Jura studieren: Ein klarer Fall von Erfolgsdurst

Jura studieren: Ein klarer Fall von Erfolgsdurst

Fast jedes Kind und jeder Jugendliche kennt Anwälte aus dem Fernsehen. Dort erstrahlen sie in schwarzen Roben, sind intelligent, integer und sorgen dafür, dass Verbrecher ins Gefängnis wandern und armen Menschen Recht widerfährt. Für Recht und Ordnung sorgen, Mörder einsperren, Opfer schützen, für das Gute kämpfen: Es gibt hehre Ziele für angehende Juristen. Die Aussicht auf Geld, Macht, Einfluss und Ansehen spielt zudem häufig eine Rolle bei der Entscheidung, Jura zu studieren. So sieht die ungeschönte Realität im Jurastudium aus.

Inhalt

  1. Beliebtheit: Bronze für die Rechtswissenschaften
  2. Voraussetzungen für ein Jurastudium: Das muss mit
  3. Jura studieren: Lernstoff wie Holzmehl
  4. Gesetze: verstehen, prüfen, anwenden
  5. Hochschule oder Uni – Bachelor oder Staatsexamen
  6. Jobaussichten: Das erwartet dich nach dem Jurastudium
  7. Das Gehalt: Was am Ende übrig bleibt

Beliebtheit: Bronze für die Rechtswissenschaften

Unbeirrt sind die Rechtswissenschaften (Jura) bei den Studierenden hoch im Kurs und zählen zu den beliebtesten Studienfächern. So überwinterte auch im vergangenen Jahr das Jurastudium auf einem Podiumsplatz und rangierte auf Platz drei der am stärksten besetzten Studienfächer nach BWL und Maschinenbau an deutschen Hochschulen. Hier die genauen Zahlen:

Studiengang Anzahl Studierende
Betriebswirtschaftslehre 234.715
Maschinenbau/-wesen 120.103
Rechtswissenschaft 112.271
Informatik 102.546
Wirtschaftswissenschaften 90.658

Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2140/umfrage/anzahl-der-deutschen-studenten-nach-studienfach/

Voraussetzungen für ein Jurastudium: Das muss mit

Populäre Studiengänge nähren oft Konkurrenz und Auslese. Denn wo der Bewerbungsandrang hoch ist, entscheidet in der Regel der NC, Abkürzung für Numerus Clausus, über die zu vergebenen Plätze. Als formale Voraussetzung brauchst du für ein Jurastudium einen gewissen Notendurchschnitt in deinem Abitur, um den geforderten NC zu erreichen. Letzterer fällt in der Höhe jedes Jahr unterschiedlich aus, bewegt sich bei den Rechtswissenschaften aber meistens zwischen 1,3 und 2,9. Im Sommersemester lockert sich das Ganze. Der Grund dafür: weniger Bewerbungen führen zu einem überschaubaren Ansturm und damit zu weniger Konkurrenz

Manche Universität öffnet ihre Türen sogar zulassungsfrei. Lernverweigerer aus der Schulzeit werden sich freuen, sollten aber dennoch aufpassen: Lockeres Durchhängen und entspanntes Schulbankdrücken funktionieren im Jurastudium nicht mehr. Hier heißt es für dich pauken, büffeln, ackern und viel studieren. 

Klar also: Lernbereitschaft ist hier Pflicht. Außerdem zählt als persönliche Voraussetzung für ein Jurastudium die Fähigkeit, sich schriftlich wie mündlich verständlich ausdrücken zu können. Dazu ist Abstraktionsvermögen notwendig. Juristen müssen Konflikte aushalten und Niederlagen ertragen können. Du solltest dich außerdem mit gesellschaftlichen und politischen Themen beschäftigen sowie Fremdsprachenkenntnisse mitbringen. Für das Studium selbst gilt: Fleiß, Disziplin, ein gutes Gedächtnis, Ausdauer und eine schnelle Auffassungsgabe sind unerlässlich.

Jura studieren: Lernstoff wie Holzmehl

Franz Kafka, der ein Jurastudium mit Promotion abgeschlossen hat, formulierte folgendermaßen: „Ich studierte als Jus. Das bedeutete, dass ich mich in den paar Monaten vor den Prüfungen unter reichlicher Mitnahme meiner Nerven geistig förmlich von Holzmehl nährte, das mir überdies schon von tausenden Mäulern vorgekaut war.“ Im Klartext: hoher Leistungsdruck, wenig Zeit, dröge Inhalte.

Dabei unterteilt sich ein Rechtsstudium in drei Bereiche, wobei du dich im Laufe deines Studiums auf einen spezialisieren musst:

  • Beim Zivilrecht geht es um das Verhältnis zwischen den Bürgern. Gibt es beispielsweise Unstimmigkeiten und Auseinandersetzungen nach einem Verkehrsunfall, regelt das Zivilrecht den Rechtsstreit.
  • Im öffentlichen Recht urteilen Verwaltungsgerichte. Ein Bauunternehmer klagt gegen das Bezirksamt, fordert eine Baugenehmigung. Rechtskräftig oder nicht? Deine Entscheidung.
  • Und zuletzt das Strafrecht, in dem der Staat Bürger verfolgt, die gesetzeswidrig handeln. 

