Nach dem Studium: Den Ernst des Lebens nicht zu ernst nehmen.

Nach dem Studium: Den Ernst des Lebens nicht zu ernst nehmen.
Eltern, Großeltern und auch Freunde haben uns oft genug gewarnt: „Genieß’ dein Studentenleben! Es ist die schönste Zeit! Es wird danach nie wieder so einfach sein!“ Muss es auch gar nicht. Schließlich sind Veränderungen grundsätzlich nichts Schlechtes. Wir müssen nur lernen, die Angst vor dem Unbekannten zu besiegen. Deswegen: Bloß nicht stressen lassen! Wie man den Studentenstatus sorgenfrei hinter sich lässt und als Absolvent den Sprung in die Arbeitswelt meistert, verraten wir dir hier.
  1. Nach Studentenleben in den Berufseinstieg: Ab ins kalte Wasser des Arbeitsmarktes.

    Schon mit Beginn der Abschlussarbeit machen sich viele Studenten Sorgen, wie es nach dem Studium weitergehen soll. Im Idealfall winkt kurz nach dem Abschluss der direkte Berufseinstieg. Doch wie schafft man das? Und was mache ich, wenn die Unternehmen meine Bewerbung erstmal abblitzen lassen? Wovon soll ich leben? Soll ich dort hingehen, wo ich gern leben möchte oder besser vernünftig sein und dem Job hinterher ziehen? Was ist, wenn ich auf dem Arbeitsmarkt nichts finde und mich erst einmal arbeitslos melden muss? Und was – um Himmels Willen – sollen meine Eltern denken?

    So oder so ähnlich sieht es wohl in den Köpfen der meisten Studenten aus, die kurz vor dem Abschluss stehen. Sie haben Zukunftsangst. Dazu kommt aber noch ein anderer Aspekt, der für die sogenannten Generation Y bezeichnend ist: Der Job soll nicht nur Geld einbringen, sondern einen auch erfüllen. Viele junge Akademiker wollen nach dem Studium nicht nur einen Beruf, sondern eher eine Berufung finden. Das Gehalt spielt da nur eine nachgeordnete Rolle. Wichtiger ist der Freiraum zur Selbstverwirklichung und die Gewissheit, etwas Sinnvolles für sich oder die Allgemeinheit zu tun.

  2. Der erste Job ist nicht perfekt? Es darf noch Platz nach oben bleiben!

    Nun handelt es sich bei dieser Vorstellung vom perfekten ersten Job nicht selten um eine Utopie. Das BAföG, der Studienkredit oder auch die Schulden bei den Eltern zahlen sich nicht von allein zurück. Man muss also Geld verdienen und Berufserfahrung sammeln. Es ist ganz normal, dass der erste Job dabei nicht allen Kriterien des erfolgreichen Traumjobs gerecht werden kann. Aber es muss ja auch noch Luft nach oben bleiben.

    Lebens- und Arbeitsmodelle gibt es viele. Im Bewusstsein der meisten Firmen ist angekommen, dass die heutigen, jungen Akademiker anders ticken als die Generation ihrer Eltern. So gehen immer mehr Arbeitgeber mit flexiblen Arbeitszeiten und viel Gestaltungsfreiraum auf die Ansprüche junger Absolventen ein. Wichtig ist, dass man zunächst für sich selbst entscheidet, wie man sein Leben führen und seine Lebenshaltungskosten erwirtschaften möchte: Karriere machen, ein Kind bekommen oder kreativ sein. Vielleicht sogar alles parallel. Kompromissbereitschaft hilft dir dabei, den richtigen Weg zu finden – zur Not auch mit kleinen Umwegen.

