Mindestlohn im Praxis-Check: Praktikanten zwischen Himmel & Hölle

Mindestlohn im Praxis-Check: Praktikanten zwischen Himmel & Hölle
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Inhalt

  1. Mindestlohn in Deutschland
  2. Mindestlohn Ausnahmen
  3. Auf einen Blick: Begriffe rund um den Mindestlohn für Praktikanten
  4. Mindestlohn in anderen EU-Ländern
  5. Vor- und Nachteile des Mindestlohns für Praktikanten
  6. Vor- und Nachteile für Unternehmen
  7. Mindestlohn im Praxis-Check
  8. Klotzen statt kleckern: Erfolgreich im Praktikum durchstarten
  9. Mindestlohn in der Kritik
  10. Mindestlohn in anderen EU-Ländern
  11. Nur ein Viertel will zahlen: So reagieren Unternehmen auf den Mindestlohn
  12. So geht's: Der Weg zum passenden Praktikum
  13. Fazit: Anpacken & durchstarten
  14. Hast du Anspruch auf Mindestlohn im Praktikum? Mach den Test!

Fakten zum Mindestlohn

Mindestlohn in Deutschland

Seit dem 01.01.2015 ist offiziell Schluss mit Dumpinglöhnen: Das Mindestlohngesetz, kurz MiLoG, wurde verabschiedet und regelt, dass in Deutschland künftig 8,50 Euro brutto pro Stunde an Arbeitnehmer und somit auch an den Großteil der Praktikanten gezahlt werden müssen. Damit erhält man als Praktikant im Monat einen Bruttolohn von 1.360 Euro. Nach Abzügen von Steuern und Co. bleiben bei einer 40-Stunden-Woche netto um die 1.000 Euro im Monat übrig. Zum Vergleich: Bisher war es durchaus üblich, dass gerade bei kleineren Firmen Praktikanten auf Minijob-Basis mit 450 Euro entlohnt wurden oder sogar zum Nulltarif Vollzeit gearbeitet haben. Auf dem Papier ist das Mindestlohngesetz zunächst also ein echter Gewinn.

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Mindestlohn Ausnahmen

Jede Menge Praxiserfahrung sammeln und dabei mindestens 8,50 Euro die Stunde verdienen – das klingt für Studenten erst einmal nach einer runden Sache. Doch ganz so einfach ist es leider nicht: Es gibt Ausnahmen vom Mindestlohngesetz, die es Firmen ermöglichen, der Aufstockung des Praktikantengehalts durch verschiedene „Hintertürchen“ zu entgehen, was sich nicht nur finanziell nachteilig für die Praktikanten auswirkt.

Ausnahme 1: Freiwilliges Praktikum unter drei Monaten
Grundsätzlich ist festgelegt, dass bei einem freiwilligen Praktikum – das zwar zur Orientierung im Studium und bei der Berufswahl dient, aber nicht von der Hochschule verlangt wird – der gesetzliche Mindestlohn gezahlt werden muss. Dies gilt aber nur, wenn der Praktikant länger als drei Monate bei einer Firma beschäftigt ist. Bei Praktika, die kürzer als drei Monate dauern, darf der Arbeitgeber weiterhin frei bestimmen, was dem Praktikanten gezahlt wird.

Ausnahme 2: Pflichtpraktika
Eine weitere Ausnahme vom Mindestlohn greift bei sogenannten Pflichtpraktika. Bei vielen Studiengängen sind in der Prüfungsordnung Praktika verankert, die zum erfolgreichen Abschluss eines Studiums vorgewiesen werden müssen. In diesem Fall greift das Mindestlohngesetz nicht. Der Arbeitgeber darf Pflichtpraktikanten zu einem von ihm festgelegten Lohn beschäftigen, auch wenn der von der Hochschule vorgesehene Zeitraum drei Monate überschreitet. Dies gilt für Praktika während des Studiums genauso wie für Vorpraktika, die vor Studienbeginn geleistet werden müssen. Schreibt ein Student seine Abschlussarbeit im Rahmen eines Praktikums in einem Unternehmen, zählt dies übrigens nicht als Pflichtpraktikum. Dies zieht ein weiteres Problem nach sich: Abschlussarbeiten in einem Unternehmen könnten gefährdet sein, wenn die Unternehmen nicht mehr bereit sind, den Mindestlohn an Praktikanten zu zahlen.

