Jura studieren: Ich bin Jurist, ich habe Recht!

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Jurastudium: Eines der beliebtesten Fächer Deutschlands studieren

„Das Rechtssystem kennt zwei voneinander unabhängige Behörden, die dem Schutz der Bürger dienen: Die Polizei, die begangene Straftaten aufklärt und die Staatsanwaltschaft, die die Täter anklagt.“ So beginnt jede Folge der Fernsehserie Law and Order.

Fast jedes Kind und jeder Jugendliche kennt Anwälte aus dem Fernsehen. Dort erstrahlen sie in schwarzen Roben, sind intelligent, integer und sorgen dafür, dass Verbrecher ins Gefängnis wandern und armen Menschen Recht widerfährt. Für Recht und Ordnung sorgen, Mörder einsperren, Opfer schützen, für das Gute kämpfen: Es gibt hehre Ziele für angehende Juristen. Die Aussicht auf Geld, Macht, Einfluss und Ansehen spielt zudem häufig eine Rolle bei der Entscheidung, Jura zu studieren.

Jura gehört in Deutschland zu den beliebtesten Studienfächern. Die Einen halten Juristen für diejenigen, die das Rechtssystem aufrecht erhalten und für eine stabile Ordnung sorgen. Die Anderen sprechen eher abfällig von Rechtsverdrehern und Paragrafenreitern. Die High Potentials, also die besten eines Jahrgangs mit exzellenten Noten, steigen mit sechsstelligen Gehältern in das Berufsleben ein, mit (unter)durchschnittlichen Juristen kann man – so zumindest Volkes Meinung – die Straße pflastern.

Jura studieren: Lernstoff wie Holzmehl

Juristen werden gebraucht, wenn Menschen ihre Konflikte nicht alleine regeln können und wenn dabei Gesetze missachtet werden. Juristen bewerten den Fall und entscheiden, ob einer der Akteure gegen die bestehenden Regeln verstoßen hat und welche Konsequenzen das hat. Sie verhandeln, vermitteln, schlichten und sprechen Recht.

Der römische Jurist Ulpian definierte vor rund 1800 Jahren: „Rechtswissenschaft ist die Kenntnis der menschlichen und göttlichen Dinge, die Wissenschaft vom Gerechten und Ungerechten“. Die göttlichen Rechtswissenschaften wie die Scharia (Islam) und das kanonische Recht (Katholizismus) spielen im klassischen Jura-Studium eine untergeordnete Rolle. Im Studium geht es um das weltliche Recht. Dieses Studium kann – gerade für kreative Menschen – langweilig sein. Franz Kafka, der ein Jurastudium mit Promotion abgeschlossen hat, formulierte es folgendermaßen: „Ich studierte als Jus. Das bedeutete, dass ich mich in den paar Monaten vor den Prüfungen unter reichlicher Mitnahme meiner Nerven geistig förmlich von Holzmehl nährte, das mir überdies schon von tausenden Mäulern vorgekaut war.“

Jura studieren: Alles ist irgendwo geregelt

Im Jurastudium lernen die zukünftigen Richter, Anwälte und Notare zunächst, wie sie die passende Rechtsgrundlage zum jeweiligen Fall finden. Kein Jurist kennt alle Paragrafen auswendig, er weiß aber, wie und wo er schnell fündig wird. Dazu wird er darin ausgebildet, Gesetzestexte und deren rechtliche Struktur zu verstehen und anzuwenden.

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Auslegungssache: Gesetze regeln das Rechtssystem

Jura studieren bedeutet jedoch auch, Gesetze auszulegen. In vielen Fällen passt ein Gesetz auf den vorliegenden Fall, häufig ist die Realität jedoch komplexer als ein abstrakter Gesetzestext. Juristen bewerten nun, in welchem Kontext die rechtliche Richtlinie entstanden ist. Dadurch kommt es zu Diskussionen unter Juristen, meistens bildet sich eine Mehrheitsmeinung gegenüber einer Minderheitsmeinung. Anwälte streiten in letzter Instanz vor einem Gericht über die Auslegung und Anwendung eines abstrakten Gesetzes auf einen konkreten Fall. Argumente aufzubereiten und zu präsentieren gehört daher ebenfalls zum Jurastudium.

So ist das Jura-Studium aufgebaut

In den ersten Semestern müssen Studenten das Grundstudium absolvieren. Im Pflichtfachstudium werden sie in Zivilrecht, Öffentlichem Recht und Strafrecht ausgebildet. Darauf folgen das Grundlagenstudium, das Schwerpunktstudium und ein Praktikum. Dieses Studium schließen Jura-Studenten mit dem ersten juristischen Staatsexamen ab. 2005 wurde die Prüfungsordnung jedoch geändert, sodass es sich um keine reine Staatsprüfung mehr handelt, da ein universitärer Prüfungsteil hinzugefügt wurde. Landläufig wird die Prüfung jedoch weiterhin als erstes Staatsexamen bezeichnet.

