Praktikum ja, aber wann? – Studenten in Zeitnot.

Praktikum ja, aber wann? – Studenten in Zeitnot.
Geschicktes Zeitmanagement: So baust du Praktika erfolgreich ins Studium ein, ohne ungewollt die Regelstudienzeit zu überschreiten und trotzdem wertvolle Erfahrung für deinen zukünftigen Beruf zu sammeln!
  1. Studenten zwischen Hörsaal, Prüfung & Praktikum.

    Praktika im Studium erfüllen eine wichtige Orientierungsfunktion und können persönliche Pluspunkte in der Bewerbung bei potenziellen Arbeitgebern bringen. So lernt man nicht nur, theoretisches Wissen durch die Hochschule in der Praxis anzuwenden, sondern auch, was es heißt, in einem bestimmten Bereich tätig zu werden. Diese unmittelbare Erfahrung hat entscheidenden Einfluss auf die persönliche Karriereplanung und sollte somit von jedem Studenten gemacht werden. Ein Praktikum zu absolvieren, kann sich jedoch als organisatorische Herausforderung gestalten.

    Die gängige Vorstellung vom faulen Studentenleben entspricht immer weniger der Realität. Natürlich geht man mittwochs noch auf Studentenpartys und schwänzt aus gegebenem Anlass die Mathe-Vorlesung am Donnerstagmorgen. Aber eben vielleicht nicht mehr ganz so unbeschwert wie früher. Der Leistungsdruck in den Köpfen der Studenten ist allgegenwärtig an deutschen Universitäten.

    Nicht nur, dass inmitten von Vorlesungen, Hausarbeiten und Prüfungsvorbereitungen das Humboldt’sche Bildungsideal einer stärkeren Berufsbezogenheit weicht. Auch die Zeit zur Selbstfindung ist aufgrund durchstrukturierter Studienordnungen begrenzt. Die Studenten hetzen von der Uni in den Nebenjob, vom Semester in die Prüfungszeit, schicken nebenbei Bewerbungen ab und im Idealfall nutzt man die Semesterferien dann als Praktikant für wertvolle Erfahrung in der gewünschten Branche. Diese Rechnung geht aber leider nicht so richtig auf, wenn man den Anspruch hat, sowohl seine Arbeit zu erledigen als auch im Studium gewissenhaft zu lernen.

  2. Die Entscheidung zwischen Prüfungsphase & Praktikum.

    Das Problem ist, in vielen Studiengängen erstreckt sich die Dauer der Prüfungsphase über einen Großteil der Semesterferien. Oft bleiben dann nur wenige Wochen bis zu Beginn des nächsten Semesters, in denen man Zeit hat, ein Praktikum zu absolvieren. Viele Unternehmen bieten jedoch nach wie vor Praktika über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten an. Schließlich sollen die Studenten während ihrer Zeit im Unternehmen auch etwas lernen und nicht gleich nach der Einarbeitungsphase wieder gehen müssen.

    Eine Situation also, in der man erfinderisch sein muss, wenn man trotz Studienstress sinnvolle Praxiserfahrung als Praktikant sammeln möchte und die Regelstudienzeit dabei möglichst nicht überschreiten will.

  3. Pflichtpraktikum auch im Ausland.

    Im Zuge des Bologna-Prozesses, aus dem das zweitstufige System der Studienabschlüsse resultiert, nämlich in Form von Bachelor- und Master-Abschluss, haben viele Studiengänge ein Praktikumssemester in die Studienordnung integriert. Das heißt, ein Praktikum im Rahmen des Studiums ist Pflicht, jedoch bekommt man dann auch genügend Zeit zugeschrieben, um dieses zu absolvieren. Auch wertvolles Wissen im Ausland als Praktikant zu sammeln ist möglich. Es sollte jedoch vorher in Rücksprache mit der Hochschule sichergestellt werden, dass dein Praktikumsplatz auch für das Studium anerkannt wird.

    Im Falle eines solchen Pflichtpraktikums müssen die Studenten in der Regel auch einen Praktikumsbericht verfassen. Darüber hinaus dient das Praktikumszeugnis vom Unternehmen als Nachweis über die Erbringung der Praktikumsleistung.