Ausnahme 3: Praktikanten, die noch nicht volljährig sind
Sind Praktikanten noch keine 18 Jahre alt, muss ihnen kein Mindestlohn gezahlt werden. Dies kann zum Beispiel bei Realschülern oder G9-Abiturienten der Fall sein. Die Ausnahme von der Ausnahme: wenn der Praktikant schon eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen kann.

Auf einen Blick: Begriffe rund um den Mindestlohn für Praktikanten

  • Mindestlohn: Als Mindestlohn bezeichnet man das, was der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer mindestens als Stundenlohn bezahlen muss. 
  • Mindeslohngesetz (MiLoG): Das Mindestlohngesetz bildet die Gesetzesgrundlage für den Mindestlohn in Deutschland und wurde zum 01.01.2015 verabschiedet. 
  • Praktikant: Ein Praktikant ist ein Arbeitnehmer, der für einen befristeten Zeitraum in einem Unternehmen Praxiserfahrung sammelt und sich dadurch beruflich orientieren kann. Ein Praktikum kann als Pflicht-Bestandteil des Studiums oder freiwillig absolviert werden.
  • Pflichtpraktikum oder Praxissemester: Ein Pflichtpraktikum wird im Rahmen eines Studiums absolviert und ist als Teil dessen in der Prüfungsordnung verankert. Vor allem Fachhochschulen, aber auch immer mehr Universitäten verlangen von ihren Studenten Nachweise über Pflichtpraktika; oft wird ein ganzes Semester für die Praxiserfahrung vorgesehen.
  • freiwilliges Praktikum: Auch ein freiwilliges Praktikum kann im Rahmen eines Studiums absolviert werden, ist aber kein Pflicht-Bestandteil dessen. Viele Studenten an Universitäten – zum Beispiel Geisteswissenschaftler – nutzen die Chance, schon während des Studiums Praxiserfahrung zu sammeln oder nach dem Abschluss über ein Praktikum den Einstieg in die Berufswelt zu finden.
  • Vorpraktikum: Ein Vorpraktikum zählt ebenfalls zu den Pflichtpraktika und wird in seltenen Fällen von der Hochschule für die Aufnahme verlangt.
Ein vernünftig aufgesetztes Praktikum ist für mich ein auf sechs Monate begrenztes Arbeitsverhältnis, bei dem das beschäftigende Unternehmen besonderes Augenmerk auf seinen Ausbildungsauftrag legt

– David Khalil, Gründer von eDarling, auf gruenderszene.de: 'Das sagen Startups zum Mindestlohn für Praktikanten', 04.07.2014 

Mindestlohn in anderen EU-Ländern

Was 2014 in Deutschland hitzig über das MiLoG diskutiert wurde, darüber können andere Länder nur müde lächeln: Die Niederlande beispielsweise haben bereits 1894 die Einführung eines Mindestlohns angedacht. Seit Ende der 60er Jahre ist gesetzlich festgelegt, dass 9,11 Euro mindestens pro Stunde an Arbeitnehmer gezahlt werden müssen. In Frankreich ist seit 1950 der Mindestverdient festgelegt und wird jedes Jahr am Jahresbeginn angeglichen – um die 9,50 Euro gibt es hier pro Arbeitsstunde, wodurch nicht nur die Existenz gesichert werden soll, sondern auch, dass jeder Arbeitnehmer an der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes teilhaben kann. Ein Vor- und Spitzenreiter in Sachen Mindestlohn ist Luxemburg mit 11,10 Euro pro Stunde, während es in Spanien nicht ganz so großzügig zugeht: Hier liegt der gesetzliche Mindestlohn bei lediglich 3,91 Euro.