Gesetze: verstehen, prüfen, anwenden

Stupides Auswendiglernen hat noch niemanden durch das Jurastudium gebracht. Fakt ist: Du musst dein Wissen im rechtlichen Kontext anwenden. Dafür lernst du zunächst, wie du die passende Rechtsgrundlage zum jeweiligen Fall findest. Dabei musst du nicht alle Paragraphen auswendig kennen, solltest aber wissen, wie und wo du schnell fündig wirst. Dazu musst du Gesetzestexte und deren rechtliche Struktur verstehen, um sie schließlich anwenden zu können.

Jura studieren bedeutet jedoch auch, Gesetze auszulegen. In vielen Fällen passt ein Gesetz auf den vorliegenden Fall, häufig ist die Realität jedoch komplexer als ein abstrakter Gesetzestext. Juristen bewerten nun, in welchem Kontext die rechtliche Richtlinie entstanden ist. Dadurch kommt es zu Diskussionen unter Juristen, meistens bildet sich eine Mehrheitsmeinung gegenüber einer Minderheitsmeinung. Anwälte streiten in letzter Instanz vor einem Gericht über die Auslegung und Anwendung eines abstrakten Gesetzes auf einen konkreten Fall. Argumente aufzubereiten und zu präsentieren, gehört daher ebenfalls zum Jurastudium.

Hochschule oder Uni – Bachelor oder Staatsexamen

Wer Rechtswissenschaften an der Hochschule studiert, schließt nach einer Regelstudienzeit von sechs Semestern mit einem Bachelor of Laws ab. Eine interessante Alternative, wenn du schnell im Wirtschaftsrecht oder Rechtsmanagement einsteigen möchtest. Schon nach drei Jahren geht es hier für dich ins Berufsleben oder in einen weiterführenden Master, der nochmal Zusatzqualifikationen draufpackt und tiefer in die Rechts-Materie greift.  

Mehr Zeit, Aufwand und Fleiß braucht es dagegen im klassischen Jurastudium mit abschließendem Staatsexamen, welches nur an Universitäten möglich ist. Hier legst du nach neun Semestern die erste juristische Prüfung ab: das erste Staatsexamen. Für viele ist das eine Herkulesaufgabe, betrachtet man die Durchfallquote von über 20 Prozent. Es folgen ein zweijähriges Referendariat und schließlich das zweite Staatsexamen. Nach frühestens sieben Jahren betreten die Übergebliebenen dann als Volljuristen den Gerichtssaal. Ein langer Weg und wofür?

Jobaussichten: Das erwartet dich nach dem Jurastudium

Die klassischen Jura-Berufe für Volljuristen sind Richter, Notar, Staats- und Rechtsanwalt. Nur die Elite krallt sich also die begehrten und hochangesehenen Jobs, was nicht heißen soll, dass Bachelor oder Master beim Arbeitsamt landen. So gibt es auch außerhalb der reglementierten juristischen Berufe viele Möglichkeiten – von der Wirtschaftsprüfung bis zum Informationsrecht. Je nach Bezug und Schwerpunkt des Studiums kommen verschiedene Tätigkeiten in Frage.

Anwälte können sich dafür auf vielen Gebieten spezialisieren: Von Strafrecht über Familienrecht bis Insolvenz- oder Steuerrecht existieren viele Bereiche innerhalb des Rechtssystems. Viele examinierte Jura-Absolventen arbeiten als selbstständige Anwälte. Weitere Berufsfelder sind der öffentliche Dienst und die öffentliche Verwaltung. Auch im Banken- und Versicherungssektor arbeiten Juristen. Sie entwickeln die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, prüfen Verträge und setzten diese auf, beurteilen Risiken und prüfen Schadensfälle. Sie müssen sich beispielsweise in den Bereichen Wettbewerbsrecht, Insolvenzrecht, Steuerrecht und Handelsrecht auskennen. Auch in juristischen Fachverlagen und in der Wirtschaftsprüfung, in der Industrie oder für Verbände und Organisationen – von Greenpeace bis zum Arbeitgeberverband – kannst du als Jurist tätig werden.

Das Gehalt: Was am Ende übrig bleibt

Mit einem „vollbefriedigenden“ oder besseren Abschluss, also dem sogenannnten Prädikatsexamen, kannst du als Jurist hoch-dotierte Jobs erhalten. Ein Großteil der Jura-Studenten besteht die Prüfungen jedoch lediglich mit „ausreichend“ oder „befriedigend“, wenn sie überhaupt bestehen. Gerade einmal 0,1 Prozent der Absolventen erhalten die Note „sehr gut“. Diese High Potentials beginnen ihre Karriere häufig in internationalen Top-Kanzleien und starten mit einem Einstiegsgehalt jenseits der 100.000 Euro pro Jahr.

Für Normalos gilt: Das durchschnittliche Einstiegsgehalt junger Juristen liegt bei ca. 50.000 Euro im Jahr – brutto. Ausgenommen sind Wirtschaftskanzleien. Dort fallen die Lohntüten etwas üppiger aus. Studien zufolge verdient knapp die Hälfte der Einsteiger über 86.000 € im Wirtschaftssektor. Mehr noch mit wachsender Berufserfahrung.

Wenn du also bereit bist, durchgepaukte Nächte und oftmals graue Inhalte in Kauf zu nehmen, dich erst spät ins Berufsleben zu wagen und eine steile, aber lange Lernkurve fahren willst, bist du mit einem Jurastudium gut beraten. Die rosigen Gehaltszahlen und tollen Berufsperspektiven sprechen allemal dafür.

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