Praktikum nach dem Studium: In Ausnahmefällen sinnvoll

Praktikum nach dem Studium: In Ausnahmefällen sinnvoll
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Praktikum nach dem Studium: Sinnvolle Praxiserfahrung oder Fehler?

Praktikum, Aushilfsjob oder Lücke im Lebenslauf? Nicht allen Absolventen gelingt nach dem Studium der reibungslose Berufseinstieg. Wechselst du nicht sofort in ein festes Anstellungsverhältnis, stehst du vor der Frage: wie geht es nun weiter? Eine Option ist dabei das Praktikum nach dem Studium. PRAKTIKUM.INFO verrät, wann es Sinn macht und welche Alternativen es gibt.

Inhalt

  1. Fächerübergreifend: Fast alle Absolventen finden einen Job
  2. Neuorientierung: Praktikum nach dem Studium
  3. Generation Praktikum: Existiert sie noch?
  4. Gehalt: Mindestlohn im Praktikum nach dem Studium
  5. Expertenmeinung: Praktikum nach dem Studium als Ausnahme
  6. Fazit: Pro und Contra in der Übersicht

Fächerübergreifend: Fast alle Absolventen finden einen Job

Eine gute Nachricht für Akademiker: Eure Arbeitslosenquoten liegen je nach Branche im niedrigen einstelligen Bereich. Nach fünf Jahren haben über 95 Prozent aller Hochschulabsolventen einen festen Job. Die Dauer zwischen Studienende und Berufseinstieg hängt dabei stark vom Studiengang ab: Informatiker und Ingenieure finden am schnellsten ins Berufsleben, da sie auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt sind. Nur 3 von 100 Fälle absolvieren laut dem HIS nach dem Studium ein Praktikum. Anders sieht es bei Sozial- und Politikwissenschaftlern aus: Hier sind es stolze 28 Prozent. Im Kultur- und Medienbereich steht vor der Festanstellung häufig ein Job als freier Mitarbeiter oder Volontär. Eine unbefristete Vollzeitstelle bildet in diesen Berufsfeldern direkt nach dem Studium eine Ausnahme. Vielen Absolventen bleibt daher nichts Anderes übrig, als ein Praktikum zu machen, um so ihre Karriere zu starten. Aber auch hier gilt, dass man diese Praktika möglichst innerhalb des Studiums absolvieren sollte.

Dennoch ist ein Direkteinstieg keine Seltenheit: Immerhin 84 Prozent der Unternehmen bieten Hochschulabsolventen einen Direkteinstieg an. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen hat auch Trainee-Programme im Angebot:

Welche Einstiegsformen bietet Ihr Unternehmen für Hochschulabsolventen?

Einstiegspositionen Absolventan

Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/408725/umfrage/einstiegsformen-fuer-hochschulabsolventen-in-deutschen-unternehmen/

Neuorientierung: Praktikum nach dem Studium

Wenn du nach deinem Studium merkst, dass du gern in einer anderen Branche arbeiten willst, als es deine Fachkenntnisse zulassen, hilft dir ein Praktikum beim Bestreiten des neuen Karriereweges. Derartige Praktika lassen sich in einer Bewerbung auch gut begründen. Dafür ist es aber wichtig, dass das Praktikum nicht aus eintönigen Routinearbeiten besteht und somit für die berufliche Entwicklung ohne Nutzen bleibt.

Aber Vorsicht: Machst du mehrere Praktika nach dem Studium, kann das deiner Vita sogar schaden. So signalisierst du nämlich potenziellen Arbeitgebern, dass dir die Richtung fehlt oder du dich noch nicht festlegen möchtest.

Generation Praktikum: Existiert sie noch?

Seit einigen Jahren hält sich das Gerücht, dass Unternehmen verstärkt Hochschulabsolventen suchen, die bestens ausgebildet sind, aber diese für wenige Euro als Praktikanten getarnten befristeten Vollzeit-Jobs anstellen. Jeder Student kann Geschichten über das Thema Praktikum erzählen. Es sind entweder persönliche Erfahrungen von Studierenden und Absolventen oder Erzählungen von Freunden und Bekannten. Doch, wie viel Legende und Wahrheit steckt hinter diesen subjektiven Erfahrungen?

