Praktikum nach dem Studium: In Ausnahmefällen sinnvoll

Praktikum nach dem Studium: In Ausnahmefällen sinnvoll
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Praktikum nach dem Studium: Sinnvolle Praxiserfahrung oder Fehler?

Praktikum, Aushilfsjob oder Lücke im Lebenslauf? Nicht allen Absolventen gelingt nach dem Studium der reibungslose Berufseinstieg. Diejenigen, die nicht sofort in ein festes Anstellungsverhältnis wechseln, stehen vor der Frage, wie es nun vorübergehend weitergeht. Eine Option ist dabei das Praktikum nach dem Studium. PRAKTIKUM.INFO verrät, wann es Sinn macht und welche Alternativen es gibt.

Praktikum nach dem Studium als Ausnahme

Grundsätzlich raten Experten wie Kolja Briedis vom Hochschul-Informations-System (HIS) von Praktika nach dem Studium ab. Der Grund: Ein Studium ist berufsqualifizierend. Praktika gehören ins Studium, weil man so frühzeitig erste Einblicke in die Arbeitswelt erlangt und berufliche Kontakte knüpfe kann. Zudem erfüllt es eine Orientierungsfunktion. Schließlich erfährt man oft erst in der Praxis, welche Tätigkeitsbereiche einem liegen, und welche Bereiche einem überhaupt nicht zusagen.

Ein Praktikum nach dem Studium sollte daher eine Ausnahme sein. Das gilt zum Beispiel dann, wenn sich der Absolvent einem Arbeitsfeld widmen möchte, für das sein Studium nicht ausgelegt ist. Hier kann ein Praktikum der erste Schritt zum Quereinstieg sein. Gerade in Startups oder kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) fungiert ein Praktikum als eine Art Probezeit: Erweist sich der Praktikant als qualifiziert, hat er die Chance auf eine Festanstellung. Eine anschließende Übernahme wird dann vorab vereinbart und im Praktikumsvertrag festgehalten. Eine weitere Ausnahme bildet das Überbrückungs-Praktikum: Wenn du beispielsweise einen Master-Studienplatz sicher hast, kannst du die Zeit nach dem Bachelor-Studium nutzen, um praktische Erfahrung zu sammeln.

Existiert die Generation Praktikum noch?

Rückblick ins Jahr 2009: Es entsteht der Eindruck, dass Unternehmen verstärkt Hochschulabsolventen suchen, die bestens ausgebildet sind, aber für wenige Euro in als Praktika getarnten befristeten Vollzeit-Jobs arbeiten sollen. In den Regalen von Buchhandlungen steht ein Buch neben dem anderen, das von der Ausbeutung der Absolventen im Praktikum handelt. Sogar Kinofilme beschäftigten sich mit dem Thema Generation Praktikum, und kaum eine Zeitung oder ein Magazin kommt ohne eine Titelgeschichte über ausgebeutete Praktikanten aus. Jeder Student kann Geschichten über das Thema Praktikum erzählen. Es sind entweder persönliche Erfahrungen von Studierenden und Absolventen oder Erzählungen von Freunden und Bekannten. Doch, wie viel Legende und Wahrheit steckt hinter diesen subjektiven Erfahrungen?

Kolja Briedis beruhigt: Es sei die absolute Ausnahme, dass ein Absolvent mehr als ein Praktikum nach dem Studium macht. Die Studie der Jugend des Deutschen-Gewerkschafts-Bundes (DGB) mit dem Titel "Generation Praktikum 2011" warnt hingegen, dass 38 Prozent aller Absolventen direkt nach dem Studium ein Praktikum absolvierten oder eine praktikumsähnliche Anstellung bekleideten. Die DGB-Jugend zählt jedoch Trainee-Stellen und Volontariate dazu. Diese unterscheiden sich signifikant von einem Praktikum: Trainees und Volontäre arbeiten in verschiedenen Abteilungen oder Ressorts und erhalten eine Ausbildung, nach der sich ihre Jobaussichten steigern. Zudem werden Trainees und Volontäre in der Regel deutlich besser bezahlt als Praktikanten und sind sozialversicherungspflichtig angestellt.

Fast alle Universitäts-Absolventen finden einen Job

Eine gute Nachricht für Akademiker: Deren Arbeitslosenquoten liegen im niedrigen einstelligen Bereich – je nach Branche. Nach fünf Jahren haben über 95 Prozent aller Hochschulabsolventen einen „richtigen“ Job. Die Dauer zwischen Studienende und Berufseinstieg hängt dabei aber stark vom Studiengang ab. Informatiker und Ingenieure finden schneller ins Berufsleben. In nur in 3 von 100 Fällen absolvieren sie laut dem HIS nach dem Studium ein Praktikum, bei Sozial- und Politikwissenschaftlern sind es hingegen stolze 28 Prozent.

Im Kultur- und Medienbereich steht vor festen Jobs häufig eine Anstellung als freier Mitarbeiter oder Volontär. Eine unbefristete Vollzeitstelle bildet in diesen Berufsfeldern direkt nach dem Studium eine Ausnahme. Vielen Absolventen bleibt daher nichts anderes übrig, als ein Praktikum zu machen, um so ihre Karriere zu starten. Aber auch hier gilt, dass man diese Praktika möglichst innerhalb des Studiums absolvieren sollte.

Praktikum nach dem Studium als Neuorientierung

Ein Praktikum kann für Studenten eine berufliche Orientierungsphase sein oder nach dem Studium als (kleiner) Umweg zum Traumjob führen. Wenn man nach dem Studium merkt, dass man in einer anderen Branche arbeiten will, als es der Studienabschluss direkt zulässt, in es durchaus sinnvoll, mit einem Praktikum einen neuen Karriereweg einzuschlagen. Derartige Praktika lassen sich in einer Bewerbung auch gut begründen.Dafür ist es aber wichtig, dass das Praktikum nicht aus langweiligen Routinearbeiten besteht und somit für die berufliche Entwicklung ohne Nutzen bleibt.

Aber Vorsicht: Mehrere Praktika nach dem Studium können sogar schädlich sein. Wer nach seinem Studium ein Praktikum nach dem nächsten macht, signalisiert damit potentiellen Arbeitgebern, dass ihm „irgendetwas“ fehlt.

Praktikum nach dem Studium: Fazit

Ein Studium ist berufsqualifizierend, ein Praktikum im Anschluss ans Studium daher eigentlich zu spät. Studenten sollten Praktika während des Studiums absolvieren. Der Berufseinstieg nach dem Studium kann in einigen Branchen – zum Beispiel bei Architekten und Geisteswissenschaftlern – holprig sein. Bewahre Ruhe und verkaufe dich in einem Praktikum nicht unter Wert, nur weil du Angst vor einer Lücke im Lebenslauf hast. Freie Mitarbeit, Honorarverträge, Nebenjobs oder Weiterbildungen sind hier sinnvoller. Lediglich bei einer beruflichen Neuorientierung befördert ein Praktikum nach dem Studium die Karriere.

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