Medizin studieren: Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt!

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Medizin studieren: Tipps für zukünftige Halbgötter in Weiß

Menschen von ihren Krankheiten zu heilen ist eine außerordentlich verantwortungsvolle Aufgabe. Wer das lange und anstrengende Studium übersteht, blickt als Arzt in eine rosige Zukunft: Der Fachkräftemangel bietet Jungärzten beste Jobperspektiven – außerdem führen Mediziner die Gehaltslisten unter den Akademikern an. Doch der Traum vom Medizin-Studium scheitert in vielen Fällen an den schweren Zugangsbeschränkungen. Aber Not macht ja bekanntlich erfinderisch...

Wenn ich einmal groß bin, rette ich Menschenleben

Medizin. Schon allein das Wort ruft spezielle Assoziationen hervor: Menschen in weißen Kitteln eilen majestätisch durch die überfüllten Krankenhausflure – allzeit bereit, Gevatter Tods Pläne erneut zu durchkreuzen. In der Realität ist der Arztberuf nur selten mit Glanz und Gloria verbunden, sondern in erster Linie harte Knochenarbeit. Nachtschichten sind keine Seltenheit, stattdessen sind enorme Disziplin, kontinuierliche Fortbildung und vor allem Leidenschaft gefragt.

Und tatsächlich: Berücksichtigt man die schweren Zugangsbedingungen, gilt das Medizin-Studium als Olymp unter den Studiengängen, in dem eine knallharte Türpolitik regiert. Wer kein Einser-Abitur vorweisen kann, dem bleiben die heiligen Pforten in der Regel fest verschlossen.

Der beschwerliche Weg zum Medizin-Studium

Bedarf es für ein Studium der Informatik, BWL oder Mathematik lediglich einer Immatrikulation, sind die Ansprüche an Medizinstudenten bereits vor dem Studium extrem hoch: Der Numerus Clausus (NC) bewegt sich selten über die 1,1 hinaus und beendet damit schnell den Traum vieler Schüler.

Rund 9.000 Studienplätze stehen pro Jahr in Medizin an deutschen Hochschulen zur Verfügung. Davon vergibt die „Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen“ (ZVS) 20 Prozent an die Jahrgangsbesten und 20 Prozent an jene Kandidaten, die schon seit langer, langer Zeit auf der Warteliste stehen (im Schnitt 12 Semester).

Die restlichen 60 Prozent der Studienplätze verteilen die Hochschulen selbst. Auch wenn die Abiturienten hier mit ihrer Persönlichkeit, Freizeitaktivitäten, Ausbildung o. Ä. punkten können, haben Bewerber mit einem Zweier-Durchschnitt auch hier kaum Aussicht auf Erfolg. Um die Spreu vom Weizen zu trennen, bedienen sich einige Hochschulen ausgesprochen kreativer Methoden: Neben schriftlichen Tests müssen Medizin-Interessierte in Interviews mit Ärzten und Dozenten überzeugen und sogar Rollenspiele mit fiktiven Patienten absolvieren.

Wer von einem Medizinstudium träumt, sollte daher schon frühzeitig mit der Planung beginnen und mit entsprechenden Hobbys – wie Sport oder „Jugend forscht“ – seine guten Noten ergänzen. Letztlich gehört bei der Studienplatzvergabe auch immer eine Portion Glück dazu.

Alternative Zugangsmöglichkeiten

Wer jedoch nicht zwölf Semester warten will, kann auch zu anderen Mitteln greifen. Der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel. So hat prinzipiell jeder angehende Student die Möglichkeit, seinen gewünschten Studienplatz einzuklagen. Auch kann man sich um ein Studium an einer privaten oder ausländischen Universität bemühen wie bspw. in der Schweiz oder den USA. Allerdings garantiert eine Klage noch lange keinen Studienplatz, stattdessen riskiert man hohe Gerichtskosten – und auch die Studiengebühren an einer deutschen oder internationalen Privatuni haben es in sich.

Da die wenigsten Abiturienten über finanzielle Reserven verfügen und nicht immer auf die Unterstützung der Familie zurückgreifen können, besteht noch eine andere Alternative. Auch die Bundeswehr bietet jedes Jahr Studienplätze in Medizin an. An die rund 250 freien Plätze knüpft sich allerdings nicht nur eine militärische Ausbildung, sondern auch eine mehrjährige Verpflichtung (ca. 17 Jahre) sowie diverse Auslandseinsätze.

