Achtung: Codes im Praktikumszeugnis.

Achtung: Codes im Praktikumszeugnis.
Was muss in einem Praktikumszeugnis stehen und was bedeuten die Formulierungen? Erfahre hier alles zu Inhalt und Aufbau der Bewertung nach deinem Praktikum sowie Tipps, wenn du diese selbst verfassen musst.

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  1. Erklärung zum Praktikumszeugnis.

    Das Praktikumszeugnis, auch Praktikumsbeurteilung genannt, wird dir nach Abschluss deines Praktikums vom Unternehmen ausgestellt. Sinn der Praktikumsbeurteilung ist zum einen, den Umfang und die Art und Weise deiner Tätigkeit im Praktikum nachzuweisen. Bei einem qualifizierten Praktikumszeugnis wird außerdem deine geleistete Arbeit sowie dein persönliches Verhalten beurteilt. Für dich bietet es außerdem einen Nachweis für deine zukünftigen Bewerbungen. 

    Daneben gibt es noch die Praktikumsbescheinigung, welche ausschließlich Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit beinhaltet. Dieses wird oftmals von deiner Schule oder Universität verlangt, wenn du ein Schülerpraktikum oder ein Pflichtpraktikum im Rahmen deiner Ausbildung absolvierst.

  2. So ist ein Praktikumszeugnis aufgebaut.

    So ist ein Praktikumszeugnis aufgebaut.

    Die formale Gestaltung einer Praktikumsbeurteilung ist gesetzlich festgelegt. So muss das Zeugnis, laut Paragraph § 109 der Gewerbeordnung, „klar und verständlich formuliert sein. Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten“, die versteckte Aussagen über den Arbeitnehmer treffen. Außerdem ist laut Gewerbeordnung „die Erteilung des Zeugnisses in elektronischer Form ausgeschlossen“. Ein Arbeitszeugnis sollte am besten auf Firmenpapier gedruckt sein.

    Folgende Angaben sind Bestandteil einer Praktikumsbeurteilung:

    • Überschrift

    • Datum des Ausstellungszeitpunktes

    • Name und Geburtsdatum des Praktikanten

    • Praktikumszeitraum

    • Tätigkeitsbereich: Hierbei sollten ausschließlich qualifizierte Tätigkeiten deines Praktikums aufgeführt werden und keine alltäglichen, kleineren Hilfsarbeiten wie Kaffee kochen

    • Beurteilung der Kompetenz, wie z. B. soziales Verhalten gegenüber Kollegen, Auffassungsgabe etc.

    • Bewertung der Leistungen: Diese ist vergleichbar mit einer Schulnote und somit das wichtigste Element der Praktikumsbeurteilung

    • Zum Abschluss dankt der Arbeitgeber für die geleistete Arbeit und wünscht ihm für die Zukunft alles Gute

    • Datum und Unterschrift des Praktikumsgebers

  3. Dein rechtlicher Anspruch auf ein Praktikumszeugnis.

    Jeder Praktikant hat das Recht darauf, ein Praktikumszeugnis zu erhalten. Für viele Arbeitgeber ist es selbstverständlich, dir eine Praktikumsbeurteilung auszustellen, damit du einen Nachweis für deine Unterlagen hast. Sträubt sich jedoch dein Praktikumsunternehmen, ein Arbeitszeugnis zu verfassen, so kannst du dich auf Paragraph § 109 der Gewerbeordnung berufen. Dieser besagt:

    Der Arbeitnehmer hat bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis.

    Da du auch als Praktikant in die Kategorie Arbeitnehmer fällst, hast du nach Beendigung deines Praktikums Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Dieses muss jedoch erst geschrieben werden, wenn der Arbeitnehmer es verlangt. Sollte dein Arbeitgeber dir nicht automatisch ein Zeugnis aushändigen, kannst du dieses schriftlich einfordern.

  4. Inhalt der Praktikumsbeurteilung.

    Neben der allgemeinen Bewertung deiner Leistung erfolgt auch eine Beurteilung deiner fachlichen Qualifikation sowie deiner Soft Skills und deines Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten. 

    Aufgabenbeschreibung. 

    Dein Einsatzbereich umfasst die Abteilung, in der du tätig warst, sowie dein Aufgabengebiet. Hier geht es darum, aufzuzählen, an welchen Projekten du mitgearbeitet hast und was dein Tagesgeschäft war. Dabei sollten die wichtigsten Tätigkeiten zuerst und deine Routineaufgaben zuletzt genannt werden. Ob Bulletpoints oder Fließtext spielt dabei keine Rolle, aber achte darauf, dass auch die Bulletpoints aus ausformulierten Sätzen bestehen.

    Leistungsbeurteilung.

