Körpersprache & Persönlichkeit

Körpersprache & Persönlichkeit
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Körpersprache: So präsentiert man sich non-verbal

Man geht auf einen Freund zu. Und schon weiß man: „Heute besser mit Samthandschuhen anfassen!“ Wieso? Weshalb hat man meist ein untrügerisches Gefühl und kann diese Aussage treffen? Liegt es vielleicht an der Körpersprache des Gegenübers und der eigenen, unbewussten Übersetzung dieser Signale?

Man bedient sich meist instinktiv der Gesamtkommunikation eines Menschen, welche bereits vor dem ersten gesprochenen Wort stattfindet. Wie wäre es, wenn man nicht mehr unbewusst mit körpersprachlichen Signalen umgeht, sondern bewusst?

Vokabeln der Körpersprache

Das primäre und damit einfachste System unserer Kommunikation, welches uns sogar mit in die Wiege gelegt worden ist, ist leider in Vergessenheit geraten: nämlich unsere Ur-Muttersprache ‚Körper’. Daher hier ein kurzer Überblick über die Vokabeln der Körpersprache und Ihre Entsprechungen:

Haltung: Die innere Haltung entspricht der äußeren Haltung

Gang:  Der Gang spiegelt den Gang durchs Leben in:
• Geistigen Denkschritten durch physische Schritte
• Sicherheitsbedürfnissen durch Schrittlängen und Fußbewegungen
• Umgang (mit anderen) durch Tempo und Variationsvielfalt

Sitzhaltung: Aktuelle Reizaussendung und Beantwortung
• Geistige Haltungen entsprechen den Sitzhaltungen
• Geistige Veränderungen drücken sich in Sitzhaltungs(ver)änderungen aus
• Geistige Informationsaufnahme ausgedrückt in Sitzpositionen

Mimik:  Analogie zu physiologischen Reaktionen von
• Augen: Informationsaufnahme oder -ablehnung
• Mund: Aufnahme und „Geschmack“ von Informationen
• Nase:  Prüfinstanz für Informationsaufnahme und -abgabe

Gestik: Redeergänzungen zum gesprochenen Wort durch
• Beschreibende Gestik
• Vereinbarte Zeichen
• Fingerbedeutungen in Bezug zur Persönlichkeit und deren momentane Äußerungen

Territorien: Distanzzonen und Sicherheitszonen des Körpers
• Schutz- und Einlass-Signale
• Markierungsverhalten durch Gegenstände und Ordnungssysteme
• Zeitvereinbarungen als Respekt des Lebenszeitraums

Regeln der Körpersprache

Die Deutung von Körpersprache erfordert das Denken im analogen Geschehen; alles geschieht gleichzeitig und die Ebenen von Seele, Geist und Körper sind als senkrechte Entsprechungsebene zu sehen. Jeder körperlichen Ausdrucksform entspricht ein seelisch-geistiges Prinzip.

Der Körper kennt nur HIER und JETZT. Der Zeitpunkt einer Verhaltensänderung körperlicher Art ist von momentan auftretenden inneren wie äußeren Auslösern, wie eigene Gedanken, Gefühle und äußere Aktionen. Man sollte niemals einzelne Signale der Körpersprache deuten. Der gesamte „Satz“ ergibt den Sinn, einzelne Vokabeln sind ohne Kontext bedeutungslos. Körpersprache ist ein Gesamtkonstrukt, welche aus Situationen, beteiligten Personen und der verbalen Sprache besteht. Es gibt keine „richtige“ oder „falsche“ Körpersprache. Körpersprache IST.

Körperhaltung und Persönlichkeit

Die menschliche, aufrechten Haltung enthält eine Fülle von Persönlichkeitsmerkmalen, eine Art kleine Lebensbiographie. Nicht nur unsere Gesichter, mit den sich in zunehmendem Alter immer weiter prägenden Zeichnungen, zeigen deutlich die Spuren unseres bisherigen Daseins, sondern auch die gesamte Haltung verändert sich unaufhörlich Tag für Tag.

Wie sah aber eine ursprüngliche, ausgeglichene innere wie äußere Haltung aus, bevor sich durch unser Leben und Erleben die verschieden Neigungen, Betonungen und Übertreibungen entwickelt haben?

Gerade, aufrechte Haltung = innere Ausgeglichenheit und Aufrichtigkeit

Eine ideale, aufrechte, ausgeglichene Haltung werden wir bei keinem Menschen wirklich finden, da damit fast alle Persönlichkeitsmerkmale zurückgenommen werden.

