Die Praktikumsbeurteilung

Die Praktikumsbeurteilung
PRAKTIKUM.INFO-Umfrage

Führen Siegel von Arbeitgeber-Auszeichnungen dazu, dass Du Dich eher bei einem Unternehmen bewirbst?

Die Praktikumsbeurteilung, auch Praktikumszeugnis genannt, wird dir nach Abschluss deines Praktikums vom Unternehmen ausgestellt und gibt Auskunft über deinen Tätigkeitsbereich und deine Leistungen im Praktikum. PRAKTIKUM.INFO erklärt, was in der Praktikumsbeurteilung stehen sollte und wie du den Wortlaut deines Arbeitgebers in Noten interpretieren kannst.

Anspruch auf Praktikumsbeurteilung

Es gibt zwei unterschiedliche Arten von Arbeitszeugnissen: Das „einfache Zeugnis“ (Praktikumsbescheinigung), das ausschließlich Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit beinhaltet sowie das „qualifizierte Zeugnis“ (Praktikumsbeurteilung) mit ausführlichen Informationen zu den Leistungen, Kompetenzen und Verhalten des Praktikanten.

>> Alles Wissenswerte rund um die Praktikumsbescheinigung 

Jedem Praktikanten steht solch ein qualifiziertes Zeugnis zu. Festgelegt ist das in Paragraph § 109 der Gewerbeordnung. Dieser besagt, dass jeder Arbeitnehmer, auch Praktikanten, nach dem Ende eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein Arbeitszeugnis haben. Wird eine solche Praktikumsbeurteilung nicht freiwillig vom Arbeitgeber ausgestellt, kann man sich auf diesen Paragraphen berufen und ein Praktikumszeugnis einfordern. Dieses muss bis zu deinem letzten Arbeitstag fertiggestellt sein. Ist das nicht der Fall, solltest du deinen Ex-Chef unbedingt nochmal telefonisch erinnern oder im nächsten Schritt eine schriftliche Frist setzen.

Eventuell benötigst du auch einen Nachweis über dein Praktikum für deine Schule oder Hochschule. Meist bietet deine Bildungseinrichtung hier einen Vordruck an, den dein Arbeitgeber nur noch unterzeichnen muss.

>> Alle Informationen zum Praktikumsnachweis für die Bildungseinrichtung 

Was muss in einer Praktikumsbeurteilung stehen?

Die formale Gestaltung einer Praktikumsbeurteilung ist gesetzlich festgelegt.

Folgende Angaben sollte eine Praktikumsbeurteilung enthalten:

  • Überschrift „Praktikumsbeurteilung“ bzw. „Praktikumszeugnis“
  • Datum des Ausstellungszeitpunktes
  • Name und Geburtsdatum des Praktikanten
  • Praktikumszeitraum
  • Tätigkeitsbereich: hierbei sollten ausschließlich qualifizierte Tätigkeiten, die deinen Arbeitsalltag aufzeigen, aufgeführt werden und keine alltäglichen, kleineren Hilfsarbeiten wie Kaffee kochen
  • Beurteilung der Kompetenzen, wie z.B. soziale Kompetenzen, Auffassungsgabe etc.
  • Bewertung der Leistungen: diese ist vergleichbar mit einer Schulnote und somit das wichtigste Element der Praktikumsbeurteilung
  • Zum Abschluss dankt der Arbeitgeber dem Praktikanten für die geleistete Arbeit und wünscht ihm für die Zukunft alles Gute
  • Datum und Unterschrift des Praktikumsgebers
  • Die Gewerbeordnung besagt, dass ein Arbeitszeugnis verständlich formuliert sein muss und keine versteckten Aussagen über den Arbeitnehmer bzw. den Praktikanten enthalten darf

Umfassende Beurteilung des Praktikanten

Eine Praktikumsbeurteilung dient dazu, einen umfangreichen Einblick in die Leistungen und Kompetenzen des Praktikanten zu geben. Dabei erfolgt neben der allgemeinen Leistungsbewertung auch eine Beurteilung der fachlichen Qualifikation sowie der persönlichen Eigenschaften.