    Die allgemeine Auflistung der Tätigkeiten allein reicht jedoch nicht aus, um einen umfassenden Einblick in die Fertig- und Fähigkeiten des Praktikanten zu geben. Aus diesem Grund sollte der Arbeitgeber ebenso deine fachlichen und persönlichen Kompetenzen erwähnen und einschätzen. Dazu gehören folgende Eigenschaften:

    • (praktisches) Fachwissen
    • Arbeitsweise und -effizienz
    • Auffassungsgabe
    • Sozialverhalten und Teamfähigkeit
    • Zuverlässigkeit
    • Belastbarkeit
    • Selbstständigkeit
    • Flexibilität
    • Engagement

    Insbesondere sollten fachspezifische Fähigkeiten in deiner Beurteilung aufgeführt werden. Im Vertrieb wäre das zum Beispiel der Umgang mit Kunden, im Bereich Informatik eher die Kenntnis verschiedener Programmiersprachen und Programme.

    Schlussformel.

    Am Schluss bedankt sich das Unternehmen für deine geleistete Arbeit und wünscht dir viel Erfolg für deine berufliche Zukunft sowie deinen persönlichen Lebensweg. Fehlt der Dank, heißt das, dass du in der Firma nicht vermisst wirst.

    In einem Arbeitszeugnis außerhalb des Praktikumskontextes kommt auch noch die Beendigungsformel vor, in der Hinweise sein können, ob der Mitarbeiter entlassen, auf eigenen Wunsch oder durch einen Aufhebungsvertrag aus dem Unternehmen ausgeschieden ist. Beim Praktikumszeugnis entfällt das meistens, weil Anfangs- und Enddatum bereits im Vorfeld feststanden.

    Wirst du übernommen, sollte auch das in deinem Zeugnis erwähnt werden, da sich das für eine spätere Bewerbung gut macht.

  5. Die Sprache im Praktikumszeugnis verstehen.

    Üblicherweise sind Arbeitszeugnisse in einer Art Geheimsprache verfasst. Das heißt, sie enthalten mehr Informationen, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Diese spezielle Zeugnissprache dient dazu, eindeutig negative Aussagen zu vermeiden und gleichzeitig aussagekräftige Bewertungen vorzunehmen.

    Die allgemeine Einschätzung deiner Leistungen erfolgt zumeist nach dieser gängigen Skala. 

    FORMEL BEWERTUNG
    stets zu unserer vollsten Zufriedenheit sehr gut (Note 1)
    stets zu unserer vollen Zufriedenheit gut (Note 2)
    zu unserer vollen Zufriedenheit befriedigend (Note 3)
    stets zu unserer Zufriedenheit ausreichend (Note 4)
    zu unserer Zufriedenheit mangelhaft (Note 5)
    im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit ungenügend (Note 6)

    Eine gute Beurteilung des Praktikums erkennt man zudem daran, dass keine passivischen Formulierungen, wie zum Beispiel „wurde betraut“ verwendet werden. Aktive Formulierungen wie „er realisierte“ oder „sie übernahm“ sind positiver behaftet. Damit werden deine Eigenständigkeit und dein Engagement unterstrichen.

  6. Das sind versteckte Formulierungen im Praktikumszeugnis.

    Das Arbeitszeugnis muss immer wohlwollend, also positiv formuliert sein, damit dein ehemaliger Arbeitgeber dir keine Steine in den Weg legen kann. Das ist vielleicht im Rahmen eines Praktikums noch nicht so relevant, könnte aber im späteren Berufsleben wichtig werden – wenn der Ex-Chef zum Beispiel verhindern will, dass du bei einem Konkurrenzunternehmen anfängst und Infos mitnimmst.

    Prüfe also dein Praktikantenzeugnis ganz genau, nicht nur was deine Bewertung angeht, sondern auch, ob alle Daten stimmen. Hat sich nämlich dort ein Fehler beispielsweise bei deinem Geburtsdatum eingeschlichen, solltest du nochmal um Korrektur bitten.

    Darüber hinaus haben private Informationen nichts in deiner Bewertung zu suchen. Das kann eine Parteizugehörigkeit, Religion, Gesundheitszustand oder ähnliches meinen. Auch die Mitgliedschaft in einem Betriebsrat oder einer Gewerkschaft darf hier keine Erwähnung finden. Wettbewerbsverbote wie auch die Teilnahme an Streiks sind ebenfalls tabu. Zuletzt ist das Aufführen von Straftaten, die nichts mit der eigenen Stelle zu tun haben, nicht gestattet.

    Um solche Informationen doch zu platzieren, nutzen manche Personaler geheime Codes.