Zu Beginn einer Kommunikation oder Präsentation ist es ratsam, diese ‚Grundhaltung’ einzunehmen. Das schafft beste Vorraussetzungen, um gelassen zu starten. Mit einem offenen, freundlichen Blick und einem Lächeln wird man so Respekt und Freundlichkeit ernten.

Präsentation der authentischen Persönlichkeit

Ziel ist es, das Gegenüber wach und interessiert zu halten, indem man sich mit den gesprochenen Sätzen bewegt: in der Gestik, Mimik und – falls möglich – im Raum. Man sollte kleine Schritte machen, mal seitwärts, mal nach vorne. Das eigene Denken und die Stimme werden dem Körper folgen. Am Ende eines Satzes sollte man einen deutlichen Punkt machen: dazu stehen bleiben, die Arme sinken lassen und ausatmen. So spricht man bewegend, abwechslungsreich und spannend in einer ganz eigenen Art.

Standpunkte vertreten, einnehmen, wechseln

Jedes Gespräch basiert auf einem verbalen und non-verbalen Standpunkt, den man vertritt. Männer haben hier einen klaren Vorteil. Beim betrachten der folgenden Bilder wird deutlich, was Frauen an ‚Standfestigkeit’ gegenüber dem Mann fehlt:

Die Frau nimmt nur minimal den ihr zur Verfügung stehenden Raum ein und „verschenkt“ den ihr angemessenen, zustehenden Raum. Diese Wirkung nimmt nicht nur der Empfänger der Botschaft auf, sondern er wirkt sich auch auf die Senderin selbst aus: Sie hat sicher nicht das Gefühl, fest zu ihren Aussagen stehen zu können und wird sich schnell bei Widerständen ‚umfallen’. Sprachlich finden sich bei einem solchen Standpunkt auch viele Konjunktive – eben Möglichkeiten, aber keine klare Aussage.

Dieses Verhalten im Gespräch, mit dem Ziel den eigenen geistigen Standpunkt klar zu machen, die Gedanken zu vertreten und zur eigenen Meinung zu stehen, hat eher gegenteilige Wirkung.

Anders dagegen präsentieren sich die Männer. Sie nehmen viel Raum in Anspruch und bringen damit zum Ausdruck: „Ich habe auch geistig das Sagen.“ Sie haben also auch den Anspruch auf Dominanz ihrer Ideen.

Beispiel:
Versucht man jemanden in einer breitbeinigen Haltung einmal von seinem Stand-Punkt physisch ‚wegzubewegen’, findet man die Starrheit, die man sieht, spürt und erlebt, auch im Gespräch, als Ausdruck seiner seelisch-geistigen Haltung wieder.

Hinter diesem Raumanspruch steht jedoch ein inneres Bedürfnis nach Sicherheit – physisch wie mental – denn diese Art und Weise, sich darzustellen, bewirkt ‚Stabilität’. Jedoch muss hier auf Kosten der Beweglichkeit und damit des geistigen ‚Standpunktwechsels’ diese Übertreibung „bezahlt“ werden. Der Gesprächspartner könnte so in den Widerstand gehen und diesen sprachlich demonstrieren. Wer jedoch innere Sicherheit hat, braucht keine äußere zu demonstrieren, sondern wird angemessen seinen Standpunkt vertreten und somit andere Ansichten ebenso stehen lassen!

Sagt man Frauen zuweilen nach, dass sie sprunghaft seien, so ist dies körpersprachlich aus der oft bevorzugten Standpunktwahl richtig. Sie können sich schneller auf neues (körperliches wie geistiges) Gebiet einlassen. Männer dagegen gelten als standhaft – sie haften dadurch auch ab und an mal zu lange an ihrem Standpunkt. Die Medaille hat immer zwei Seiten!

 

Körpersprache-Expertin Sabine MühlischAutorin: Sabine Mühlisch
Dipl.-Sportwiss., Coach, Dozentin und Autorin für KörperSprache & UnternehmensKörper

Sabine Mühlisch ist seit 1986 selbstständige Trainerin für Körpersprache und Persönlichkeitsentwicklung. Im Zuge ihrer Arbeit hat sie bereits mehrfache Publikationen veröffentlicht. Neben vielfältigen Trainingsangeboten für Unternehmen und Einzelcoachings, bietet Sabine Mühlisch auch Lehrveranstaltungen an der Fresenius Fachhochschule in Idstein an.

Über den Autor

Luise Köhler
Luise Köhler

Luise ist ehem. Redakteurin von PRAKTIKUM.INFO und hat sich zu allen Fragen, die Praktikanten vor, während und nach ihrem Praktikum beschäftigen, schlau gemacht.

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