im Praktikum generell mehr als noch im Vorjahr. Bachelorstudierende verdienen in der Regel durchschnittlich 849,22 Euro brutto.

Die wichtigsten Gründe für ein Praktikum sind neben der Vergütung jedoch der Lernerfolg, das Verbessern des Lebenslaufs und das Kennenlernen spezifischer Branchen. Diese Motivationen stehen auf Platz 1 bis 3 und damit über der Bezahlung von Praktikanten.

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