    DAS STEHT IM ARBEITSZEUGNIS DAS IST WIRKLICH GEMEINT
    „Herr X neigte zur Geselligkeit und trug somit zu einer Verbesserung des Betriebsklimas bei.“  Herr X zeigt Tendenzen eines Alkoholikers. 
    „Für die Belange der Belegschaft bewies Herr X immer Einfühlungsvermögen.“  Herr X suchte sexuellen Kontakt mit Kollegen. 
     „Auch außerhalb seines Fachgebietes war Herr X ein gesuchter Gesprächspartner.“   Herr X führte während seiner Arbeitszeit lange Privatgespräche. 
     „Herr X war ein anspruchsvoller und kritischer Mitarbeiter.“   Herr X ist ein egozentrischer Nörgler. 
     „Mit seiner Pünktlichkeit war Herr X ein gutes Beispiel.“   Mit seiner Arbeitsleistung war Herr X kein gutes Beispiel. 
    „Herr X arbeitete sehr genau und erledigte seine Aufgaben immer ordnungsgemäß.“  Herr X zeigte keine Eigeninitiative. 
    „Herr X löste alle Aufgaben in seinem und im Firmeninteresse.“  Herr X hat Firmeneigentum gestohlen. 
    „Wir trennen uns einvernehmlich / Herr X scheidet in beiderseitigem Einvernehmen aus unserem Unternehmen aus.“  Herr X wurde gekündigt. Nur durch den Zusatz „im besten beiderseitigem Einvernehmen“ ist der Aufhebungsvertrag gemeint. 
     „Wir wünschen ihm alles Gute und Erfolg.“   Steht dort nicht weiterhin viel Erfolg, meint das Unternehmen, dass Herr X bei ihnen keinen Erfolg hatte. 
  7. 7 Tipps, wie du dein Praktikumszeugnis selbst schreibst.

    Einige Arbeitgeber lassen sich Stichpunkte zu den jeweiligen Aufgaben im Praktikum zukommen. 

    Eher selten formulieren Praktikanten ihr Abschlusszeugnis vollständig selbst. Sollte das dennoch einmal verlangt werden, kannst du mit dieser Checkliste deine eigene Bewertung selbstständig erstellen:

    1. Scheue dich nicht davor, dich selbst möglichst positiv zu bewerten. In diesem Fall stinkt Eigenlob nicht! Schließlich wirbst du mit deinem Praktikantenzeugnis für deine Leistung und Fähigkeiten.

    2. Schreibe dir im Vorfeld Stichpunkte auf, was du in deinem Praktikum gemacht hast und welche Aufgaben du hattest.

    3. Überlege dir, welche persönlichen Eigenschaften du für dich wichtig findest, damit du diese auch wirklich erwähnst. 

    4. Frage deine Vorgesetzten nach (anonymisierten) Beurteilungen von ehemaligen Praktikanten, damit du zum Beispiel die Beschreibung des Unternehmens übernehmen kannst. 

    5. Halte dich bei der Bewertung deiner Aufgabe an die oben genannten Formulierungsrichtlinien. Damit klingt das Zeugnis zwar sehr hochgestochen, entspricht aber schlicht den Noten.  

    6. Bleibe authentisch. Ein reines Einser-Zeugnis wird dir niemand abnehmen bzw. auch dein Arbeitgeber eher nicht unterschreiben. Überlege, bei welchen Aufgaben/Eigenschaften du dich noch verbessern kannst.

    7. Lass deine selbstverfasste Beurteilung noch einmal von jemandem Korrektur lesen. Damit vermeidest du nicht nur Rechtschreibfehler, sondern erhältst auch eine ehrliche Einschätzung.

  8. Das kannst du tun, wenn du mit deinem Praktikumszeugnis unzufrieden bist.

    Generell gilt: Das Praktikumszeugnis dient als Nachweis der eigenen Kompetenzen, Erfahrung und Leistungen und unterstützt bei einer weiteren Bewerbung. Vielleicht hört sich dein Zeugnis zuerst sehr gut an. Nachdem du nun aber die Formulierungen kennst, merkst du, dass du teilweise schlecht bewertet wurdest. Gerade bei deinem ersten oder einem längeren Praktikum solltest du unbedingt nachhaken, wenn du mit der Einschätzung durch deinen Vorgesetzten nicht zufrieden bist.

    Zunächst solltest du das Gespräch suchen mit demjenigen, der dein Zeugnis unterschrieben und dich damit bewertet hat. Hast du das Gefühl, du stößt auf taube Ohren, kannst du als nächstes auf die Personalabteilung zugehen. Wichtig ist, dass du dir im Vorfeld gezielt die Stellen raussuchst, die du geändert haben möchtest. Überlege dir auch Argumente, die deine guten Leistungen begründen. Sollte dein Betrieb keine Korrektur vornehmen wollen, bleibt dir noch der Rechtsweg: Hier kannst du dann das Arbeitsgericht einschalten.