In den meisten Fällen absolvieren Jurastudenten nach ihrem Studium ein zweijähriges Referendariat (praktische Ausbildung). Schließt man dieses im zweiten Jahr mit dem zweiten Staatsexamen ab, gilt man als Volljurist, erlangt damit die Befähigung zum Richteramt und kann Karriere als Richter, Notar, Staats- oder Rechtsanwalt machen.

Wer in einem Bachelor-Studiengang Jura studiert, kann nach dem Abschluss nicht in Berufen arbeiten, für die man Volljurist sein muss. Es besteht jedoch die Möglichkeit, vom BA-Studium zu einem Rechtswissenschaftsstudium zu wechseln und das erste Staatexamen abzulegen.

Informiere Dich, welche Leistungen aus dem Bachelor angerechnet werden und in welchem Semester Du einsteigen kannst. Das variiert von Universität zu Universität.

Zudem besteht die Möglichkeit, einen Masterabschluss in Jura zu machen. Dieser Abschluss ist jedoch eine Zusatzqualifikation in einem bestimmten Rechtsbereich und ersetzt nicht die Staatsexamen. Master of Laws sind keine Volljuristen.

Jura studieren: Notwendige Fähigkeiten und Interessen 

Du willst Jura studieren? Dann solltest Du einige grundsätzlichen Fähigkeiten und Interessen mitringen. Anderes kannst Du während des Studiums lernen.

Wichtig ist, dass man sich schriftlich und mündlich verständlich ausdrücken kann, strukturiert denkt und sehr genau arbeitet. Dazu ist Abstraktionsvermögen notwendig. Juristen müssen Konflikte aushalten und Niederlagen ertragen können. Sie sollten sich mit gesellschaftlichen und politischen Themen beschäftigen und Fremdsprachenkenntnisse mitbringen. Für das Studium selbst gilt: Fleiß, Disziplin, ein gutes Gedächtnis, Ausdauer und eine schnelle Auffassungsgabe sind unerlässlich, um erfolgreich Jura zu studieren.

Richter, Anwalt, Notar und andere Juristen-Jobs

Die klassischen Jura-Berufe sind Richter, Notar, Staats- und Rechtanwalt. Anwälte können sich dafür in vielen Gebieten spezialisieren. Von Strafrecht über Familienrecht bis Insolvenz- oder Steuerrecht existieren viele Bereiche innerhalb der Rechtswissenschaften. Viele Jura-Absolventen arbeiten als selbstständige Anwälte. Weitere Berufsfelder sind der öffentliche Dienst und die öffentliche Verwaltung. Auch im Banken- und Versicherungssektor arbeiten Juristen. Sie entwickeln die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, prüfen Verträge und setzten diese auf, beurteilen Risiken und prüfen Schadensfälle. Sie müssen sich beispielsweise in den Bereichen Wettbewerbsrecht, Insolvenzrecht, Steuerrecht und Handelsrecht auskennen. Auch in juristischen Fachverlagen und in der Wirtschaftsprüfung, in der Industrie oder für Verbände und Organisationen – von Greenpeace bis zum Arbeitgeberverband – arbeiten Juristen.

Jobaussichten für Juristen

In der privaten Wirtschaft sind die Fähigkeiten von Juristen gefragt. Sie haben im Jurastudium gelernt, systematisch zu denken und methodisch zu arbeiten. Zudem bringen sie gute Analyse- und Urteilsfähigkeit mit.

Mit sehr guten Noten – ein „vollbefriedigender“ oder besserer Abschluss heißt Prädikatsexamen – können Juristen hoch-dotierte Jobs erhalten. Ein Großteil der Jura-Studenten besteht die Prüfungen jedoch lediglich mit „ausreichend“ oder „befriedigend“, wenn sie bestehen. Bei der ersten Staatsprüfung fallen 30 Prozent, bei der zweiten nochmal 20 Prozent der Teilnehmer durch. Nur 0,1 Prozent der Absolventen erhält die Note „sehr gut“. Diese High Potentials beginnen ihre Karriere häufig in internationalen Top-Kanzleien und starten mit einem Einstieggehalt jenseits der 100.000 Euro pro Jahr.

In Deutschland gibt es rund 235.000 Juristen, von denen rund 100.000 als selbstständige Juristen arbeiten. 50.000 sind in sozialversicherungspflichtigen Jobs angestellt, rund 6000 sind arbeitslos gemeldet. Unter den Fachanwälten ist das Arbeitsrecht (8000 Zulassungen) am beliebtesten. Es folgen Familienrecht (7700) und Steuerrecht (4400). Auf Strafrecht haben sich 2300 Fachanwälte spezialisiert.

Viel Erfolg beim Jura-Studium wünscht PRAKTIKUM.INFO!

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