Keinen Mindestlohn gibt es in den skandinavischen Staaten und auch unsere Nachbarn Österreich und die Schweiz verzichten bislang auf eine gesetzliche Festlegung der Lohngrenze – wobei es sich gerade in der Schweiz durchaus lohnen kann, ein Praktikum zu absolvieren, da dort die Verdienstmöglichkeiten grundsätzlich besser sind als in Deutschland. Doch Vorsicht: Die Lebenshaltungskosten passen sich dem an und sind deutlich höher.

Insgesamt liegt Deutschland mit seinen 8,50 Euro Mindestlohn im europäischen Vergleich im vorderen Mittelfeld.

 

Pro und Contra: Mindestlohn als Fluch oder Segen

Eine gerechte Bezahlung kann nicht verkehrt sein? Die Gründe, die für den Mindestlohn in Deutschland sprechen, scheinen auf der Hand zu liegen. Doch was so einfach klingt, birgt sowohl für Praktikanten als auch für Unternehmen Schwierigkeiten, sodass ein klares „Dafür“ oder „Dagegen“ unmöglich scheint. Wir haben die Vor- und Nachteile für beide Seiten zusammengetragen.

Vor- und Nachteile des Mindestlohns für Praktikanten

Für Praktikanten bedeutet die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns maßgebliche Veränderungen für ihren Start ins Berufsleben. Diese Vor- und Nachteile solltet ihr bei eurer Suche nach der geeigneten Praktikumsstelle im Hinterkopf behalten:

PRO

Ich werde die Generation Praktikum beenden

– Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, auf welt.de: 'Ich beende das Modell der Generation Praktikum', 08.06.2014

 

 

  • Keine Chance für Ausbeutung: Mit dem Mindestlohn wird die Arbeit von Praktikanten, die Vollzeit arbeiten und teilweise sogar Überstunden leisten, angemessen honoriert.
  • Existenzsicherung: Mit 8,50 Euro Mindestlohn pro Stunde ist sichergestellt, dass Praktikanten nicht am Hungertuch nagen und keiner aus finanziellen Gründen auf spannende Praxiserfahrungen verzichten muss.
  • Motivations-Boost: Ein Großteil der Praktikanten freut sich vor allem über eine steile Lernkurve – kommt hierzu noch eine gerechte Bezahlung, steigert das die Motivation und tröstet auch mal über weniger interessante Aufgaben hinweg.
  • Das Ende der leidigen „Generation Praktikum“: Das Schlagwort „Generation Praktikum“ geistert seit Jahren durch die Medien und scheint ein Massenphänomen zu sein. Es bezeichnet gut ausgebildete junge Leute, die unterbezahlt in der Endlosschleife des Praktikanten-Daseins festhängen, anstatt zu einem angemessenen Gehalt festangestellt durchzustarten. Durch den Mindestlohn könnten Arbeitgeber umdenken und auf mehr Trainee- und Festanstellungen statt Praktikanten zum gleichen Preis setzen.

CONTRA

Das Gesetz bedeutet das Aus der meisten sinnvollen Studentenpraktika

– Johannes Vogel, FDP Bundesvorstand, auf spiegel.de: '8,50€ nach sechs Wochen: Mindestlohn bedroht Betriebspraktika', 03.04.2014

 

 

