Mindestlohn im Praktikum: Segen oder Fluch?

Mindestlohn im Praktikum: Segen oder Fluch?
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Lukrative Angebote oder Ausbeute: Mindestlohn im Praktikum

Unbezahlte Praktika sind in der aktuellen Arbeitswelt kaum noch existent. Ein Umdenken im Human Resources Management hat bewirkt, dass junge und gut ausgebildete Praktikanten überwiegend fair entlohnt werden. Dennoch gibt es in einigen Branchen immer wieder unbezahlte Praktika. Dabei fallen auch Praktikanten unter bestimmten Voraussetzungen unter die Mindestlohnregelung und haben somit einen Anspruch auf 8,50 Euro die Stunde.

Mit der Einführung des Mindestlohns durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Januar 2015 soll sichergestellt werden, dass ein Arbeitnehmer seine Lebensunterhaltungskosten für Miete, Strom, Telefon, Versicherung etc. mit seinem Lohn abdecken kann. Trotz der Regelung für Praktikanten fällt nicht jedes Praktikum in dieses Modell. Den festgesetzten Stundenlohn von 8,50 Euro gibt es nur, wenn:

✓ das Praktikum länger als drei Monate dauert

✓ es sich um ein freiwilliges Praktikum handelt

✓ der Praktikant mindestens 18 Jahre alt ist

Wie viel verdiene ich im Praktikum?

Bei der Bezahlung von Praktika kommt es zunächst darauf an, ob es sich um ein Pflichtpraktikum oder ein freiwilliges Praktikum handelt. Ein Pflichtpraktikum ist in der Regel vom Mindestlohn ausgeschlossen. Von einem Pflichtpraktikum spricht man, wenn es im Rahmen der Lehr- und Studienpläne vorgeschrieben ist und in der sogenannten Prüfungsordnung gesetzlich geregelt ist. Natürlich kann der Arbeitgeber in seinem eigenen Ermessen und vollkommen eigenständig bzw. freiwillig jederzeit eine Vergütung zahlen, auch wenn er dazu rein gesetzlich nicht verpflichtet ist. Wenn es sich um ein freiwilliges Praktikum handelt und dieses länger als drei Monate dauert, muss der zukünftige Arbeitgeber den Mindestlohn gewährleisten. Außerdem kommt es darauf an, welchen Schulabschluss du besitzt und welche Vorerfahrungen du bereits sammeln konntest.

Praktikantenspiegel 2016 klärt über die Bedeutung des Gehalts im Praktikum auf

Wer wieviel Gehalt im Praktikum erhält und wie wichtig den Praktikanten eine Vergütung ist, zeigt der aktuell veröffentlichte Praktikantenspiegel, der am 28. Januar 2016 auf dem bundesweiten Tag der Praktikanten in Berlin vorgestellt wurde. Die Studie beweist, dass auch die Branche, für die man sich im Praktikum entscheidet, sehr bedeutend für die Höhe der Vergütung eines Praktikums ist. Hier gibt es zwischen den verschiedenen Branchen immense Unterschiede. Im diesjährigen Praktikantenspiegel, der eine Zusammenarbeit von CLEVIS Consult, ABSOLVENTA, der Zeitschrift Personalwirtschaft und dem Lehrstuhl für Marketing der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg darstellt, wurden die wichtigsten Ergebnisse zur aktuellen Lage der Praktikantenwahrnehmung festgehalten. Darunter fällt auch das Gehalt der Praktikanten.

Infografik

 

Quelle: Praktikantenspiegel 2016

Erfahrungen sind wichtiger als das Gehalt

Das Gehalt der Praktikanten ist nach wie vor abhängig von der Branche, in der sie arbeiten. Im Praktikantenspiegel 2016, der am 28. Januar 2016 gemeinsam mit ABSOLVENTA auf dem Tag der Praktikanten bei Microsoft in Berlin vorgestellt wurde, wurden 6.262 Praktika bewertet. Davon waren 54,33 Prozent weibliche und 45,67 Prozent männliche Teilnehmer, die zwischen 23 und 25 Jahren alt waren und damit der „Generation Y“ angehören. Die meisten Praktikanten der Studie befinden sich zum Zeitpunkt der Befragung im Studium der Wirtschaftswissenschaften. Bewertet wurden 446 Unternehmen, der Großteil aus der Konsum- und Gebrauchsgüterbranche.

Das durchschnittliche Bruttogehalt für Praktikanten, so besagt es die Studie, liegt aktuell bei 950,43 Euro. Betrachtet man das durchschnittliche Bruttogehalt eines Praktikanten, der rechtlich Anspruch auf den Mindestlohn hat, so zeigt sich eine deutliche Gehaltssteigerung auf durchschnittlich 1.240,18 Euro. Damit erhalten 96,49 Prozent aller Praktikanten ein Gehalt, womit der Großteil der Praktikanten ihr Gehalt als angemessen empfinden.

Innerhalb von Deutschland existiert beim Praktikantengehalt ein deutliches Ost-West-Gefälle mit Ausnahme von Berlin. Die Städte Hamburg, Bremen, Baden-Württemberg, Berlin und Bayern sind aufgrund ihrer Wirtschaftskraft als Bundesland mit der Zahlung weit vorn. Besonders auffällig ist der Zusammenhang zwischen überdurchschnittlich hohem Gehalt und einem Wohnortwechsel von 200 Kilometern Entfernung. Master- und Bachelorabsolventen verdienen im Praktikum generell mehr als noch im Vorjahr. Bachelorstudierende verdienen in der Regel durchschnittlich 849,22 Euro brutto.

Die wichtigsten Gründe für ein Praktikum sind neben der Vergütung jedoch der Lernerfolg, das Verbessern des Lebenslaufs und das Kennenlernen spezifischer Branchen. Diese Motivationen stehen auf Platz 1 bis 3 und damit über der Bezahlung von Praktikanten.

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