Praktika vor, während und nach dem Studium.

Praktika vor, während und nach dem Studium.
Praxiserfahrungen sind das A und O – eine rein theoretische Ausbildung beeindruckt die wenigsten Personaler. Dazu macht es Spaß, endlich praktisch loszulegen, egal ob nach dem Abi, im Studium oder nach dem Studium. Hier erfährst du alles über Praktika zu verschiedenen Zeitpunkten, worauf du achten solltest und was es für Alternativen gibt, die dich beruflich, finanziell und persönlich weiterbringen.
  1. Praktikum vor dem Studium.

    Nach der Prüfungszeit hast du dir auf jeden Fall eine Auszeit verdient. Dazu gehört, den erfolgreichen Schulabschluss mit Freunden ausgiebig zu feiern, das Frühstück auf die Mittagszeit zu verlegen und ausgedehnte Ruhepausen einzuplanen. Doch je nachdem, wie viel Zeit zwischen deinem Schulabschluss und dem Beginn des Studiums liegt, kann sich früher oder später Langeweile einschleichen: Was tun also mit all der Zeit?

    Wer schon vor dem Studium den Grundstein für seine berufliche Karriere legen will, kann die Zeit nach der Schule auch für ein Praktikum nutzen. Gerade im Hinblick auf die überwiegend theoretische Ausbildung während des Studiums sind praktische Erfahrungen hilfreich. Auch im Lebenslauf macht sich ein frühzeitiges Praktikum gut. Bei kostenlosen Karrieremessen wie der Stuzubi kannst du auch gleich erste persönliche Kontakte knüpfen und bekommst einen guten Überblick über die Praktikamöglichkeiten bei internationalen Konzernen genau wie regionalen Unternehmen.

    Insbesondere in den Ingenieurswissenschaften werden bereits zu Beginn sechs- bis achtwöchige Berufspraktika gefordert. Damit soll gewährleistet werden, dass Studienanfänger bereits ihren jeweiligen Fachbereich in der Praxis kennengelernt haben. Welche Praktika im Zuge der Einschreibung an der Hochschule angerechnet werden können, ist in der jeweiligen Studienordnung festgeschrieben. Wichtig ist dabei, dass der Studienanfänger in dem Praktikum die geforderten Aufgabenbereiche der Studienordnung kennengelernt hat. Erst dann wird es als sogenanntes Vorpraktikum anerkannt.

  2. Praktikum während des Studiums.

    In den meisten Fächern ist es unbedingt empfohlen, während des Studiums bereits praktische Erfahrungen zu sammeln. Das hilft zum einen dir, dich auf dein späteres Aufgabenfeld vorzubereiten, zum anderen knüpfst du so schon Kontakte, die später ein Türöffner sein können. Hier findest du einen Überblick über die verschiedenen Arten von Praktika:

    1. Das Pflichtpraktikum: In vielen Studiengängen ist ein Praktikum in Form eines Praxissemesters eingeplant. Das Pflichtpraktikum wird dabei zumeist im Hauptstudium absolviert. In den Vorgaben der Prüfungsordnung ist festgeschrieben, in welchem Bereich das Praktikum absolviert werden soll und wie lange es dauert – bis zu sechs Monate. Informiere dich vorher, ob du im Anschluss an das Praktikum einen Praktikumsbericht für die Hochschule verfassen musst. Häufig erhalten Studenten im Bachelorstudiengängen für ihr Praktikum im Studium Credits, die zum Abschluss zählen. Um hier durchzublicken, gibt’s Hilfe, Beratung sowie Kontaktadressen von potenziellen Arbeitgebern von der Hochschule.

    2. Das Auslandspraktikum: Mit einem Praktikum im Ausland kann man den Erwerb von Praxiserfahrung mit der Auffrischung oder Erweiterung der Sprachkenntnisse kombinieren. Darüber hinaus lernt man, sich selbstständig in anderen Kulturen zurechtzufinden, und erwirbt im Zuge dessen Soft Skills wie Flexibilität und interkulturelle Kompetenz. Somit ist das Praktikum im Ausland bei Unternehmen eine beliebte Zusatzqualifikation im Lebenslauf – bei internationalen Unternehmen oft sogar Einstellungsvorrausetzung.