  3. Praktikum, Sprachreise, Weiterbildung.

    Auch wenn der Erfolg bei der Jobsuche zunächst ausbleibt, sollte man nicht gleich in Panik verfallen. Natürlich gibt es Schöneres, als nach dem Studium direkt bei der Bundesagentur für Arbeit vorstellig sein zu müssen und sogar Arbeitslosengeld zu beziehen. Aber glaubt man der Statistik, so ereilt nur wenige Akademiker dieses Schicksal: Nach einer Studie der Hochschul-Information-System GmbH (HIS) liegt die Arbeitslosenquote von Hochschulabsolventen hierzulande im einstelligen Bereich, langfristig sogar unter fünf Prozent. Und spätestens nach fünf Jahren haben über 95 Prozent aller Hochschulabsolventen einen Beruf gefunden. Wie lange es dauert, bis man nach dem Studium einen festen Job hat, hängt dabei auch maßgeblich vom Studienfach ab. Zum Beispiel tun sich Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler beim Berufseinstieg leichter als Sozialwissenschaftler.

    Findet sich in den Monaten nach dem Studium wirklich „nichts“, sollte man diese Leerlaufphase sinnvoll ausfüllen. Beispielsweise kann man weiterqualifizierende Kurse belegen, die teilweise sogar von der Bundesagentur für Arbeit gefördert werden oder sich eigenständig fortbilden. Auch ein Praktikum kann eine gute Überbrückung und die Möglichkeit sein, den Wissensstand zu vertiefen und die Soft Skills zu stärken. Es bieten sich nach dem Studium auch Sprachreisen im Ausland, Work&Travel oder ähnliche Unternehmungen an, die dir Pluspunkte in der Vita bringen und auch der Selbstfindung dienen. Schließlich wissen viele Absolventen auch nach ihrem Abschluss noch nicht, in welchem Bereich sie den Berufseinstieg finden wollen. Solange man eine solche Lücke im Lebenslauf gut begründen kann, muss man sich auch keine Sorgen machen, dass dies ein Ausschlusskriterium in der Bewerbung ist. Im Gegenteil: Viele Unternehmen zeigen sich heutzutage gerade Bewerbern gegenüber offen, die wissen, was sie wollen – auch, wenn sie sich dafür beruflich etwas Zeit genommen haben.

  4. Keine Angst vor dem Wandel: Es wird anders. Aber vor allem, weil du es willst.

    Geld verdienen und die Möglichkeit, ein abwechslungsreiches, spannendes Leben zu führen schließen sich nicht aus. Zwar wird man schnell einsehen, dass der studentische Partymarathon von Mittwoch bis Sonntagmorgen mit einem Vollzeitjob so nicht mehr umsetzbar ist, doch mit den Umständen ändern sich meist auch die eigenen Prioritäten: Erwachsen zu werden und beruflich für sich selbst verantwortlich zu sein, macht zwangsläufig irgendwie auch vernünftiger. Da geht der Großteil von uns einfach den natürlichen Weg des Älterwerdens, auch wenn Ausnahmen die Regel bestätigen.

    An dieser Stelle sei allen angsterfüllten Absolventen in spe gesagt: Man sollte nicht befürchten, gemeinsam mit der Abschlussarbeit auch die Freude am Leben abzugeben. Menschen tendieren dazu, sich bei Entscheidungen zu sehr von ihren Ängsten leiten zu lassen. Dabei liegt es doch an uns, Chancen zu sehen und wahr zu nehmen. Das Leben ist und bleibt, was du draus machst: Jetzt steht dir die Welt offen. Bewirb dich, zeig, was du an der Hochschule gelernt hast und erweitere deinen Horizont über die Uni-Grenzen hinaus. Du wirst neue Menschen treffen, die dich inspirieren. Und natürlich auch welche, die dir zeigen, wie du nie sein willst. Du wirst Gutes in deinem Job leisten, dein erstes Gehalt verprassen, reisen und natürlich auch weiterhin feiern, leben und lachen.

    Im Studium war auch nicht immer alles ein Zuckerschlecken. Es ist nur so, wie nach dem Ende einer langen Beziehung: Die guten Erinnerungen bleiben.