  • Mangel an Praktikumsplätzen: Viele kleinere Unternehmen können sich den Mindestlohn nicht leisten und streichen daher Praktikantenstellen. Das ist besonders schade, da gerade in Startups dank flacher Hierarchien viel Raum für innovative Ideen herrschen würde.
  • Rückgang der Lernkurve: Werden Praktikanten wegen des Mindestlohns nur bis zu drei Monaten beschäftigt, leidet die Lernkurve: Kaum sind sie eingearbeitet, ist das Praktikum auch schon wieder vorbei. Verantwortungsvolle Aufgaben können kaum übertragen werden.
  • Insgesamt weniger Praxiserfahrung: Um auf ein bis zwei Jahre Berufserfahrung zu kommen – eine Voraussetzung, die für Festanstellungen oft gilt – müsste man vier bis acht verschiedene freiwillige Praktika absolvieren. Das wiederum kann unfokussiert wirken, da man zwangsläufig zwischen verschiedenen Bereichen hin und her springt und von den einzelnen Praktika nicht das Maximum mitnehmen kann.
  • Zufriedenheit der Praktikanten: Klar freut sich jeder, wenn er genug verdient – doch das Gehalt steht nicht an erster Stelle, wenn es um die Wünsche von Praktikanten geht. Laut GenY-Barometer aus dem Jahre 2014 ist bei einer 35-Stunden-Woche für knapp 60 Prozent der befragten Praktikanten ein Praktikantengehalt bis 600 Euro angemessen. 15 Prozent würden gerne 800 Euro monatlich verdienen, nur 14 Prozent erwarten mehr als 1.000 Euro Monatsgehalt. Besonders wichtig beim Berufseinstieg sind Dinge wie eine angenehme Arbeitsatmosphäre, interessante Aufgaben, das gute Verhältnis zu den Vorgesetzten und regelmäßige Weiterbildungsmöglichkeiten. Lernkurve und Atmosphäre schlagen also Cash.
  • Mindestlohn Ausnahmen: Die Frage, ob Praktikanten tatsächlich mehr verdienen, sei dahingestellt. Schließlich gibt es genügend Ausnahmen, die zwar auch für Unternehmen nicht ideal, aber für viele machbarer sind, als den Mindestlohn zu zahlen. Das Problem mit einem zu geringen Lohn wird also nicht gelöst, sondern nur verlagert.
  • Qualifikationen vs. Wirtschaftlichkeit: Bei der Praktikanten-Wahl besteht künftig die Gefahr, dass Unternehmen sich eher für einen günstigen Pflichtpraktikanten entscheiden, als für einen qualifizierteren freiwilligen Praktikanten, der durch das Mindestlohngesetz teurer ist.

Vor- und Nachteile für Unternehmen

Auch für Firmen gibt es nach der Einführung des Mindestlohngesetzes viel zu bedenken – zahlen oder nicht zahlen ist die Frage

PRO

  • Rundum zufriedene Mitarbeiter: Praktikanten, die sich auch in Sachen Lohn gerecht behandelt fühlen und merken, dass ihre Arbeit wertgeschätzt wird, arbeiten oft motivierter. Der Einstellung „für einen Hungerlohn reiße ich mir doch kein Bein aus“ wird so von vornerein der Wind aus den Segeln genommen.
  • Keine Mehrausgaben, dafür mehr Auswahl: Viele große Unternehmen bleiben unberührt von dem Mindestlohn, da sie Praktikanten sowieso schon mehr gezahlt haben, als der Mindestlohn nun vorschreibt. Fallen Praktikantenstellen bei anderen Firmen nun weg, erhöht sich die Auswahl an qualifizierten Bewerbern bei den verbleibenden Firmen.