  4. Praktika für Zwischendurch.

    Alle diejenigen, die zwar ein Pflichtpraktikum absolvieren müssen, jedoch kein Praxissemester in der Studienordnung festgeschrieben haben, müssen ein wenig puzzeln. Aber auch das ist möglich und muss bei einer guten Planung gar nicht so sehr in Stress ausarten.

    Wichtig ist, dass man sich mindestens ein halbes Jahr vor Praktikumsbeginn organisatorisch darauf einstellt. Dazu zählt nicht nur die Bewerbungsphase, sondern ebenso die Abstimmung des Studien- und Prüfungsplans auf die veranschlagte Dauer des Praktikums. So kann man beispielsweise Referate zu Beginn des Semesters halten und bestimmte Veranstaltungen auf andere Semester verschieben. Und auch, wenn man aufgrund des Praktikums mal zwei Wochen der Vorlesungszeit opfern muss, nimmt es einem in der Regel keiner übel, sofern man im Vorhinein das Gespräch mit den Dozenten sucht und einen Praktikumsvertrag vorlegen kann.

    Die zeitliche Einteilung der vorgeschriebenen Praktikumsdauer, zum Beispiel auf zwei kurze Praktika oder ein zusammenhängendes Praktikum, ist dabei abhängig von den jeweiligen Vorgaben in der Studienordnung und den Präferenzen der Studenten bzw. der Praktikumsbeauftragten.

  5. Urlaubssemester nutzen.

    Möchte man ein längeres, freiwilliges Praktikum, vielleicht sogar im Ausland, absolvieren, bleibt einem immer noch die Möglichkeit, ein Urlaubssemester zu beantragen. Dieses wird nicht als Studiensemester gewertet, wodurch sich die Regelstudienzeit nur indirekt verlängert. Einige Studenten schrecken vor dieser Variante allerdings zurück, da während eines Urlaubssemesters kein BAföG-Anspruch besteht.

    Dennoch erscheint ein Urlaubssemester im Hinblick auf das Sammeln praktischer Erfahrungen gar nicht so ungeeignet. So hat man schließlich mehr Zeit, sich auf das Praktikum einzulassen und das jeweilige Berufsfeld intensiv kennen zu lernen. Natürlich sollte sicher gestellt sein, dass einem im Rahmen eines solchen Urlaubssemesters zu studentischen Praktikumszwecken keine enormen Extrakosten entstehen.

  6. Die Abschlussarbeit im Unternehmen schreiben.

    Bleibt im Studium nicht genügend Zeit für Praktika, hat man immer noch die Möglichkeit, seine Abschlussarbeit bei einem Unternehmen zu schreiben. Das verleiht dem manchmal doch etwas trockenen Prozess des wissenschaftlichen Schreibens eine angenehme Praxisnähe und du erhältst wichtige Informationen direkt aus der Beschäftigung heraus. Egal, ob Bachelor- oder Masterarbeit – viele Unternehmen suchen nach jungen Akademikern, die sie in der Forschung und Prozessoptimierung unterstützen. Somit ist eine praktische Abschlussarbeit auch häufig Sprungbrett für den Berufseinstieg nach dem Studium.

  7. Praxiserfahrung wird belohnt.

    Unabhängig davon, wie man Praxiserfahrung im Rahmen der Studienzeit sammelt, feststeht: Praktika erweitern den Horizont und haben wichtigen Einfluss auf die spätere Karrierelaufbahn. Nicht nur, dass Praxiserfahrung in vielen Unternehmen als eine Einstellungsvoraussetzung gilt, auch für die Studenten dient sie als bedeutende Orientierungshilfe.

    Deshalb solltest du auch die notwendige Zeit für Praktika im Rahmen des Studiums einplanen. Und selbst, wenn es sich dabei um ein Urlaubssemester handelt, wird dich ein Arbeitgeber wohl kaum schlecht beurteilen, wenn du dieses freiwillig für ein Praktikum genutzt hast. Denn was gibt es besseres, als junge Fachkräfte, die Prioritäten setzen und somit symbolisieren: Ich weiß, was ich will!