Praktikum ja, aber wann? – Studenten in Zeitnot

Praktikum ja, aber wann? – Studenten in Zeitnot
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Praktikum im Studium: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Praktika im Studium erfüllen eine wichtige Orientierungsfunktion. So lernt man nicht nur, theoretisches Wissen in der Praxis anzuwenden, sondern auch, was es heißt, in einem bestimmten Bereich tätig zu werden. Diese unmittelbare Erfahrung hat entscheidenden Einfluss auf die persönliche Karriereplanung und sollte somit von jedem Studenten gemacht werden. Jedoch gestaltet sich das in Zeiten von Bologna zunehmend als organisatorische Herausforderung.

Hörsaal, Prüfung, Praktikum

„Das Studium ist die schönste Zeit des Lebens.“ – Spätestens auf der Abiturfeier schallt einem dieser Satz mit wehmütigem, aber dennoch belehrendem Unterton von Eltern, Großeltern und Lehrern entgegen. Doch die gängige Vorstellung vom faulen Studentenleben entspricht immer weniger der Realität. Bitte nicht falsch verstehen: natürlich geht man mittwochs noch auf Studentenparties und schwänzt aus gegebenem Anlass die Mathe-Vorlesung am Donnerstagmorgen. Aber eben vielleicht nicht mehr ganz so unbeschwert wie damals. Bologna ist allgegenwärtig an deutschen Unis – genau, wie der Leistungsdruck in den Köpfen der Studenten.

Nicht nur, dass inmitten von Vorlesungen, Hausarbeiten und Prüfungsvorbereitungen das Humboldt’sche Bildungsideal einer stärkeren Berufsbezogenheit weicht. Auch die Zeit zur Selbstfindung ist aufgrund durch-strukturierter Studienordnungen begrenzt. Die Studenten hetzen von der Uni in den Nebenjob, vom Semester in die Prüfungszeit und im Idealfall nutzt man die Semesterferien für ein Praktikum. Diese Rechnung aber, geht leider nicht so richtig auf.

Prüfungsphase vs. Praktikum

Das Problem: In vielen Studiengängen erstreckt sich die Prüfungsphase über einen Großteil der Semesterferien. Oft bleiben dann nur drei Wochen bis zum Beginn des nächsten Semesters, in denen man Zeit hat, ein Praktikum zu absolvieren. Viele Unternehmen bieten jedoch nach wie vor Praktika über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten an. Schließlich sollen die Studenten während ihrer Zeit im Unternehmen auch etwas lernen und nicht gleich nach der Einarbeitungsphase wieder gehen müssen.

Eine Situation also, in der man erfinderisch sein muss, wenn man trotz Studienstress Praxiserfahrung sammeln möchte und die Regelstudienzeit dabei möglichst nicht überschreiten will.

Praktikumssemester

Im Zuge des Bologna-Prozesses haben viele Studiengänge ein Praktikumssemester in die Studienordnung integriert. Das heißt: Ein Praktikum im Rahmen des Studiums ist Pflicht, jedoch bekommt man auch genügend Zeit zugeschrieben, um dieses zu absolvieren. Auch ein Praktikum im Ausland ist möglich, es sollte jedoch vorher in Rücksprache mit der Hochschule sicher gestellt werden, dass dieses auch anerkannt wird. 

Im Falle eines solchen Pflichtpraktikums müssen die Studenten in der Regel auch einen Praktikumsbericht verfassen. Darüber hinaus dient das Praktikumszeugnis vom Unternehmen als Nachweis über die Erbringung der Praktikumsleistung.

StressPraktika für Zwischendurch

Alle diejenigen, die zwar ein Pflichtpraktikum absolvieren müssen, jedoch kein Praxissemester in der Studienordnung festgeschrieben haben, müssen ein wenig puzzeln. Aber auch das ist möglich und muss bei einer guten Planung gar nicht so sehr in Stress ausarten.

Wichtig ist, dass man sich mindestens ein halbes Jahr vor Praktikumsbeginn organisatorisch darauf einstellt. Dazu zählt nicht nur die Bewerbungsphase, sondern ebenso die Abstimmung des Studien- und Prüfungsplans auf die veranschlagte Praktikumsdauer. So kann man beispielsweise Referate zu Beginn des Semesters halten und bestimmte Veranstaltungen auf andere Semester verschieben. Und auch, wenn man aufgrund des Praktikums mal zwei Wochen der Vorlesungszeit opfern muss, nimmt es einem in der Regel keiner übel, sofern man im Vorhinein das Gespräch mit den Dozenten sucht und einen Praktikumsvertrag vorlegen kann.

Ob man in diesem Fall die vorgeschriebene Praktikumsdauer auf zwei kurze Praktika (ca. 4 – 8 Wochen) verteilt, oder nur ein mittelfristiges Praktikum (ca. 3 Monate) absolviert, ist dabei abhängig von den jeweiligen Vorgaben in der Studienordnung und den Präferenzen der Studenten.

Urlaubssemester

Möchte man ein längeres, freiwilliges Praktikum, vielleicht sogar im Ausland, absolvieren, bleibt einem immer noch die Möglichkeit, ein Urlaubssemester zu beantragen. Dieses wird nicht als Studiensemester gewertet, wodurch sich die Regelstudienzeit nicht verlängert. Einige Studenten schrecken vor dieser Variante allerdings zurück, da während eines Urlaubssemesters kein BAföG-Anspruch besteht.

Dennoch erscheint ein Urlaubssemester im Hinblick auf das Sammeln praktischer Erfahrungen gar nicht so ungeeignet. So hat man schließlich mehr Zeit, sich auf das Praktikum einzulassen und das jeweilige Berufsfeld intensiv kennen zu lernen. Natürlich sollte sicher gestellt sein, dass einem im Rahmen eines solchen Urlaubssemesters zu Praktikumszwecken keine enormen Extrakosten entstehen.

Abschlussarbeit im Unternehmen

Bleibt im Studium nicht genügend Zeit für Praktika, hat man immer noch die Möglichkeit, seine Abschlussarbeit bei einem Unternehmen zu schreiben. Das verleiht dem manchmal doch etwas ‚trockenen’ Prozess des wissenschaftlichen Schreibens eine angenehme Praxisnähe. Egal ob Bachelorarbeit oder Masterarbeit – viele Unternehmen suchen nach jungen Akademikern, die sie in der Forschung und Prozessoptimierung unterstützen. Somit ist eine praktische Abschlussarbeit auch häufig Sprungbrett für den Berufseinstieg nach dem Studium.

Praxiserfahrung wird belohnt

Unabhängig davon, wie man Praxiserfahrung im Rahmen der Studienzeit sammelt, fest steht: Praktika erweitern den Horizont und haben wichtigen Einfluss auf die spätere Karrierelaufbahn. Nicht nur, dass Praxiserfahrung in vielen Unternehmen als Einstellungskriterium gilt, auch für die Studenten dient sie als bedeutende Orientierungshilfe.

Deshalb solltest du auch die notwendige Zeit für Praktika im Rahmen des Studiums einplanen. Und selbst, wenn es sich dabei um ein Urlaubssemester handelt, wird dich ein Unternehmen wohl kaum schlecht beurteilen, wenn du dieses für ein Praktikum genutzt hast. Denn was gibt es besseres, als junge Fachkräfte, die Prioritäten setzen und somit symbolisieren: Ich weiß, was ich will!

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