CONTRA

  • Keine Kapazitäten für Praktikantenstellen: Viele Firmen müssen künftig auf die Arbeitskraft von Praktikanten verzichten, da sie sich den Mindestlohn nicht leisten können. Die Mehrarbeit bleibt liegen oder wird auf das Team abgewälzt, was für mehr Überstunden und Unzufriedenheit sorgen könnte.
  • Mindestlohn als Bürokratie-Monster: Firmen, die den Mindestlohn an Praktikanten zahlen, müssen die Arbeitszeiten der Mitarbeiter genau dokumentieren. Für einige, die das in der Vergangenheit noch nicht gemacht haben, verursacht das einen deutlichen bürokratischen Mehraufwand. Hält man sich nicht an das Gesetz oder kann nicht beweisen, dass man es tut, drohen hohe Strafen. Hinzu kommt, dass neu kalkuliert und im Auge behalten werden muss, wie viele Mitarbeiter sich ein Unternehmen leisten kann und wo eventuell sonst eingespart werden muss.
  • Einarbeitung und Vorstellungsgespräche: Können Unternehmen aufgrund des Mindestlohns nur noch Kurzzeit-Praktikanten einstellen, erhöht sich der Einarbeitungsaufwand: Mindestens alle drei Monate muss sozusagen bei Null angefangen werden. Ebenso werden öfter Vorstellungsgespräche stattfinden, sodass die Kapazitäten auch hier eng werden könnten.

 

Mindestlohn im Praxis-Check

Allein die Vor- und Nachteile zu kennen reicht nicht – wichtig ist, dass man sich mit dem Mindestlohngesetz auseinandersetzt und für sich persönlich die beste Lösung findet. Wie also können Praktikanten mit dem Mindestlohn in der Praxis umgehen, was für Auswirkungen hatte der Mindestlohn und die Diskussion darum bis jetzt und wie viele Unternehmen sind überhaupt bereit und in der Lage den Mindestlohn zu zahlen?

Klotzen statt kleckern: Erfolgreich im Praktikum durchstarten

Das Wichtigste vorweg: Praxiserfahrung ist das A und O, um nach dem Studium richtig durchzustarten. Natürlich wäre es schön, wenn nach dem Abschluss direkt ohne Umschweife die Festanstellung ins Haus flattern würde, aber darauf kann man sich leider nicht verlassen. Insofern sind Praktika nach wie vor eine wichtige Möglichkeit, in Berufe reinzuschnuppern, viel zu lernen und Kontakte zu knüpfen. Bleibt also, sich mit den Gegebenheiten, die der Mindestlohn so mit sich bringt, zu arrangieren!

Mindestlohn in der Kritik

In jedem Fall sollte ein Mindestlohn von den Tarifparteien ausgehandelt, nicht vom Gesetzgeber vorgegeben werden.

– Jürgen Fitschen, Co-Deutsche-Bank-Chef, auf welt.de: 'Deutsche Bank Chef hat Verständnis für Mindestlohn', 18.05.2014

 

Der Mindestlohn hat bereits lange vor seiner Einführung für heftige Diskussionen gesorgt. Ursprünglich sollte er wesentlich strikter durchgesetzt werden: Freiwillige Praktika wären nur dann nicht unter den Mindestlohn gefallen, wenn sie höchstens sechs Wochen gedauert hätten. Viele Unternehmen sind auf die Barrikaden gegangen, weil sie fürchteten, dass sie das neue Gesetz in den Ruin treiben könnte. Die Wirkung des öffentlichen Drucks blieb nicht aus – die Grenze wurde auf drei Monate erhöht.

Deutschland hat ein sehr gut funktionierendes Modell des Zutritts zum Arbeitsmarkt nach der Uni. Es wäre traurig, wenn das durch den Mindestlohn Schaden nehmen würde

– Anke Hassel, Professorin an einer privaten Hochschule, auf spiegel.de: '8,50€ nach sechs Wochen: Mindestlohn bedroht Betriebspraktika', 03.04.2014

 

Inwiefern dies für tiefe Einschnitte sorgt, wird die Zukunft zeigen. Fest steht, dass sich wirtschaftlich schon hier und da Auswirkungen gezeigt haben. Beispielsweise wird durch die höhere Entlohnung der Erntehelfer Spargel in Zukunft voraussichtlich wesentlich teurer, was wiederum Umsatzeinbrüche bewirken könnte. Experten befürchten deshalb, dass künftig Obst- oder Gemüsebetriebe, bei denen dieses Problem auftritt, dazu übergehen werden, ihre Produktion ins Ausland zu verlagern.

