Das Praktikumszeugnis - Was sollte drin stehen?

Das Praktikumszeugnis - Was sollte drin stehen?
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Das Praktikum geht dem Ende entgegen, der Abschiedskuchen für die Kollegen auf Zeit ist gebacken und alle Aufgaben wurden abgeschlossen bzw. übergeben. Was jetzt noch fehlt, ist das Praktikumszeugnis, auch Arbeitszeugnis genannt. Dieses wird durch den Arbeitgeber nach Beendigung des Praktikums ausgestellt und beurteilt die von dir als Praktikant geleistete Arbeit. PRAKTIKUM.INFO verrät dir, was alles im Praktikumszeugnis stehen sollte und wie bestimmte Formulierungen zu interpretieren sind.

Inhalt

  1. Recht auf Praktikumszeugnis
  2. Praktikumszeugnis: Formale Bestandteile
  3. Eigenlob stinkt nicht: Zeugnis selber schreiben
  4. Praktikumszeugnis: wichtiger Kompetenznachweis

Recht auf Praktikumszeugnis

Jeder Praktikant hat das Recht darauf, ein Praktikumszeugnis zu erhalten. Für viele Arbeitgeber ist es selbstverständlich, dir ein solches Dokument auszustellen, damit du einen Nachweis für deine Unterlagen hast. Sträubt sich jedoch dein Praktikumsunternehmen, ein Arbeitszeugnis zu verfassen, so kannst du dich auf Paragraph § 109 der Gewerbeordnung berufen:

Der Arbeitnehmer hat bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis.

Da du auch als Praktikant in die Kategorie Arbeitnehmer fällst, hast du also auch nach Beendigung deines Praktikums Anspruch auf ein Zeugnis. Dieses muss jedoch erst geschrieben werden, wenn der Arbeitnehmer es verlangt. Unterschieden wird dabei zwischen einem einfachen und einem qualifizierten Zeugnis:   

Das Zeugnis muss mindestens Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit (einfaches Zeugnis) enthalten. Der Arbeitnehmer kann verlangen, dass sich die Angaben darüber hinaus auf Leistung und Verhalten im Arbeitsverhältnis (qualifiziertes Zeugnis) erstrecken.

Ein solches ausführliches Zeugnis steht jedem Praktikanten zu, wenn er es einfordert.

Praktikumszeugnis: Formale Bestandteile

Ebenso gesetzlich festgelegt ist die formale Gestaltung des Praktikumszeugnisses. So muss das Zeugnis, laut Paragraph § 109 der Gewerbeordnung, „klar und verständlich formuliert sein. Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten“, die versteckte Aussagen über den Arbeitnehmer treffen.

Außerdem ist laut Gewerbeordnung „die Erteilung des Zeugnisses in elektronischer Form ausgeschlossen“. Dein Praktikumszeugnis sollte am besten auf Firmenpapier gedruckt sein und der Vollständigkeit halber folgende Elemente enthalten:

  • die Überschrift „Praktikumszeugnis“ bzw. „Arbeitszeugnis“
  • Datum des Ausstellungszeitpunktes
  • Name und Geburtsdatum des Praktikanten
  • die Angabe der Praktikumsdauer
  • die Einsatzbereiche des Praktikanten
  • Bewertung der Kompetenzen des Praktikanten
  • die Beurteilung der Leistungen des Praktikanten
  • Abschlussformel, in der der Arbeitgeber dem Praktikanten für die geleistete Arbeit dankt und ihm für die Zukunft alles Gute wünscht
  • und schließlich die Unterschrift des Praktikumsgebers

Aufgabenbeschreibung: Die Einsatzbereiche des Praktikanten

Dein Einsatzbereich umfasst die Abteilung, in der du tätig warst, sowie dein Aufgabengebiet. Hier geht es darum, aufzuzählen, an welchen Projekten du mitgearbeitet hast und was dein Tagesgeschäft war. Dabei sollten die wichtigsten Tätigkeiten zuerst und deine Routineaufgaben zuletzt genannt werden.

Ob Bulletpoints oder Fließtext spielt dabei keine Rolle, aber achte darauf, dass auch die Bulletpoints aus ausformulierten Sätzen bestehen.

Leistungsbeurteilung: Kompetenzen ausführlich darlegen

Die allgemeine Auflistung der Tätigkeiten allein reicht jedoch nicht aus, um einen umfassenden Einblick in die Fertig- und Fähigkeiten des Praktikanten zu geben. Aus diesem Grund sollte der Arbeitgeber ebenso deine fachlichen und persönlichen Kompetenzen im Praktikumszeugnis erwähnen und einschätzen.

