Refugees welcome: Unternehmen stellen Flüchtlinge als Praktikanten ein.

Refugees welcome: Unternehmen stellen Flüchtlinge als Praktikanten ein.
Die aktuellen Zahlen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sprechen für sich: Täglich erreichen Flüchtlinge nach einer langen und meist auch beschwerlichen Reise Deutschland. Arbeitgeber sehen darin die Chance, Flüchtlinge als Praktikanten oder Hospitanten einzustellen, um sie stärker in die Arbeitswelt und damit in die Gesellschaft zu integrieren. PRAKTIKUM.INFO informiert über die rechtlichen Voraussetzungen, aber auch Grenzen zur Einstellung von Flüchtlingen.

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  1. Rechtliche Vorschriften zur Einstellung von Praktikanten mit Flüchtlingshintergrund.

    Geht es um die europäische Flüchtlingspolitik, endet dies in Medien und Politik oft als kontrovers diskutierte Debatte. Gerade im Personalbereich kann das Thema aber durchaus positiv mit Chancen und Möglichkeiten von sowohl Flüchtlingen, als auch für die Gesellschaft in Deutschland konnotiert werden. Immer mehr Unternehmen schaffen Programme, um junge und qualifizierte Flüchtlinge in die Arbeitswelt zu integrieren – meist über ein Praktikum. Dabei gibt es für die Unternehmen allerdings einige Voraussetzungen zu beachten.

    Asylberechtigte und anerkannte Flüchtlinge haben in der Bundesrepublik Deutschland generell einen Aufenthaltstitel mit Erlaubnis zur Beschäftigung. Asylbewerber und geduldete Personen hingegen haben grundsätzlich keinen Aufenthaltstitel mit Beschäftigungserlaubnis und dürfen in der Regel in keinem Beschäftigungsverhältnis stehen. Es sei denn:

    • die Wartefrist von drei Monaten wurde erfüllt,

    • der Aufenthaltsort ist nicht in einer Aufnahmeeinrichtung

    • und die Erlaubnis der Ausländerbehörde zur Beschäftigung bzw. zum Praktikum liegt vor.

    In diesem Fall ist die Einstellung von Asylbewerbern als Praktikanten vollkommen legitim. Die Zustimmungserfordernis der Bundesagentur für Arbeit ist seit dem 01. August 2015 nicht mehr zwingend notwendig und fällt bei Pflichtpraktika, Orientierungspraktika sowie studienbegleitenden Praktika von bis zu drei Monaten weg.

  2. Hospitanz und Praktikum als wirtschaftliche Chance.

    Alternativ zur Beschäftigung von Flüchtlingen als Praktikanten können diese auch als Hospitanten eingestellt werden. Hospitanten bekommen als Gast Einblick in die Unternehmensstrukturen. Dabei gibt es für Asylsuchende weder eine vorgeschriebene Mindestdauer noch bedarf es der Zustimmung der Ausländerbehörde oder der Bundesagentur für Arbeit.

    Unternehmen, wie zum Beispiel die Deutsche Telekom, sehen „Flüchtlingsströme als Talentströme“. Der Fachkräfteengpass in Deutschland könne durch die Einstellung von Flüchtlingen kompensiert werden. Das Praktikum stellt sowohl für die Betriebe als auch für die Flüchtlinge eine gute Möglichkeit zum Kennenlernen von Kultur, Sprache und Arbeitswelt dar und ist damit ein wichtiger Schritt in Richtung Integration. Viele Unternehmen können so zum Beispiel prüfen, ob sich die Praktikanten für eine zukünftige Ausbildung eignen oder auch direkt als Arbeitnehmer eingestellt werden können. Außerdem sollen weitere Betriebe ermutigt werden, offen mit der Herausforderung umzugehen, Flüchtlinge zu integrieren, um somit bestmögliche Ressourcen beziehen zu können. Doch Flüchtlinge sind nicht nur reine Arbeitskräfte: Durch neue Gedankengänge, kreative Ideen und frischen Input kann die deutsche Wirtschaft in Form von Neugründungen oder Start-ups enorm gestärkt werden.

    Viele Asylbewerber oder -berechtigte haben vor ihrer Flucht nur das Nötigste gepackt und ihre Unterlagen mit dem Mobiltelefon abfotografiert. Neben sprachlichen und kulturellen Barrieren besteht die Herausforderung für Personaler in entsprechenden Unternehmen also vor allem darin, dass Zeugnisse und Papiere von den Betroffenen auf der Flucht verschwunden sind oder aber bei entsprechenden Behörden nicht mehr auffindbar sein können. Eine stärkere Kooperation mit der Caritas, der Bundesagentur für Arbeit oder Studieninitiativen ist hier notwendig. Zudem sind Sprachkurse für Flüchtlinge oft erforderlich.

  3. Erleichterter Zugang zu Studium und Kultur.

    Auch der Zugang zum Studium soll für Flüchtlinge in Deutschland einfacher gestaltet werden. So ermöglicht die Kiron University Berlin den Flüchtlingen, in den ersten Jahren kostenlos und standortunabhängig online zu studieren. Sie können über das neue Studienkonzept in Form von englischsprachigen Kursen und Vorlesungen ihre Abschlüsse an renommierten internationalen Universitäten absolvieren, die von verschiedenen internationalen Universitäten angeboten und auch nachträglich anerkannt werden. Die Kiron University Berlin gewährt den Flüchtlingen als erste Universität weltweit, trotz fehlender Zeugnissen und Unterlagen, den Zugang zum Studium. Die Finanzierung des Projekts funktioniert über Sponsoren und ein Crowdfunding-Projekt.

  4. Bevölkerungspyramide widerspricht der „Arbeitsplatzkonkurrenz".

    Der Megatrend des demographischen Wandels belegt: Die deutsche Bevölkerung schrumpft und wird durchschnittlich älter. Von der sozialen und wirtschaftlichen Integration von Migranten kann Deutschland zukünftig also profitieren. Besonders beliebt für Arbeitgeber sind junge Flüchtlinge, die noch vor dem Einstieg ins Berufsleben stehen. Doch Politik und Wirtschaft jedoch stehen noch vor dem Problem der Kompetenzerfassung, wofür ein gänzlich neues Berufsentwicklungssystem konzipiert werden muss.

    Personaler müssen sich bewusst machen, dass sie eventuell mehr bürokratischen Aufwand haben und den Weg mit den Flüchtlingen gemeinsam gehen. Sie müssen diese Menschen bei Behördengängen unterstützen sowie bei der Übersetzung ins Deutsche helfen und Orientierung im Alltag bieten. Einige Apps geben bereits wichtige Tipps und Informationen und versuchen, Arbeitgeber und Flüchtlinge zusammen zu bringen. So zum Beispiel die Onlineplattform Workeer.

    Auch die Bundesagentur für Arbeit hat in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, dem Goethe Institut und dem ARD Alpha Bildungskanal die App „Ankommen“ ins Leben gerufen und damit eine wichtige erste Onlineplattform für Neuankömmlinge erstellt.

    Denn auch nach dem Praktikum ist es wichtig, die Flüchtlinge fortführend zu integrieren und an das Unternehmen zu binden.