Medien studieren: „Gestatten, eierlegende Wollmilchsau“

Medien studieren: „Gestatten, eierlegende Wollmilchsau“
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Studiengänge wie Kommunikationswissenschaft, Publizistik und Journalistik erfreuen sich ungebrochen großer Beliebtheit. Doch was kommt auf einen zu, wenn man sich für ein Medienstudium entscheidet? Und wie stellt man es an, nicht nur ‚irgendwas mit Medien’ zu machen, sondern sogar sein Spezialgebiet zu finden?

"Irgendwas mit Medien" studieren: Alleskönner oder Spezialist?

„Medien zu studieren“ ist beinahe wie eine Art ‚Selbstfindung’ auf Umwegen. Ich selbst habe einen Master in Medienkommunikation gemacht und bin damit schon viel herumgekommen: Beim Uni-Radio, beim Bürgerfernsehen, sogar im E-Learning habe ich mich ausprobiert. Letztlich bin ich in dem Bereich gelandet, der mir bei all meinen Experimenten und Tätigkeiten immer am meisten Freude bereitet hat: dem Schreiben.

Doch möchte ich die anderen Erfahrungen und Fähigkeiten nicht missen, die ich mir im Laufe der Jahre angeeignet habe. Schließlich bieten sie mir die Option, so ziemlich alles zu machen, was ich will. – Ein Vorteil, den man hat, wenn man im Laufe seines Medienstudiums zu einer eierlegenden Wollmilchsau erzogen wird. Man kann von allem ein bisschen und ist flexibel einsetzbar. Das ist jedoch nichts für jeden. So manch einer wünscht sich eher etwas Handfestes, ein Spezialgebiet, in dem man sich auskennt und das genau vorgibt, wo man nach dem Studium landet. Auch das ist in einem Medienstudium möglich, erfordert jedoch einen starken Willen und kontinuierliches Engagement für den „Roten Faden“ im Lebenslauf. Möchte man beispielsweise später als Fernsehredakteur beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk arbeiten, so kann man während seines Studiums gezielt darauf hinarbeiten, indem man entsprechende Praktika absolviert, erste Kontakte knüpft und sich rechtzeitig auf eines der begehrten Volontariate bewirbt.

Die bunte Vielfalt des Lehrplans

Was einem das Medienstudium bringen soll, können viele Studienanfänger nicht beantworten. Neben Medienpsychologie, -Kommunikation und -Praxis stehen häufig auch BWL, Marketing, Statistik, Medientechnik und Informatik auf dem Lehrplan. Vieles lernt man und vergisst es gleich wieder. Was bleibt, sind die groben Zusammenhänge, die Einordnung ins große Ganze.

Man lernt Kommunikationskonzepte kennen, weiß um die Wirkung filmischer Stilmittel, kann eine Reportage vom Bericht unterscheiden, hat einen groben Überblick über die wichtigsten Marketingstrategien und erfährt, was man bei der Gestaltung von Printwerbung beachten muss. Unabhängig davon, in welchem Bereich man später einmal landet, helfen all diese Sachen, fachübergreifend zu denken und seine Arbeit entsprechend einzuordnen. ‚Medien-Menschen’ arbeiten an der Schnittstelle. Ein Online-Redakteur sollte sich mit Content-Management-Systemen auskennen, um seine Texte ins Internet zu stellen, ein PR-Manager muss Budgets planen und verwalten und ein Radiomoderator sollte ein Selbstfahrerstudio bedienen können.

Den richtigen Studiengang finden

Die große Vielfalt des Lehrplans erfüllt also durchaus ihren Sinn – auch, wenn man das im Laufe des Studiums häufiger anzweifelt. „Man weiß ja nie, wann man das noch einmal gebrauchen kann.“ Derartige bunt zusammengewürfelte Lehrpläne sind übrigens typisch für Studiengänge mit etwas breit gefassteren Bezeichnungen, wie ‚Medienwissenschaft’ oder ‚Medien und Kommunikation’. Der Name des Studiengangs gibt folglich schon ein wenig Aufschluss über die Inhalte und den Spezialisierungsgrad.

Weiß man vor seinem Studium schon genau, dass man Journalist werden möchte, sollte man sich eher nach einem praxisorientierten Journalistik-Studiengang umsehen. Ist man eher an den technischen Hintergründen interessiert, bietet sich ein Studium im Bereich Mediendesign, -technik oder -informatik an. Diejenigen, die sich zwar für die Medienarbeit begeistern, jedoch noch nicht wissen, was sie später einmal machen wollen, sind in etwas breiter und theoretischer angelegten Studiengängen besser aufgehoben.