Wer sich von einer finanziellen Belastung oder sogar potentiellen Verschuldung, dem Umzug auf einen anderen Kontinent oder auch der Waffenkunde nicht abschrecken lässt, kann auf diesen alternativen Wegen auch mit einem Zweier-Abi seine medizinische Laufbahn beginnen.

Übung macht den Meister – Praxisnahe Ausbildung

Auch wenn es viele verschiedene Fachgebiete gibt, durchläuft jeder Mediziner zunächst dasselbe Studium. Abgesehen von der Zahnmedizin haben die Studenten sechs Jahre Zeit, um sich für ein Fachgebiet wie Allgemeine Medizin, HNO oder Chirurgie zu entscheiden. Das Medizin-Studium an einer deutschen Hochschule gliedert sich in der Regel in zwei Jahre Grundausbildung (Vorklinik), drei Jahre Hauptstudium (Klinik) und ein praktisches Jahr (PJ), das die Studenten ausschließlich im Krankenhaus verbringen.

Vorklinik
Das sogenannte vorklinische Studium bezeichnet die Zeit vor der ersten ärztlichen Prüfung, dem Physikum. In den ersten vier Semestern lernen die Studenten vor allem medizinische Grundlagen und besuchen in festen Seminargruppen verschiedene Lehrveranstaltungen. Auf dem Stundenplan stehen Biologie, Physik und Chemie sowie Biochemie und Anatomie. Ebenso bilden sich die angehenden Ärzte in Physiologie (Lehre der Lebensfunktionen) und Histologie (Gewebeforschung) weiter sowie in der medizinischen Psychologie und Soziologie. Für all diejenigen, die in der Schule kein Latein gelernt haben, finden im ersten Semester entsprechende Terminologie-Kurse statt, in denen die erforderlichen Lateinkenntnisse vermittelt werden.

Nach harscher Kritik über das ehemals theoretische Übergewicht wurde das Medizin-Studium in den letzten Jahren stärker auf die Praxis ausgerichtet. Daher spielen Vorlesungen eine immer kleinere Rolle. Stattdessen finden zahlreiche praktische Übungen mit begleitenden Seminaren statt. Außerdem absolvieren die Studierenden bereits während der Vorklinik ein dreimonatiges Pflegepraktikum, in dem sie das Krankenhauspersonal begleiten.

Auch wenn die jungen Ärzte später kaum Patienten waschen, Bettpfannen leeren oder etwa die Stationsküche putzen werden, lernen sie hier die pflegerische Seite der Krankenhausarbeit kennen. Am Ende der Vorklinik legen die Studierenden ihre erste ärztliche Prüfung ab, in der sie in den Grundlagenfächern geprüft werden.

Klinisches Studium
Auch im klinischen Studium wird das Lernpensum nicht weniger. Vom fünften bis zum zehnten Semester stehen neben den Grundlagenfächern weitere Übungen, Vorlesungen und Praxisaufgaben zu folgenden Themen an: Innere Medizin, Chirurgie, Neurologie (Gehirnforschung), Pädiatrie (Kinderheilkunde), Gynäkologie (Frauenheilkunde) und Allgemeinmedizin.

In praktischen Tutorien bereiten sich die werdenden Ärzte auf die anschließenden Praktika vor und testen ihr Fachwissen u. a. im Ultraschall oder EKG-Lesen. Vor der zweiten Prüfung müssen die angehenden Mediziner jedoch einen achtwöchigen Erste-Hilfe-Kurs nachweisen, den sie allerdings schon vor dem Studium besuchen können.

Praxisjahr
Das letzte Studienjahr verbringen die Jungmediziner ausschließlich im Krankenhaus und werden vollkommen in den Mediziner-Alltag eingebunden. In sogenannten „Famulaturen“ erweitern die Studierenden im Rahmen von drei Praktika ihr Know-how direkt im Krankenhaus, der Ambulanz oder einer Arztpraxis. Jeder Student muss in den zwei Pflichtfächern „Innere Medizin“ und „Chirurgie“ sowie in einem Wahlfach jeweils vier Monate lang hospitieren.