    3. Das freiwillige Praktikum: Auch wenn in der eigenen Studienordnung kein Praktikum vorgeschrieben ist, empfiehlt es sich wie bereits erwähnt, ein Praktikum im Studium zu absolvieren. Die Dauer freiwilliger Praktika ist häufig etwas kürzer, da sie zumeist in den Semesterferien abgelegt werden müssen. Oft dauert es auch wegen des Mindestlohns nur maximal drei Monate. Eine andere Möglichkeit ist es, ein Urlaubssemester einzulegen und dieses für ein längeres Praktikum zu nutzen.

  3. Praktikum nach dem Studium.

    Eine gute Nachricht für Akademiker: Die Arbeitslosenquote liegt je nach Branche im niedrigen einstelligen Bereich. Nach fünf Jahren haben über 95 Prozent aller Hochschulabsolventen einen festen Job. Die Dauer zwischen Studienende und Berufseinstieg hängt dabei stark vom Studiengang ab: 

    • Informatiker und Ingenieure finden am schnellsten ins Berufsleben, da sie auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt sind. Nur 3 von 100 Fällen absolvieren laut dem HIS nach dem Studium ein Praktikum.

    • Anders sieht es bei Sozial- und Politikwissenschaftlern aus. Hier sind es stolze 28 Prozent, die nach dem Abschluss den Berufseinstieg über ein Praktikum beginnen.

    • Im Kultur- und Medienbereich steht vor der Festanstellung häufig ein Job als freier Mitarbeiter oder Volontär. Eine unbefristete Vollzeitstelle bildet in diesen Berufsfeldern direkt nach dem Studium eine Ausnahme. Vielen Absolventen bleibt daher nichts Anderes übrig, als ein Praktikum zu machen, um so ihre Karriere zu starten. Dafür ist es aber wichtig, dass das Praktikum nicht aus eintönigen Routinearbeiten besteht und somit für die berufliche Entwicklung ohne Nutzen bleibt.

    Seit einigen Jahren hält sich das Gerücht, dass Unternehmen verstärkt Hochschulabsolventen suchen, die bestens ausgebildet sind, aber diese für wenige Euro als Praktikanten getarnten befristeten Vollzeit-Jobs anstellen. Doch wie viel Legende und Wahrheit steckt hinter diesen subjektiven Erfahrungen?

    Studentenforscher Kolja Briedis beruhigt:

    Es ist die absolute Ausnahme, dass ein Absolvent mehr als ein Praktikum nach dem Studium macht. Grundsätzlich raten Experten von Praktika nach dem Studium ab. Machst du mehrere Praktika nach dem Studium, kann das deiner Vita sogar schaden. So signalisierst du nämlich potenziellen Arbeitgebern, dass dir die Richtung fehlt oder du dich noch nicht festlegen möchtest.

    Ein Praktikum nach dem Studium macht dennoch Sinn, wenn:

    • ein Absolvent sich einem Arbeitsfeld widmen möchte, für das sein Studium nicht ausgelegt ist,

    • du Zeit zwischen Bachelor und Master überbrücken willst oder

    • das Praktikum darauf ausgelegt ist, dass es eine Art Probezeit ist und du danach relativ sicher übernommen wirst, was bei kleineren Unternehmen öfter der Fall ist.

  4. Sinnvolle Alternativen zu Praktika.

    Ob für den Lebenslauf oder für das Leben an sich: Ein Praktikum ist nicht das Einzige, was du Sinnvolles mit deiner freien Zeit anfangen kannst. Was das sein soll, hängt sehr von deiner individuellen Situation, deiner Motivation und deiner Kreativität ab. Und nicht zu vergessen – von deinem Geldbeutel.

    Den Horizont erweitern.

    Nach der Schule genauso wie in den langen Semesterferien oder nach dem Abschluss eines Studiums zieht es viele ins Ausland. Möchte man internationale Erfahrungen sammeln, ist das eine sehr gute Idee – denn in der Regel hat man später im Berufsleben nicht mehr die Freiheit, einfach mal für drei Monate oder länger die Welt unsicher zu machen. Hierfür bieten sich verschiedene Möglichkeiten an:

    • Backpacken: Hast du das nötige Kleingeld, um ein paar Monate freizumachen, schnapp dir einfach deinen Rucksack und los geht’s – bei der freisten Art zu reisen erwarten dich unvergessliche Erlebnisse, die du entweder mit Freunden zusammen erleben oder – für Mutige – alleine auf dich nimmst und mit vielen neuen Freunden zurückkommst. Im Lebenslauf macht sich das tatsächlich gut, weil du Mut, Offenheit und Organisations- bzw. Innovationstalent signalisierst.