Übung macht den Meister

Um im Rahmen eines breit angelegten Studiengangs seine Spezialisierungsrichtung zu finden, empfehlen sich Praktika in verschiedenen Bereichen. Zudem bieten Hochschule und Studienstadt häufig zahlreiche Möglichkeiten, um in der Medienpraxis tätig zu werden. Ob als Videojournalist bei einem Offenen Kanal, als Moderator beim Uni-Radio oder als Redakteur bei der Studentenzeitschrift – ehrenamtliches Engagement neben dem Studium zahlt sich aus. So findet man nicht nur heraus, was einem fachlich liegt, sondern erwirbt auch wesentliche praktische und soziale Kompetenzen, die beim späteren Berufseinstieg zumeist eine größere Rolle spielen als die Abschlussnote. Ein weiteres Plus: Praktika und Co. ermöglichen das Spinnen eines beruflichen Netzwerks, auf das man bei der Jobsuche später zurückgreifen kann. Gerade in der gefragten Medienbranche sind die richtigen Kontakte Gold wert.

Jobsuche überall und nirgends

Neigt sich das Medienstudium dem Ende entgegen, beginnt die Suche nach der Nadel im Heuhaufen – dem ersten Job. Einige Medienstudenten arbeiten bereits während ihres Studiums an eigenen Projekten und knüpfen entsprechende Kontakte, um dann als Freiberufler tätig zu sein. Die meisten jedoch versuchen, direkt nach dem Studium zunächst erst einmal irgendwo unterzukommen.

Für Berufseinsteiger der Medienbranche bieten sich Trainee-Stellen und Volontariate an, bei denen man für eine spezifische Tätigkeit im Unternehmen ausgebildet wird. Derartige Stellen sind jedoch heiß begehrt – vor allem bei Einrichtungen, die einem eine festes Beschäftigungsverhältnis im Anschluss so gut wie garantieren. Da zählen Kreativität, Biss und zumeist eine Dosis „Vitamin B“ (Ja, auch in der Medienbranche herrscht Vetternwirtschaft). Ein bisschen Vorsicht ist jedoch geboten. Einige Firmen machen sich den guten Ruf von Trainee-Programmen zunutze und bieten unterbezahlte Tätigkeiten an, die allenfalls ein etwas besseres Praktikum darstellen und Berufseinsteiger als billige Arbeitskräfte ausnutzen.

Natürlich ist es auch möglich, direkt in einer entsprechenden Position einzusteigen, sofern man die geforderten Kenntnisse durch bereits absolvierte Praktika mitbringt. Hier gilt: Nicht abschrecken lassen, wenn man ein oder zwei Anforderungskriterien nicht erfüllt. Scheint die jeweilige Ausschreibung ansonsten genau das zu sein, was man machen will, heißt es, trotzdem bewerben und durch Kreativität und Leidenschaft überzeugen.

Noch ein Tipp für alle Jobsuchenden: Der Blick über den Tellerrand eröffnet ungeahnte Möglichkeiten. So suchen nicht nur Radio, TV und Presse nach Medienspezialisten, sondern so ziemlich jedes Unternehmen, das auf irgendeine Art und Weise mit Kunden und anderen Unternehmen kommuniziert. Gerade der Trend zum ‚Social Networking’ und zur Positionierung als Arbeitgebermarke im Web 2.0 schafft einen entsprechenden Bedarf an medialen Rund-um-Könnern.

Fazit: Kommt Zeit, kommt Rat...

Bevor man sich für ein Medienstudium entscheidet, sollte man sich bewusst sein, dass diese Branche hart umkämpft ist. Quereinsteiger werden Fachredakteure, die Digital Natives beherrschen auch ohne Studium gängige Kommunikationsmedien und die richtig guten Jobs bekommt man meistens nur durch entsprechende Kontakte. Das Motto: Kommt Zeit, kommt Rat und Gespür für die Branche. Gerade in den ersten Jahren als Berufseinsteiger legt man den Grundstein für seinen weiteren Werdegang als ‚Medien-Profi’. Hierbei gilt es, sich einen ‚Namen’ zu machen, indem man durch die eigene Arbeit überzeugt und ein gezieltes Networking betreibt. Dazu gehört auch, in Sachen Gehalt mal in den sauren Apfel zu beißen, sofern die jeweilige Anstellung einen großen Lerneffekt verspricht bzw. eine bedeutende Referenz darstellt. Die Erfahrung zeigt: Geduld zahlt sich aus.

Wer bereit ist, in einem breit gefächerten Berufsfeld zu arbeiten, immer mal ‚etwas Neues’ machen möchte und die notwendige Leidenschaft mitbringt, sollte sich nicht davon abhalten lassen, sein Traumstudium aufzunehmen. Schließlich ist es hier, wie (fast) überall: Man wächst mit seinen Aufgaben.

 

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