Folgende Aspekte finden in der Praktikumsbeurteilung Berücksichtigung:

  • Theoretisches und praktisches Fachwissen
  • Auffassungsgabe
  • Arbeitsweise
  • Selbstständigkeit
  • Zuverlässigkeit
  • Belastbarkeit
  • Flexibilität
  • Engagement
  • Sozialverhalten und Teamfähigkeit

Formulierungen richtig deuten

Praktikumsbeurteilungen und Arbeitszeugnisse werden in einer Art Zeugnis-Code verfasst. Die allgemeine Bewertung der Leistungen des Praktikanten erfolgt in der Regel nach folgendem Schema:

Bewertungsschema Praktikumszeugnis
 

 Sehr gut stets zu unserer vollsten Zufriedenheit
 Gut stets zu unserer vollen Zufriedenheit
 Befriedigend zu unserer vollen Zufriedenheit
 Ausreichend stets zu unserer Zufriedenheit
 Mangelhaft zu unserer Zufriedenheit
 Ungenügend im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit

Jeder Personaler kennt diese Zeugnissprache. Diese speziellen Formulierungen helfen, negative Aussagen über den Praktikanten zu vermeiden und dennoch eine aussagekräftige Bewertung vorzunehmen.

Eine gute Beurteilung erkennt man zudem daran, dass keine passivischen Formeln, wie zum Beispiel „wurde betraut“ verwendet werden. Aktive Formulierungen wie „er realisierte“ sind positiver behaftet. Damit werden Eigenständigkeit und Engagement des Praktikanten unterstrichen.

Das darf nicht ins Praktikumszeugnis

Das Arbeitszeugnis muss immer positiv formuliert sein, damit dein ehemaliger Arbeitgeber dir keine Steine in den Weg legen kann. Das ist vielleicht im Rahmen eines Praktikums noch nicht so relevant, könnte aber im späteren Berufsleben wichtig werden – wenn der Ex-Chef zum Beispiel verhindern will, dass du bei einem Konkurrenzunternehmen anfängst und Infos mitnimmst.

Prüfe also dein Praktikumszeugnis ganz genau, nicht nur was deine Bewertung angeht, sondern auch, ob alle Daten stimmen. Hat sich nämlich dort ein Fehler zum Beispiel bei deinem Geburtsdatum eingeschlichen, solltest du nochmal um Korrektur bitten.

Darüber hinaus haben persönliche Informationen nichts in deinem Praktikumszeugnis zu suchen. Das kann eine Parteizugehörigkeit, Religion, Gesundheitszustand oder ähnliches meinen. Auch die Mitgliedschaft in einem Betriebsrat oder einer Gewerkschaft darf hier keine Erwähnung finden. Wettbewerbsverbote wie auch die Teilnahme an Streiks sind ebenfalls tabu. Zuletzt ist das Aufführen von Straftaten, die nichts mit der eigenen Stelle zu tun haben, nicht im Praktikumszeugnis gestattet.

Um solche Informationen doch zu platzieren, nutzen manche Personaler versteckte Codes.

Was sind versteckte Zeugnis-Codes?

Da die Bewertung immer positiv ausfallen muss, dürfen keine augenscheinlich negativen Aussagen in deinem Praktikumszeugnis vorkommen. Um den nächsten Personaler aber entsprechend informieren zu können, gibt es eine Reihe Floskeln, die verschleiern, was eigentlich gesagt werden will.