Dazu gehören folgende Eigenschaften:

  • das (praktische) Fachwissen
  • die Arbeitsweise und -effizienz
  • die Auffassungsgabe des Praktikanten
  • Sozialverhalten und Teamfähigkeit
  • Zuverlässigkeit
  • Belastbarkeit
  • Selbstständigkeit
  • Flexibilität
  • Engagement

Insbesondere sollten fachspezifische Fähigkeiten im Praktikumszeugnis aufgeführt werden. Im Vertrieb wäre das zum Beispiel der Umgang mit Kunden, im Bereich Informatik eher die Kenntnis verschiedener Programmiersprachen und Programme.

Die Zeugnissprache: Der Ton macht die Note 

Üblicherweise sind Arbeitszeugnisse in einer Art Geheimsprache verfasst. Das heißt, sie enthalten mehr Informationen, als auf den ersten Blick ersichtlich. Diese spezielle Zeugnissprache dient dazu, eindeutig negative Aussagen zu vermeiden und gleichzeitig aussagekräftige Bewertungen vorzunehmen.

Ein Beispiel hierfür ist die allgemeine Beurteilung deiner Leistungen, die zumeist nach dieser gängigen Skala erfolgt:

Codeformel Note
stets zu unserer vollsten Zufriedenheit sehr gut
stets zu unserer vollen Zufriedenheit gut
zu unserer vollen Zufriedenheit befriedigend
stets zu unserer Zufriedenheit durchschnittlich
zu unserer Zufriedenheit unterdurchschnittlich
im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit sehr schlecht

Wesentlich ist, dass möglichst keine passivischen Formulierungen, wie beispielsweise „wurde betraut“ im Praktikumszeugnis vorkommen. Der Praktikant sollte aktiv und selbstständig erscheinen. Folglich sind Formeln, wie „er/sie übernahm“, deutlich geeigneter für ein Praktikumszeugnis als Passivsätze.

Schlussformel: Die letzte Fehlerquelle

Gerade am Schluss lauern noch einmal letzte Tücken, denn mithilfe der Dankesformel und Zukunftswünsche wird dein Praktikumszeugnis noch einmal richtig aufgewertet. Hier bedankt sich dein Arbeitgeber für deine geleistete Arbeit und wünscht dir viel Erfolg für deine berufliche Weiterentwicklung sowie deinen persönlichen Lebensweg. Fehlt der Dank, heißt das, dass du in der Firma nicht vermisst wirst.

In einem Arbeitszeugnis außerhalb des Praktikumskontextes kommt auch noch die Beendigungsformel vor, in der Hinweise versteckt werden können, ob der Mitarbeiter entlassen, auf eigenen Wunsch oder durch einen Aufhebungsvertrag aus dem Unternehmen ausgeschieden ist. Beim Praktikumszeugnis entfällt das meistens, weil Anfangs- und Enddatum bereits im Vorfeld feststanden.

Wirst du übernommen, sollte aber auch das in deinem Praktikumszeugnis erwähnt werden, da sich das für künftige Bewerbungen gut macht.

Eigenlob stinkt nicht: Zeugnis selber schreiben

Einige Arbeitgeber nehmen für die Erstellung des Praktikumszeugnisses die Zuarbeit der Praktikanten in Anspruch. So lassen sie sich beispielsweise Stichpunkte zu den jeweiligen Aufgaben des Praktikanten zukommen, die dann ins Arbeitszeugnis übertragen werden.

Eher selten formulieren Praktikanten ihr Praktikumszeugnis vollständig selbst. Sollte das dennoch einmal verlangt werden, scheue dich nicht davor, dich selbst möglichst positiv einzuschätzen. In diesem Fall stinkt Eigenlob nicht. Schließlich wirbst du mit dem Praktikumszeugnis für dich und deine Fähigkeiten. Orientiere dich außerdem an den oben genannten Formulierungsrichtlinien.

Praktikumszeugnis: wichtiger Kompetenznachweis

Generell gilt: Das Praktikumszeugnis dient als Nachweis der eigenen Kompetenzen. Aus diesem Grund solltest du unbedingt nachhaken, wenn du mit der Einschätzung durch das Praktikumsunternehmen nicht zufrieden bist. Eine unzureichende bzw. nachlässige Bewertung durch den Arbeitgeber kann sich schließlich negativ auf die eigene berufliche Laufbahn auswirken.

 

Über den Autor

Luise Köhler
Luise Köhler

Luise ist ehem. Redakteurin von PRAKTIKUM.INFO und hat sich zu allen Fragen, die Praktikanten vor, während und nach ihrem Praktikum beschäftigen, schlau gemacht.

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