Nur ein Viertel will zahlen: So reagieren Unternehmen auf den Mindestlohn für Praktikanten

Wir denken jetzt bei jeder Stellenanzeige genau darüber nach, ob es sinnvoll ist, eine Praktikantenstelle auszuschreiben

– Sprecher von Zalando, auf gruenderszene.de: „Wie Startups mit dem neuen Mindestlohngesetz umgehen“, 15.01.2015

 

Die große Revolution des Praktikantendaseins, die sich die Bundesministerin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles gewünscht hat, scheint nicht einzutreten. Laut einer Index-Befragung möchte künftig der Großteil an Unternehmen auf Praktikanten, die unter das Mindestlohngesetz fallen, verzichten beziehungsweise deutlich weniger Praktikanten einstellen. Nur 11 Prozent der Unternehmen gaben an, dass sich durch den Mindestlohn bei ihnen nichts ändern wird. Dabei wird die Arbeitskraft von Praktikanten durchaus geschätzt: 35 Prozent räumten bei der Befragung ein, dass die Arbeit ohne die Praktikanten deutlich schwieriger oder gar nicht zu bewältigen sei.

 

Infografik: Fast drei Viertel der Unternehmen wollen Praktikanten keinen Mindestlohn zahlen | Statista
 

So geht’s: Der Weg zum passenden Praktikum

Die Fakten sind gegeben – doch was machst du draus? Wir geben dir Tipps an die Hand, wie du deine ersten Praxiserfahrungen zum Erfolg werden lässt und nennen dir konkrete Unternehmen, die Praktikumsplätze zu verschiedenen Konditionen anbieten.

Praxistipp 1: Nicht den Kopf in den Sand stecken!
Auch wenn die Statistiken zum Mindestlohn eine deutliche Sprache sprechen: Lass dich nicht entmutigen, sondern mache dir bewusst, dass es deine Ausbildung ist, bei der du dir nicht von so einem Mindestlohngesetz reinreden lassen solltest. Sieht dein Studium zum Beispiel kein Praktikum vor und findest du auch kein Unternehmen, das Langzeitpraktika anbietet, gib dich nicht dem Gedanken hin, dass „drei Monate sowieso nichts bringen“. Im Gegenteil: Versuche es als Ansporn zu nehmen, in der kurzen Zeit so viel wie möglich zu lernen. Das nützt nicht nur dir selber, sondern zeigt auch deinem Arbeitgeber, dass du eine wichtige Kraft im Unternehmen bist – und wie heißt es so schön: Man sieht sich immer zweimal im Leben!

Praxistipp 2: Gezielt nach Unternehmen suchen, die den Mindestlohn zahlen
Du möchtest ein längerfristiges Praktikum absolvieren und interessierst dich für große Unternehmen? Umso besser – hier stehen die Chancen gut, dass das Mindestlohngesetz  kein Hindernis darstellt. Aber Vorsicht: Während Daimler, BASF, Linde oder Nestlé den Mindestlohn an Praktikanten zahlen, setzen Lufthansa oder Henkel auf Pflicht- und Kurzzeitpraktikanten. Natürlich bieten sich Unternehmen wie die oben genannten je nach Studienfach mal mehr, mal weniger an – aber davon sollte man sich nicht entmutigen lassen: Einfach in den Praktikumsbörsen stöbern und auch vor Initiativbewerbungen nicht zurückschrecken. Wer weiß, ob dem Unternehmen bei deiner Bewerbung auffällt, dass gerade genau jemand mit deinen Fähigkeiten gebraucht wird?

Du möchtest in der Automobilbranche durchstarten? Glück gehabt: Hier stehen die Chancen gut, dass du ein Praktikum findest, bei dem du den Mindestlohn bekommst. 

Doch nicht nur wer eine Affinität zu Motoren hat, wird fündig. Nestlé bietet regelmäßig Praktika an, zum Beispiel im Marketing oder in der Produktentwicklung. Auch der Wirtschaftsprüfung-Experte PwC ist in Sachen Praktika zum Mindestlohn ganz vorne mit dabei: Hier kannst du dich zum Beispiel im Bereich Business Development oder im Consulting bewerben.