    • Au Pair: Hier wohnst du bei einer Familie, kümmerst dich um die Kinder und eventuell auch um den Haushalt. Dafür kannst du kostenlos wohnen und bekommst ein kleines Taschengeld. Dadurch bist du zwar ortsgebunden, aber stehst finanziell gut da und kannst richtig tief in eine Kultur eintauchen.

    • Work and Travel: Eine Mischung aus Backpacken und Arbeiten bietet sich an, wenn du unterwegs noch ein bisschen was verdienen willst und dir vorstellen kannst, auch die Arbeitskultur eines Landes aus erster Hand zu erleben. Doch Vorsicht: Buchst du das Ganze bei Agenturen, zahlst du erstmal ordentlich.

    Eine Bereicherung erwartet dich in jedem Fall – nichts ist so spannend wie die Menschen, Kulturen und die Natur in anderen Ländern kennenzulernen. Und im Lebenslauf sieht es auch gut aus: Sehr viele Unternehmen setzen Auslandserfahrungen sowie sehr gute Sprachkenntnisse mindestens in Englisch voraus.

    Sich ehrenamtlich engagieren.

    Du musst dich nicht gegen ein Praktikum entscheiden, wenn du dich ehrenamtlich engagieren willst – vielmehr läuft so ein Engagement langfristig und du musst lediglich schauen, dass du es schaffst, nebenbei zu lernen und gegebenenfalls zu jobben. Wichtig ist hier, dass du sehr motiviert an die Sache rangehst, denn bezahlt wirst du nicht. Dafür erwartet dich das Gefühl, etwas Gutes zu tun, sowie ein Plus im Lebenslauf: Personaler sehen es gerne, wenn man etwas aus intrinsischer Motivation tut. Hier eine Auswahl, wo du dich engagieren kannst:

    • Gremien: Beliebt sind die Fachschaften der einzelnen Fakultäten, die zum Beispiel Fakultätspartys organisieren oder die Erstsemestereinführung übernehmen. Du kannst dich aber auch im Allgemeinen Studienausschuss AStA engagieren, der das geschäftsführende Organ der Studentenschaft ist.

    • Studenteninitiativen: Hier hast du zahlreiche Möglichkeiten von der Unizeitung über das Tandemprogramm für Fremdsprachenkenntnisse bis hin zum Patenprogramm zur Unterstützung von Erasmus-Studenten während ihres Auslandssemesters.

    • Soziales Ehrenamt: Das kann in der Altenpflege genauso stattfinden wie in der Obdachlosenküche, beim Roten Kreuz oder in der Schülerhilfe für Geflüchtete.

    Nebenjob und Werkstudententätigkeiten.

    Gerade wenn du als Student auf eigenen Beinen stehen willst – Miete, Essen und Studentenpartys wollen schließlich finanziert werden –, bietet sich ein Nebenjob an. Diesem kannst du entweder komprimiert nach der Schule oder in den Semesterferien nachgehen, indem du beispielsweise drei Monate am Band arbeitest oder parallel zum Studium, zum Beispiel zweimal die Woche, in deiner Lieblingskneipe kellnerst. Besonders machen Werkstudententätigkeiten Sinn, da du dadurch schon in einem passenden Feld Praxiserfahrung sammeln kannst und Kontakte in Unternehmen knüpfst. Auch direkt am Lehrstuhl bieten sich Möglichkeiten für eine Anstellung als studentischer Mitarbeiter.

    Weiterbildende Kurse.

    Möchtest du noch eine Sprache lernen, weil du im Studium ins Ausland willst oder dir die regulären Kurse an der Uni zu theoretisch sind? Oder willst du deine Programmier-Kenntnisse erweitern? All das sind Weiterbildungen, die du vor, während oder nach dem Studium machen kannst. Volkshochschulen oder andere Weiterbildungseinrichtungen bieten gerade in den Ferien vielfältige Kurse an, zum Beispiel: 

    • Sprachkurse

    • IT-Weiterbildungen

    • Office-Anwendungen

    • Erste-Hilfe-Fortbildungen

    • Bewerbungstrainings

    Diese Weiterbildungen kannst du dir durch ein Zertifikat bestätigen lassen. Dieses kannst du auch in späteren Bewerbungen anbringen – denn damit signalisierst du deinem möglichen künftigen Arbeitgeber, dass du interessiert bist und Neues lernen willst.