Die sechs Vokabeln der Körpersprache

Die sechs Vokabeln der Körpersprache
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Mit Körpersprache Gefüphle und Anliegen gekonnt ausdrücken

Eine erfolgreiche Ansprache basiert zu mindestens 50 Prozent auf dem non-verbalen Anteil der Gesamtkommunikation. Es gibt keine reine Sachinformation! Die Körpersprache eines jeden Menschen übermittelt dabei durch Haltung, Bewegung, Gestik und Mimik bewusste und unbewusste Anteile des Gesagten und Gemeinten. Meist bleiben dabei die Gefühle und im Hintergrund stehende Motivationen unausgesprochen und drücken sich über den Körper – für jeden sichtbar, aber nicht für jeden übersetzbar – aus.

Körpersprache

Wer die „Übersetzungen“ solcher Signale beherrscht, erkennt frühzeitig, wo es zu möglichen Störungen im verbalen und sachorientierten Gesprächsteil kommen wird und kann entsprechend handeln – zum Wohle und Nutzen beider Gesprächspartner. Es gilt Regeln zu kennen und anzuwenden. Nur so kann eine bewertungs- und urteilsfreie Übersetzung der Körpersprache in den geistig-seelischen Urgrund erfolgen und dem Menschen gerecht werden.

Körpersprache sprechen

Körpersprache ‚sprechen‘ wir immer und überall, allerdings weitgehend unbewusst. Wer mit seinem gesamtem Potential sprechen und handeln will, muss um seine Körpersprache wissen - sich ihrer bewusst sein.

Wenn man das Wissen um die persönlichen körpersprachlichen Ausdrucksformen nutzt, versteht man Eltern, Nachbarn, Freunde, Vorgesetzte … kurz: Mitmenschen und sich selbst auch – und das gerade im ‚Ungesagten‘.

Nur so kann man sich jederzeit – nach Innen und Außen – auch non-verbal, individuell und authentisch darstellen. Authentisch bedeutet, man selbst zu sein. Wir sind authentisch, wenn wir vollkommen wahrhaftig, uns selbst treu und ehrlich sind! (Was nicht bedeutet, nicht zu lügen!)

Der Körper tut nichts aus sich selbst heraus. Der Körper eines Menschen bezieht seine Aktionen aus den nichtstofflichen Bereichen, die wir Bewusstsein oder auch Seele nennen. Aus dem Bewusstsein stammen die Informationen, die sich im Körper befinden oder manifestieren und damit sichtbar werden.

Seele und Geist sprechen

Verhaltensänderungen, Bewegungen, Spannungen oder Entspannungen geschehen immer zunächst auf der Ebene der Seele oder des Bewusstseins. Der Körper ist die Bühne für die Bilder des Bewusstseins, der Seele und des Geistes.

DiskussionKörpersprache kann nicht bewerten; dies kann nur aus der jeweiligen Situation der oder des Beteiligten geschehen und ist immer subjektiv abhängig von Bewertungssystemen. Körpersprache beschreibt auf der sichtbaren Ebene, was nichtsichtbar bewegt und kann uns als Übersetzung der verschiedenen Ebenen dienen und damit zur Bedeutung für den Einzelnen werden.

 

Körpersprache ist eine komplexe Einheit aus Haltung, Gang, Mimik, Sitzhaltungen, Gestik und Territorialverhalten. Hier die Kurzinhalte und Bedeutungen der sogenannten

„Körpersprache-Vokabeln” im Überblick:

Haltung: Die innere Haltung entspricht der äußeren Haltung
•    geistige Standpunkte entsprechen den Beinstellungen
•    geistige Flexibilität entspricht den Kniespannungen
•    das Ego wird verkörpert im Unterbauch
•    der Lebensenergieeinsatz wird im Brustkorb deutlich
•    Belastbarkeit drücken die Schultern aus
•    geistige Anschauungen entsprechen den Kopf- /Halshaltungen
•    das Schutzbedürfnis wird im Flankenschutz ausgedrückt
•    Handlungsbereitschaft äußert sich in Arm-/Handhaltungen
•    rationale und emotionale Aktivität in Links-/Rechtspriorität

Gang: Der Gang spiegelt den Gang durchs Leben in...
•    geistigen Denkschritten durch physische Schritte
•    Sicherheitsbedürfnissen durch Schrittlängen und Fußbewegungen
•    Herangehensweisen durch die Dynamik des Ganges
•    Umgang (mit anderen) durch Tempo und Variationsvielfalt

Sitzhaltung: Aktuelle Reizaussendung und Beantwortung
•    ursprüngliches männliches (Imponier-)Verhalten und weibliches (Standes-)Verhalten kommen zum Ausdruck
•    geistige Haltungen entsprechen den Sitzhaltungen
•    geistige Veränderungen drücken sich in Sitzhaltungsänderungen aus
•    geistige Informationsaufnahme ausgedrückt in Sitzpositionen

Mimik: Analogie zu physiologischen Reaktionen von...
•    Augen: Informationsaufnahme oder -ablehnung
•    Mund:  Aufnahme und Geschmack von Informationen
•    Nase:  Prüfinstanz für Informationsaufnahme und -abgabe

Gestik: Redeergänzungen zum gesprochenen Wort durch...
•    beschreibende Gestik
•    vereinbarte Zeichen
•    Fingerbedeutungen in Bezug zur Persönlichkeit und deren momentane Äußerungen

Territorien: Distanzzonen und Sicherheitszonen des Körpers/Menschen
•    Schutz- und Einlass-Signale
•    Markierungsverhalten durch Gegenstände und Ordnungssysteme
•    Zeitvereinbarungen als Respekt des Lebenszeitraums
•    Wissensräume als geistige Territorien

Die Verlockung ist nun groß, sich auf die nächste Situation zu stürzen, die beteiligten Personen unter die Lupe zu nehmen, um das große „Aha – so ist der/die also“ zu erleben!