Hier findest du aktuelle Stellenangebote großer Unternehmen, die regelmäßig Praktika anbieten:

 

 

 

 

Noch nicht das Richtige dabei? Hier geht’s zu den Top-Unternehmensprofilen!

 

Praxistipp 3: Nicht vor kurzen Praktika in Start-ups zurückschrecken

Die Frage ist doch: Lernkurve vs. Cash. Ein Praktikum bei einem Start-up bedeutet anpacken und schnell Verantwortung zu übernehmen – Maria Spilka, Mitbegründerin des Online-Marktplatzes Mädchenflohmarkt, auf gruenderszene.de: 'Das sagen Startups zum Mindestlohn für Praktikanten', 04.07.2014

Zwar sind nur wenige Firmen bereit, den Mindestlohn uneingeschränkt zu zahlen. Das heißt aber nicht, dass es unmöglich wird, eine Praktikantenstelle zu finden, sondern lediglich, dass du dich auf einen kürzeren Zeitraum einstellen musst. Wenn es finanziell möglich ist, solltest du dir die Chance nicht entgehen lassen, bei einem Start-up ein Praktikum zu absolvieren. Durch flache Hierarchien kann man davon ausgehen, dass die Lernkurve steil ist und schon früh Verantwortung übertragen wird; anders als in vielen Großunternehmen, in denen die Mühlen langsamer mahlen. Dazu ein junges dynamisches Team und viel Raum für innovative Ideen – eine Erfahrung, die dich auch in kurzer Zeit viel weiter bringen kann.

➢ Hier findest du eine Auswahl an Startups, die Praktika in deutschen Großstädten für drei Monate anbieten:

Bei windeln.de in München werden regelmäßig Praktikanten aus den unterschiedlichsten Bereichen gesucht, zum Beispiel im Marketing, Einkauf oder Contentmanagement.

>> Mehr erfahren zum Praktikum bei windeln.de

Werde Teil des Netzes von MeinFernbus: Die beliebte Busgesellschaft stellt regelmäßig in München und Berlin ein, zum Beispiel im Bereich PR, im Controlling oder im Online Marketing.

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Garantiert nichts zum Einschlafen: Bei Dormando in Frankfurt am Main, einem Online Shop für Matratzen und sonstigen Bettwaren, kannst du in der Online Redaktion, im Bereich SEO oder im Webdesign aufgeweckt deine Skills unter Beweis stellen.

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Dein Herz schlägt für Fashion und Streetwear? Dann passt du gut ins Team von brand-store.de in der Rheinmetropole Köln: Hier kannst du zum Beispiel im Bereich E-Commerce oder im Online Marketing durchstarten.

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Fazit: Anpacken & durchstarten

Nach wie vor wird der Mindestlohn diskutiert und in Frage gestellt, gerade auch in Bezug auf Praktikanten. Andrea Nahles hat angekündigt, sich nach ein paar Monaten einen Überblick über die Lage und die Veränderungen zu verschaffen und gegebenenfalls zu handeln. Da aber das große Stellen-Sterben bis jetzt ausgeblieben ist, ist mit weitreichenden Anpassungen wohl erst mal nicht zu rechnen.

Daher gilt für den Moment: Mach das Beste draus! Der Mindestlohn ist beschlossene Sache und selbst wenn Änderungen in der Zukunft noch möglich sind, sollten Unternehmen und Praktikanten sich mit der aktuellen Lage anfreunden und sie für sich nutzen, die Zukunft anpacken und die positiven Aspekte wie die soziale Gerechtigkeit im Auge behalten. Wir wünschen viel Glück bei der Suche nach einem spannenden Praktikum und drücken die Daumen, dass die Lernkurve genauso steil nach oben geht wie der Mindestlohn!

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