Studentenforscher Kolja Briedis beruhigt: Es sei die absolute Ausnahme, dass ein Absolvent mehr als ein Praktikum nach dem Studium macht. Die Studie der Jugend des Deutschen-Gewerkschafts-Bundes (DGB) mit dem Titel „Generation Praktikum 2011“ warnt hingegen, dass 38 Prozent aller Absolventen direkt nach dem Studium ein Praktikum absolvierten oder eine praktikumsähnliche Anstellung bekleideten. Die DGB-Jugend zählt jedoch Trainee-Stellen und Volontariate dazu. Diese unterscheiden sich signifikant von einem Praktikum. Trainees und Volontäre arbeiten in verschiedenen Abteilungen oder Ressorts und erhalten eine Ausbildung, nach der sich ihre Jobaussichten steigern. Zudem werden Trainees und Volontäre in der Regel deutlich besser bezahlt als Praktikanten und sind sozialversicherungspflichtig angestellt.

Gehalt: Mindestlohn im Praktikum nach dem Studium

Ob Absolvent oder nicht, dein Gehalt bzw. dein Anspruch auf Mindestlohn richtet sich nicht nach deinem Abschluss, sondern danach, wie lange dein Praktikum dauert und ob du es freiwillig oder im Rahmen deines Studiums machst. Genaue Infos zum Thema Mindestlohn findest du hier:

>> Mindestlohn im Praxis-Check: Praktikanten zwischen Himmel & Hölle

Expertenmeinung: Praktikum nach dem Studium als Ausnahme

Grundsätzlich raten Experten wie Kolja Briedis vom Hochschul-Informations-System (HIS) von Praktika nach dem Studium ab. Der Grund: Ein Studium ist berufsqualifizierend. Praktika gehören ins Studium, weil man so frühzeitig erste Einblicke in die Arbeitswelt erlangt und berufliche Kontakte knüpfe kann. Zudem erfüllt es eine Orientierungsfunktion. Schließlich erfährt man oft erst in der Praxis, welche Tätigkeitsbereiche einem liegen, und welche Bereiche einem überhaupt nicht zusagen.

Ein Praktikum nach dem Studium sollte daher eine Ausnahme sein. Das gilt zum Beispiel dann, wenn sich der Absolvent einem Arbeitsfeld widmen möchte, für das sein Studium nicht ausgelegt ist. Hier kann ein Praktikum der erste Schritt zum Quereinstieg sein. Gerade in Startups oder kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) fungiert ein Praktikum als eine Art Probezeit: Erweist sich der Praktikant als qualifiziert, hat er die Chance auf eine Festanstellung. Eine anschließende Übernahme wird dann vorab vereinbart und im Praktikumsvertrag festgehalten. Eine weitere Ausnahme bildet das Überbrückungs-Praktikum: Wenn du beispielsweise einen Master-Studienplatz sicher hast, kannst du die Zeit nach dem Bachelor-Studium nutzen, um praktische Erfahrung zu sammeln.

Fazit: Pro und Contra in der Übersicht

Pro Contra
Es kann als Türöffner dienen und zur Festanstellung führen. Das Studium gilt bereits als berufsqualifizierend, ein Praktikum sollte darin integriert, nicht aber im Anschluss nötig sein.
Zur Neuorientierung nach dem Studium ist es wichtig, um Praxiserfahrung zu sammeln. Freie Mitarbeit, Honorarverträge, Nebenjobs und Weiterbildungen sind besser bezahlt bzw. sinnvoller und kaschieren eventuelle Leerläufe in deiner Vita ebenso.
Als Überbrückung z.B. zwischen Bachelor und Master ist es ideal, um die Lücke in deiner Vita zu schließen. Trotz Studium erwartet dich nicht zwangsläufig eine höhere Vergütung. Hier gelten die gleichen Gesetze wie beim Mindestlohn.
  Mehrere Praktika nach dem Studium lassen dich planlos aussehen und symbolisieren, dass du dich noch nicht festlegen möchten.

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