Diesbezüglich sollte man sich jedoch vorerst zurückhalten, denn zunächst geht es um das Bewusstsein in der eigenen (Körpersprache-)Sache. Und das heißt:

Beobachten, erkennen, prüfen, hinterfragen!

1.    Bewusstmachung Ihrer Haltung vor bei einem Gespräch
Welchen Standpunkt wählt man? Ist (geistig und in den Knien) Beweglichkeit gegeben? Herrscht ein gleichmäßiger Energiefluss (Atmung)? Ist Handlungsbereitschaft (Arme und Hände) vorhanden? Herrscht Aufnahmebereitschaft für neue Impulse (Kopfhaltung, Augenkontakt)?

2.    Aktivierung der eigenen Energie
Dazu sollte man den eigenen Gang aktiv und dynamisch gestalten. Das Betreten von Räumen erfolgt mit bewusstem Gang und entsprechenden Gedanken: im Hier und Jetzt sein, keine Erwartungen!

3.    Sitzhaltungen und -ordnungen variieren und damit spielen
Tipp: Bewusst beide Standbeine beim Sprechen und Hinhören einsetzen und den Unterschied spüren. Oberkörperbewegungen sollte man aktiv einsetzen und damit (geistige) Bewegung initiieren. Ebenso sollte man die eigenen Handhaltungen auf der Handlungsebene (z.B. Tisch) beobachten. Hat man eher eine verdeckte oder eine offene Hand? Das Ändern von Sitzordnungen hilft dabei, neue Ansichten zu gewinnen.

4.    Mimik deutlich einsetzen
Ich empfehle, die eigene Mimik bereits morgens vor dem Spiegel zu trainieren. Zum Beispiel, indem man mal wieder Grimassen zieht. Ebenso kann man versuchen, den mimischen Ausdruck, z.B. bei Erstaunen, zu übertreiben und die zugehörigen Worte einmal weg zu lassen: versteht Ihr Gegenüber, was gemeint ist?

Körpersprache: Mimik

Man kann auch einen Tag lang Aufzeichnungen über die eigenen Hand-Kopf-Bewegungen machen. Das hilft dabei, festzustellen, ob es in bestimmten Situationen wiederkehrende, typische Übersprungsbewegungen (Bewegungen, die unabhängig vom Kontext des vorhergehenden bzw. nachfolgenden Verhaltens vorgenommen werden) gibt? Oder man fragt seine Mitmenschen einfach danach. Oft reicht eine Bewusstmachung, um den ‚Tick’ wieder in bewusstes Verhalten zu wandeln.

5.    Arme und Hände reden lassen
Man sollte sich trauen, beschreibende Gestik in großzügigen Bewegungen einzusetzen und beobachten, ob die Anweisungen klarer verstanden werden. Argumente, Anweisungen oder Hinweise sollte man mit der offenen, gebenden Hand unterstützen. Eine Strichliste gibt Aufschluss, wie oft es gelingt, den anderen damit zu überzeugen bzw. ihn zum Handeln zu bewegen. Ebenso sollte man überprüfen, wo die eigenen Hände stecken, wenn man zuhört. Man symbolisiert, gelassen und handlungsbereit zu sein, indem man Arme und Hände hängen lässt.

6.    Territorien achten, innerlich lächeln
Man sollte sich die eigenen Markierungsgewohnheiten bewusst machen. Dazu gehört es, zu prüfen, ob diese auch erweitert werden können. Wie sieht das Markierungsverhalten der Mitmenschen aus? Ein inneres Lächeln hilft dabei, Dinge und Mitmenschen entspannter entgegen zu treten. Schließlich kann man sie nicht ändern, sondern nur respektieren und akzeptieren. Verstehen und Lachen entspannt und macht gelassener.


Erst wenn man Bewusstsein für das eigene Verhalten erlangt hat, kann man die erlebten Situationen und das in diesem Zusammenhang eigens reflektierte Verhalten auf andere projizieren. Nur was man kennt, erkennt man auch bei anderen wieder. Alles andere bleibt einem fremd.

Das eigene, erweiterte (Körper-)Bewusstsein verhilft schließlich zu einem zweiten Schritt: die Wahrnehmung für das verbale und nonverbale Verhalten von Gesprächspartnern ganzheitlicher wahrzunehmen. Wenn dabei auffällt, dass verbal etwas anderes ausgedrückt wird als nonverbal, kann man das in die verbale Kommunikation mit einbringen.


Sabine MühlischAutorin: Sabine Mühlisch
Dipl.-Sportwiss., Coach, Dozentin und Autorin für KörperSprache & UnternehmensKörper

Sabine Mühlisch ist seit 1986 selbstständige Trainerin für Körpersprache und Persönlichkeitsentwicklung. Im Zuge ihrer Arbeit hat sie bereits mehrfache Publikationen veröffentlicht. Neben vielfältigen Trainingsangeboten für Unternehmen und Einzelcoachings, bietet Sabine Mühlisch auch Lehrveranstaltungen an der Fresenius Fachhochschule in Idstein an. Hier gehts zur Homepage der Köperspracheexpertin.

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