Versteckte Codes im Praktikumszeugnis

 Das steht in deinem Praktikumszeugnis: Das ist wirklich gemeint:
 „Herr X neigte zur Geselligkeit und trug somit zu einer Verbesserung des Betriebsklimas bei.“ Herr X zeigt Tendenzen eines Alkoholikers.
 „Für die Belange der Belegschaft bewies Herr X immer Einfühlungsvermögen.“ Herr X suchte sexuelle Kontakte im Kollegenkreis.
 „Auch außerhalb seines Fachgebietes war Herr X ein gesuchter Gesprächspartner.“ Herr X führte während seiner Arbeitszeit lange Privatgespräche.
 „Herr X war ein anspruchsvoller und kritischer Mitarbeiter.“ Herr X ist ein egozentrischer Nörgler.
 „Mit seiner Pünktlichkeit war Herr X ein gutes Beispiel.“ Mit seiner Arbeitsleistung war Herr X kein gutes Beispiel.
 „Herr X war immer pünktlich.“ Herr X war nie zu Überstunden bereit.
 „Herr X arbeitete sehr genau und erledigte seine Aufgaben immer ordnungsgemäß.“ Herr X zeigte keine Eigeninitiative.
 „Herr X löste alle Aufgaben in seinem und im Firmeninteresse.“ Herr X hat Firmeneigentum gestohlen.
 „Wir trennen uns einvernehmlich / Herr X scheidet in beiderseitigem Einvernehmen aus unserem Unternehmen aus.“ Herr X wurde gekündigt. Nur durch den Zusatz „im besten beiderseitigem Einvernehmen“ ist der Aufhebungsvertrag gemeint.
 „Wir wünschen ihm alles Gute und Erfolg.“ Steht dort nicht weiterhin viel Erfolg, meint das Unternehmen, dass Herr X bei ihnen keinen Erfolg hatte.

Was tun, wenn dein Praktikumszeugnis Dinge enthält, die nicht drin stehen dürfen?

Fühlt man sich durch die Einschätzung des Arbeitgebers ungerecht behandelt, sollte man unbedingt nachfragen, wie diese Zustande kommt und ggf. Nachbesserungen erfragen. Zunächst solltest du natürlich das Gespräch suchen, um herauszufinden, wie es dazu kommen konnte, dass du negativ bewertet wirst oder aber diese eigentlich nicht arbeitsrelevanten Informationen in dein Praktikumszeugnis gefunden haben. Sollte dein Ex-Arbeitgeber keine Korrektur vornehmen wollen, bleibt dir noch der Rechtsweg: Hier kannst du dann das Arbeitsgericht einschalten.

Praktikumsbeurteilung selbst verfassen

Einige Unternehmen lassen sich bei der Erstellung des Praktikumszeugnisses von den Praktikanten selbst unterstützen, beispielsweise anhand von Auflistungen über die genauen Tätigkeiten. In einigen Fällen schreiben Praktikanten ihre Praktikumsbeurteilung sogar selbst. Hier gilt: Keine Scheu vor Eigenlob, schließlich ist die Praktikumsbeurteilung eine wichtige Referenz. Orientieren kann man sich an den Formulierungsrichtlinien für Arbeitszeugnisse. Man kann den Arbeitgeber sonst auch nach (anonymisierten) Beurteilungen von ehemaligen Praktikanten fragen.

Praktikumsbeurteilung als wichtige Referenz

Die Praktikumsbeurteilung dient als wichtiger Nachweis über deine Kompetenzen und Leistungen, die du im Arbeitsleben erbringst. Aus diesem Grund solltest du dir ab einer Praktikumsdauer von vier Wochen in jedem Fall eine Praktikumsbeurteilung vom Unternehmen aushändigen lassen. Für spätere Bewerbungen ist das hilfreich.

>> Finde jetzt deinen Praktikumsplatz

Über den Autor

Jana Teuber
Jana Teuber

Als Content Managerin für PRAKTIKUM.INFO ist die studierte Germanistin sowohl mit der Praktikantenlandschaft in Deutschland als auch mit Karrierethemen bestens vertraut.

Artikel weiterempfehlen: