Politikwissenschaft studieren: „Wirst du später Bundeskanzler?“

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Politikwissenschaft studieren: Am Zeitgeschehen teilhaben & wichtige praktische Erfahrungen sammeln

Politologen können alles oder nichts. Wer sich gegen eine akademische Laufbahn an der Hochschule entscheidet, sollte noch aktiver als andere Studierende an seiner Karriere arbeiten. Am Arbeitsmarkt kommt es stark auf die praktische Erfahrung an.

Die Bundeskanzler-Frage bekommen fast alle Studierenden der Politikwissenschaft früher oder später zu hören. Und nein, dieser Studiengang ist keine praktische Ausbildung zum Politiker. In der Politologie geht es vor allem darum, politische und gesellschaftliche Prozesse wissenschaftlich nachzuvollziehen und Regierungssysteme zu klassifizieren. Politikwissenschaftler versuchen auch, das Handeln politischer Akteure unter gewissen Umständen zu prognostizieren. Oder sie machen sich Gedanken philosophischer Art, um bestehende Theorien und Regierungsformen weiterzuentwickeln.

Politologie hat viele Gesichter

Politikwissenschaft ist ein weites Feld. Das Studienfach gliedert sich in Teildisziplinen, die mitunter wenig miteinander zu tun haben. Während in den „Internationalen Beziehungen“ vor allem Außen- und Sicherheitspolitik zwischen Staaten und Organisationen auf dem Lehrplan steht, wird in der „Vergleichenden Politikwissenschaft“ so ziemlich jeder politisch fassbare Gegenstand verglichen und eingeordnet: Staatsformen, Parteiensysteme, Akteure oder Verfassungen. Beim Teilbereich „Politisches System der Bundesrepublik Deutschland“ ist der Name Programm. In der „Politischen Theorie“ setzen sich die Studierenden mit den Ideen großer Denker auseinander. Texte von Soziologen und Philosophen wie Max Weber, Karl Marx oder John Locke sind dabei Pflicht. Handfester geht es bei den „Methoden der Politikwissenschaft“ zu. Hier werden die wissenschaftlichen Werkzeuge gelehrt und weiterentwickelt. Unter anderem bekommt man es dabei mit Statistik zu tun.

Zu Beginn des Studiums der Politikwissenschaft überrollt den angehenden Politologen eine regelrecht Theoriewalze. Ein echter Praxisbezug stellt sich spät ein, häufig ist erst im Master-Studium eine thematische Spezialisierung möglich. Auf den Mund sollte man jedoch von Anfang an nicht gefallen sein. In der Politologie wird viel diskutiert, sie beruht auf dem intellektuellen Austausch. Dementsprechend heiß geht es auf politikwissenschaftlichen Kongressen her.

Studium Generale – und doch kein Rüstzeug für den Arbeitsmarkt

Im Laufe der Semester bekommt es der angehende Politikwissenschaftler mit gesellschaftlichen Daten, beispielsweise über Einkommen und Bildung, zu tun.  Deshalb beinhalten viele politikwissenschaftliche Studiengänge Pflichtveranstaltungen in der Soziologie. Oft wird man sich auch in geschichts- und wirtschaftswissenschaftlichen Vorlesungen wiederfinden.

Trotz des weiten Wissenshorizonts in politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Angelegenheiten, den sich Absolventen der Politologie an der Uni aneignen, haben sie es beim Einstieg in den Arbeitsmarkt schwer. Direkt beruflich verwertbar sind die Kenntnisse aus dem Studium nur in wenigen Berufen. Viele Politologen streben deshalb eine akademische Karriere an einer Hochschule an und suchen sich eine Doktorandenstelle. Einerseits will muss man diese erst mal finden. Und andererseits erwarten die Jungwissenschaftler jahrelang eine schlechte Bezahlung, befristete Verträge und wenige Aufstiegsmöglichkeiten.

Praktische Erfahrung als Schlüssel zum Erfolg

Wer das nicht möchte, sollte schon früh auf praktische Erfahrung setzen. Prädestinierte wirtschaftliche Arbeitsfelder von Politologen sind Kommunikation, Beratung und Organisationen. Viele Absolventen verdingen sich dementsprechend im Journalismus oder der Unternehmenskommunikation. Andere haben sich thematisch so spezialisiert, dass sie als Referenten oder Berater für Politiker und Unternehmen tätig werden. Wieder andere folgen ihrem Idealismus und werden Entwicklungshelfer oder Campaigner für Lobbyorganisationen.

Für all diese Tätigkeitsbereiche muss man in der Regel allerdings schon im Studium viele Erfahrungen außerhalb der Universität gesammelt haben. Inhaltlich haben diese Bereiche schließlich wenig mit der Politikwissenschaft gemein. Noch mehr als bei den meisten anderen Studiengängen kommt es also darauf an, Praktika zu absolvieren und sich ein zukunftsträchtiges Netzwerk aufzubauen. Beide sind Türöffner für den  Berufseinstieg und legen den Grundstein für eine erfolgreiche Karriere.

In Deutschland haben übrigens tatsächlich überdurchschnittlich viele Politiker Politikwissenschaft studiert. Der weitaus größte Anteil unter den Berufspolitikern ist allerdings Jurist oder Lehrer. 

 

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