Nur die Wenigsten bleiben angesichts offener Wunden und leidender Patienten vollkommen cool. Weiche Knie im OP-Saal sind hier noch lange kein Ausschlusskriterium, denn der Anfang ist auch für angehende Ärzte schwer.

Am Ende des Praxisjahres legen die Studenten die zweite ärztliche Prüfung ab und sind danach „approbierte“ Ärzte, also staatlich anerkannte Mediziner. Doch ein Medizinabschluss macht noch lange keinen Doktor aus. Wer einen waschechten Doktortitel haben will, muss dafür auch als Mediziner eine Doktorarbeit schreiben. Zwar ist die Promotion mit viel Disziplin und Organisationstalent auch während des Studiums möglich, jedoch schließt ein Großteil der Absolventen erst nach dem Studium die Doktorarbeit an.

Anforderungen an einen guten Mediziner

Wer sich für ein Medizin-Studium entscheidet, sollte neben dem Einser-Abi in erster Linie über gute Menschenkenntnisse und Einfühlungsvermögen verfügen. Ärzte müssen ein offenes Ohr für die Beschwerden ihrer Patienten haben und diese nicht bloß als interessanten „Krankheitsfall“ wahrnehmen.

Der Job als Mediziner ist in der Regel auch eine körperliche Herausforderung, denn der Arztberuf schließt viele Überstunden und Nachtschichten ein. Daher sollte ein angehender Arzt nicht nur über geistige Beweglichkeit verfügen, sondern sich auch durch Sport fit halten. Neben einem Faible für naturwissenschaftliche Themen ist auch ein räumliches Verständnis hilfreich – gerade wenn es um die Beurteilung von Röntgenbildern geht.

Wer sich vor dem Lernen grault, wird mit einem Medizin-Studium kaum glücklich. Denn jeder Student der Medizin verbringt einen Großteil seiner Ausbildung damit, Fachbegriffe, Krankheitsverläufe, Symptome und Behandlungsmethoden zu pauken. Schließlich entscheidet dieses Wissen über Leben und Tod.

Insgesamt braucht ein guter Mediziner auch hin und wieder ein dickes Fell, schließlich hält er/sie das Leben eines Menschen wortwörtlich in den Händen. Leider endet nicht jede Krankheitsgeschichte mit einem Happy End. Im Gegenteil kaum ein Mediziner bleibt vor dem Verlust eines Patienten verschont – ob unverschuldet oder aufgrund einer persönlichen Fehlentscheidung. Wer dieser enormen Verantwortung und auch den physischen und psychischen Anforderungen nicht standhält, ist in dem Job fehl am Platz.

Wer sich noch nicht hundertprozentig sicher ist, ob der Arztberuf tatsächlich das Richtige für einen ist, kann seine Entscheidung in einem Freien Sozialen Jahr (FSJ) überprüfen. So hat der Abiturient Zeit, in einem Krankenhaus oder einer anderen medizinischen Einrichtung reinschnuppern und die Entscheidung nicht zu überstürzen.

Berufs- und Verdienstchancen

Der Bedarf an qualifiziertem Fachpersonal ist insbesondere im medizinischen Bereich sehr groß. In vielen deutschen Städten und vor allem in den ländlichen Regionen müssen die Patienten für eine Behandlung mitunter weite Strecken auf sich nehmen. Doch auch wenn die Jobaussichten für junge Ärzte äußerst vielversprechend sind, bleibt die Ausbildung lang und anstrengend.

Fazit: Beruf und Berufung

Mit rund acht Prozent fällt die Abbruchquote unter den Medizinern eher gering aus. Zum Vergleich: Rund 30 Prozent der Ingenieure und sogar 40 Prozent der Sprach- und Kulturwissenschaftler werfen vor dem Abschluss das Handtuch. Hinter der bekannten Redensart steckt wohl ein wahrer Kern: „Arzt ist nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung.“ Wer sich die Entscheidung, Arzt zu werden gründlich überlegt und auch das Glück hat, einen der begehrten Studienplätze zu ergattern, hält in der Regel auch das lernintensive Studium durch. Mit der Zulassung in den Händen wartet einer der sinnvollsten und abwechslungsreichsten Jobs der Welt auf die jungen Ärzte.

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