Nach dem Studium: Den Ernst des Lebens nicht zu ernst nehmen

Nach dem Studium: Den Ernst des Lebens nicht zu ernst nehmen
PRAKTIKUM.INFO-Umfrage

Führen Siegel von Arbeitgeber-Auszeichnungen dazu, dass Du Dich eher bei einem Unternehmen bewirbst?

Eltern, Großeltern, Professoren und auch Freunde haben uns oft genug gewarnt: „Genieß’ das Studentenleben! Es ist die schönste Zeit! Es wird danach nie wieder so sein!“ Muss es auch gar nicht. Schließlich sind Veränderungen grundsätzlich nichts Schlechtes. Wir müssen nur lernen, die Angst zu besiegen.

Studentenleben: Die schönste Zeit des Lebens genießen 

Schon mit Beginn der Abschlussarbeit machen sich viele Studenten Sorgen, wie es danach weiter gehen soll. Im Idealfall winkt kurz nach dem Studium der erste feste Job. Doch wie bekommt man den? Und was mache ich, wenn es nicht gleich klappt? Wovon soll ich leben? Soll ich dahin gehen, wo ich gern leben möchte? Oder besser vernünftig sein und dem Job hinterher ziehen? Was, wenn ich mich erst mal arbeitslos melden muss? Und was – um Himmels Willen – sollen meine Eltern denken?

So oder ähnlich sieht es wohl in den Köpfen der meisten Studenten aus, die kurz vor dem Abschluss stehen. Sie haben Zukunftsangst. Dazu kommt aber noch ein anderer Aspekt, der für unsere Generation – die sogenannte Generation Y – bezeichnend ist: Der Job soll nicht nur Geld einbringen, sondern einen auch erfüllen. Viele junge Akademiker wollen nach dem Studium nicht nur einen Beruf, sondern eher eine Berufung finden. Das Gehalt spielt da nur eine nachgeordnete Rolle. Wichtiger sind der Freiraum zur Selbstverwirklichung und die Gewissheit, etwas sinnvolles für sich oder die Allgemeinheit zu tun.

Man kann nicht alles haben, aber vieles

Nun handelt es sich bei dieser Vorstellung vom perfekten ersten Job nicht selten um eine Utopie. Schließlich zahlen sich das BAföG, der Studienkredit oder auch die Schulden bei den Eltern nicht von allein zurück. Man muss also Geld verdienen. Es ist ganz normal, dass der erste Job dabei nicht allen Kriterien des Traumjobs gerecht werden kann. Aber es muss ja auch noch Luft nach oben bleiben.

Lebens- und Arbeitsmodelle gibt es viele. Im Bewusstsein der Firmen ist es angekommen, dass junge Akademiker anders ticken als ihre Eltern. So gehen immer mehr Arbeitgeber mit flexiblen Arbeitszeiten und viel Gestaltungsfreiraum auf die Ansprüche junger Akademiker ein. Wichtig ist, dass man zunächst für sich selbst entscheidet, wie man sein Leben führen und seine Lebenshaltungskosten erwirtschaften möchte. Je nachdem, wo der eigene Fokus liegt, kannst du im Prinzip (fast) alles machen: Karriere, ein Kind bekommen oder kreativ sein. Vielleicht sogar alles gleichzeitig. Kompromissbereitschaft hilft dir dabei, den richtigen Weg zu finden. Zur Not auch mit kleinen Umwegen.

Was, wenn ich keinen Job finde?

Auch wenn der Erfolg bei der Jobsuche zunächst ausbleibt, sollte man nicht gleich in Panik verfallen. Natürlich gibt es besseres, als nach dem Studium direkt bei der Bundesagentur für Arbeit vorstellig zu werden. Aber glaubt man der Statistik, so ereilt nur wenige Akademiker dieses Schicksal. Nach einer Studie der Hochschul-Information-System GmbH (HIS) liegt die Arbeitslosenquote von Hochschulabsolventen hierzulande im einstelligen Bereich, langfristig sogar unter fünf Prozent. Und spätestens nach fünf Jahren haben über 95 Prozent aller Hochschulabsolventen einen Beruf gefunden. Wie lange es dauert, bis man nach dem Studium einen „festen“ Job hat, hängt dabei auch maßgeblich vom Studienfach ab. Zum Beispiel tun sich Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler beim Berufseinstieg leichter als Sozialwissenschaftler. Weitere Einflussfaktoren sind zudem Vitamin B und das liebe Glück. Auch bei der Jobsuche ist Geduld also eine Tugend.

Findet sich in den Monaten nach dem Studium wirklich „nichts“, sollte man die Leerlaufphase sinnvoll ausfüllen. Beispielswiese kann man weiterqualifizierende Kurse belegen (teilweise werden diese von der Bundesagentur für Arbeit gefördert) oder sich selbst fortbilden. Sofern man es sich leisten kann, bieten sich nach dem Studium auch Sprachreisen, Work&Travel oder ähnliche Unternehmungen an. Eine solche „Auszeit“ kann auch der Selbstfindung dienen. Schließlich wissen viele Absolventen auch nach ihrem Abschluss noch nicht, in welchem Bereich sie beruflich tätig werden möchten. Solange man eine solche „Lücke“ im Lebenslauf gut begründen kann und sie der Selbstfindung dient, muss man sich auch keine Sorgen machen, dass dies ein Ausschlusskriterium in der Bewerbung ist. Im Gegenteil: Viele Unternehmen zeigen sich heutzutage offen gegenüber Bewerbern, die wissen, was sie wollen – auch, wenn sie sich dafür etwas Zeit genommen haben.

Es wird anders. Auch, weil du es willst.

Geld verdienen und ein abwechslungsreiches, spannendes Leben schließen sich nicht aus. Zwar wird man schnell einsehen, dass der wöchentliche, studentische Partymarathon von Mittwoch bis Sonntagmorgen mit einem Vollzeitjob so nicht mehr machbar ist. Mit den Umständen ändern sich auch die eigenen Prioritäten. Kurz: Erwachsen und für sich selbst verantwortlich zu sein macht zwangsläufig irgendwie vernünftiger. Da unterliegt der Großteil von uns einfach den „natürlichen“ Gesetzen des Älterwerdens. (Ausnahmen bestätigen die Regel.)

An dieser Stelle sei allen angsterfüllten Bald-Absolventen gesagt: Man sollte nicht befürchten, gemeinsam mit der Abschlussarbeit auch die Freude am Leben abzugeben. Menschen tendieren dazu, sich bei Entscheidungen zu sehr von ihren Ängsten leiten zu lassen. Dabei liegt es doch an uns, die Chancen zu sehen und wahr zu nehmen. Das Leben ist und bleibt, was du draus machst: Jetzt steht dir die Welt offen. Zeig, was du gelernt hast und erweitere deinen Horizont über die Unigrenzen hinaus. Du wirst neue Menschen treffen, die dich inspirieren. Und natürlich auch welche, die dir zeigen, wie du nie sein willst. Du wirst großes leisten, dein erstes Gehalt verprassen, Reisen und natürlich auch weiterhin feiern, lieben und lachen.

Der Ernst des Lebens hat also eigentlich den falschen Namen. So war im Studium auch nicht immer alles ein Zuckerschlecken. Es ist nur so, wie nach dem Ende einer langen Beziehung: Die guten Erinnerungen bleiben.

Über den Autor

Luise Köhler
Luise Köhler

Luise ist ehem. Redakteurin von PRAKTIKUM.INFO und hat sich zu allen Fragen, die Praktikanten vor, während und nach ihrem Praktikum beschäftigen, schlau gemacht.

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